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Gesichtserkennung: was Real macht - und was nicht

Foto: Real

Viele Medien berichten derzeit über ein Werbesystem, das unter anderem in einigen Märkten der SB-Warenhauskette Real genutzt wird. Was das System macht – und was nicht – erklären wir hier.

Sie haben das sicherlich schon einmal erlebt: Auf der Webseite eines Online-Händlers haben Sie sich ein Kleidungsstück, ein Mobiltelefon oder ein anderes Produkt angeschaut – und die Werbung für das Produkt verfolgt sie noch Tage später auf jeder Webseite, die Sie besuchen. Wie genau funktioniert diese Art der Werbung?

Möglich machen das Cookies, kleine Dateien, die eine Webseite auf Ihrem Rechner abspeichert und durch die Sie identifiziert werden können, auch wenn Sie auf einer Drittseite surfen. Online-Händler wissen damit in der Regel sehr viel über Sie: sie kennen Ihre Such- und Browser-Historie, aber natürlich auch die Daten, die Sie direkt beim Händler hinterlegt haben wie Ihre Adresse, Ihre Kreditkartendaten oder andere Zahlungsmethoden.

Die Display-Werbung, die in den Real Märkten getestet wird, und über die Spiegel Online und andere Medien berichtet hatten, funktioniert anders. Die Informationen, die durch die Werbeplattform Adpack erhoben werden, unterscheiden sich deutlich.

Im Unterschied zur Onlinewerbung ist die Display-Werbung in den Real-Märkten nicht individuell, sondern soll – nach der Auswertung der Daten – lediglich auf demografische Zielgruppen zugeschnitten werden können: Männern wird also zum Beispiel andere Werbung angezeigt als Frauen. Für die Auswertung werden die Kamerabilder nach etwa 150 Millisekunden wieder gelöscht. Es wird also keine Datenbank mit Kundenbildern angelegt und Kunden können somit auch nicht „wiedererkannt“ werden – es handelt sich daher auch nicht um personenbezogene Daten.

Fünf Fakten zu dem System:

  • Das von der Firma echion AG installierte System, das unter anderem auch bei der Deutschen Post zum Einsatz kommt, erfasst ein Gesicht, um bestimmte demografische Daten zu erfassen.
  • Die Personen werden nicht erkannt. Das System erkennt lediglich z.B. einen Mann von ca. 45 Jahren. Die entstandenen Daten sind keiner Person zuzuordnen und es entstehen folglich keine personenbezogenen Daten.
  • Die datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit des Adpack-Systems wurde von der ePrivacyseal GmbH geprüft und das System mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert.
  • Die Bildschirme mit aufmontierter Kamera werden in 40 von 282 Real-Märkten getestet und auch dort immer nur an fünf Kassen. Die Testphase begann im Herbst 2016.
  • Die Bildschirme gehören nicht Real, sondern werden als Werbefläche an einen Dienstleister vermietet, der sich dazu verpflichtet hat, sämtliche datenschutzrechtliche Bestimmungen einzuhalten.

Update: Am 27. Juni hat Real bekannt gegeben, den Test mit sofortiger Wirkung zu beenden. "Der Kundennutzen vom Einsatz technologischer Weiterentwicklungen muss jederzeit für Kunden nachvollziehbar sein. Das war im vorliegenden Fall nicht gewährleistet," so das Unternehmen. Zuvor hatte das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht bekräftigt, dass die Verwendung des Systems datenschutzkonform sei.
Foto: Real

Daniel Florian

Informationen zum Autor

Daniel Florian ist Leiter Nationale Politik der METRO.