Diskutieren Sie mit!

Einloggen mit

oder

Anmelden

Neu registrieren

Wenn Sie noch kein Diskussionsteilnehmer sind, dann können Sie sich hier registrieren.

Unsere Kommentar- und Community-Richtlinien

Diese Plattform dient dem gemeinsamen Austausch. Die Kommentarfunktion soll eine sachliche Diskussion ermöglichen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu löschen, die einer solchen Diskussion nicht förderlich sind und sich nicht auf die Beiträge beziehen. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Kommentar-Richtlinien.

"Jede Kilowattstunde zählt"

Was den Handel bei der Energiewende umtreibt

Die laufende Energiewende stellt auch Handelsunternehmen vor große Herausforderungen. Olaf Schulze, Director Facility, Energy and Resource Management der METRO GROUP, gibt einen Überblick zu den aktuellen energiepolitischen Fragen und erklärt unsere Sichtweise.

METRO GROUP: Für ein Handelsunternehmen spielt Energieeffizienz eine große Rolle: Was macht die METRO GROUP?

Olaf Schulze: Wir investieren beispielsweise in die bestehenden Großmärkte jährlich mehr als 30 Millionen Euro und managen mehr als 1.000 verschiedene Einzelmaßnahmen. Unser Fokus liegt dabei klar auf den Hauptenergiefressern: Licht und Kälte. Ganz aktuell: Ende Mai 2015 haben wir mit unseren Maßnahmen 17 Prozent Strom eingespart im Vergleich zu 2011 (berechnet auf den Quadratmeter Verkaufsfläche).

Das hört sich gut an - und es ist auch nicht schlecht - aber es gilt: Jede Kilowattstunde zählt. Die METRO GROUP hat in der Vergangenheit einen großen Beitrag zur Energiewende geleistet und wird dies auch in den nächsten Jahren tun. Das gilt hier in Deutschland aber auch in den anderen Ländern, in denen wir präsent sind. Dem Klimaschutz ist es egal, wo er stattfindet. 

Bild vergrößern
METRO Cash & Carry Großmarkt in Spanien

METRO GROUP: Trifft die Erhöhung der EEG-Umlage bis zum Jahr 2020 alle Stromverbraucher gleichermaßen?

Olaf Schulze: Uns kostet allein die EEG-Umlage 100 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. Das tut wirklich weh. Und wenn unsere Prognosen zutreffen, dann werden wir 2017 schon rund 7,0 Cent/Kilowattstunde erreichen. Hierbei wird immer drückender, dass sich der Handel und unsere Kunden, die Gewerbekunden und Endverbraucher nicht wie die Industrie aus der EEG-Umlage teilweise entlasten können – obwohl wir über Energiemanagementsysteme verfügen und nachweislich durch Energieeffizienz zum Klimaschutz in der Bundesrepublik beitragen. Dass nun noch nachträglich weitere Industriezweige die EEG-Privilegierung erhalten und dies zu anteiligen Mehrkosten bei den nichtprivilegierten Stromkunden, wie der METRO führt, erscheint grob ungerecht. Unsere Forderung, die Lasten der Energiewende fair und gleichmäßig auf alle Kunden und Marktteilnehmer zu verteilen, ist verhallt.

METRO GROUP: Warum sind die Energiekosten für den Handel überhaupt ein Problem?

Olaf Schulze: Die Energiekosten sind nach den Wareneinstands- und Personalkosten bereits der drittgrößte Kostenblock. Seit 2000 haben sich diese Kosten je Kilowattstunde auf das Zweieinhalbfache erhöht. Die regulierten Kostenanteile und Steuern und Abgaben machen mehr als 70 Prozent unserer Stromkosten aus. Händler in Deutschland müssen mittlerweile weit mehr als 1 Prozent Stromkosten am Gesamtumsatz tragen – die Gewinnmarge am Umsatz ist mitunter nicht viel höher. Das Problem sind die absolute Höhe der spezifischen Energiepreise und deren Sprunghaftigkeit.

Wenn ich daran denke, dass uns 2017 – nach unseren Prognosen – Kostensteigerungen von rund 10 Prozent erwarten, dann muss ich von einem echten Problem sprechen. Wir rechnen mit diesen Kosten durch die Netzengelte, die EEG-Umlage, die KWK-Umlage und die Klimaschutzabgabe. Und da unsere Kunden das gleiche Problem haben, kann das zwangsläufig auch auf das Kauf- und Konsumverhalten unserer Kunden durchschlagen.

Bild vergrößern
Olaf Schulze, Director Facility, Energy and Resource Management der METRO

METRO GROUP: Aktuell plant die Bundesregierung den Ausbau von hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Das wird eine deutliche Erhöhung der Umlage mit sich bringen. Was sind die Konsequenzen einer Erhöhung der KWKG-Umlage?

Olaf Schulze: Grundsätzlich halte ich den Ausbau von KWK für klimafreundlich. Leider haben wir mit der EEG-Novelle 2014 und der Einführung eines EEG-Sockelbetrages für die Hocheffizienz-Eigenstromerzeugung viele KWK-Projekte einstellen müssen. Wenn sich diese nunmehr wieder und nur deshalb rechnen, weil die KWK-Zulage erhöht wird, dann erscheint dieser Zyklus sinnfällig. Die KWK-Umlage soll sich allein dadurch um bis zu 0,5 ct/KWh erhöhen -und das trifft dann wieder alle Stromabnehmer, vom Kleinkunden bis zur Industrie (bei der es aber eine Degression gibt). Für uns heißt das: Erneut Mehrkosten statt Mittel für mehr Investitionen zu haben.

METRO GROUP: Wo ist die METRO noch aktiv in Sachen Klimaschutz?

Olaf Schulze: Neben Strom, Wärme und Wasser – letzteres ist auch eine Ressource, die endlich und gefährdet ist - ist der Betrieb unserer Kälteanlagen und die Vermeidung von Leckagen ein oftmals in der Öffentlichkeit wenig beachtetes Feld. Immerhin 15 Prozent der Emissionen der METRO resultieren aus den Leckagen der Kälteanlagen. Neben vielen technischen Maßnahmen zur Reduzierung der Leckagen, angefangen von mehrmaligen Dichtheitsprüfungen im Jahr bis zur Installation von Leckageerkennungssystemen investiert die METRO in die Errichtung von modernsten Kälteanlagen, die mit natürlichen Kältemitteln betrieben werden.

Allein in diesem Jahr werden wir bei real,- und METRO Cash&Carry mehr als 60 dieser Kälteanlagen in Betrieb nehmen, die entweder mit CO2 oder mit Propen betrieben werden. In diesem Jahr ist zum Beispiel der METRO Markt in Chemnitz oder der real,- Markt in Cottbus mit dieser Technik ausgerüstet worden. Wir haben aber auch in diesem Jahr bereits die vierte CO2-Kälteanlage in China errichtet und werden sechs in Russland und drei in Polen neu bauen. Das gesamte Programm ist mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag ausgestattet. Das zeigt, wie ernst uns das ist.

Aber nicht nur das: Unsere 48 Elektrofahrzeug-Ladesäulen, die wir in Deutschland, Niederlande, Frankreich und Italien betreiben, werden wir in den nächsten Monaten mehr als verdoppeln.

Bild vergrößern
Photovoltaik - Anlage auf dem Campus - Gelände der METRO in Düsseldorf

Haben Sie Wünsche an die Bundesregierung?

Erst einmal wünsche ich der Politik, nein, auch uns allen Marktteilnehmern und Energiekonsumenten eine glückliche Hand bei der Energiewende, Konsequenz und Ausdauer. Denn das Ziel ist gut. Was ich mir aber von der Bundesregierung wünsche: Vertrauen in den Markt, echte Anreize für Energieeffizienz, die über hohe Strom- und Energiepreise hinausgehen, und dass endlich diejenigen, die wirklich zum Klimaschutz beitragen und sich anstrengen auch belohnt werden.