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"Es geht nicht um eine Verführung des Kunden"

Interview mit dem Blog "2 grüne Tomaten"

Der Blog "2 grüne Tomaten" von Dr. Helmut Leopold beschäftigt sich mit Fragen rund um die Themen Verbraucherschutz und Lebensmittel. Im Interview mit dem Blogger gibt Michael Wedell, Leiter Politik und Außenbeziehungen der METRO GROUP, Antwort auf die Frage: "Was die METRO GROUP unter Verbraucherschutz versteht und wie man das Vertrauen der Kunden gewinnt".

H. Leopold (2 grüne Tomaten): Die METRO GROUP stellt unter anderem mit ihren Marken Real und Metro/Makro Cash & Carry zwei der bedeutendsten Lebensmittelhandelsketten in Deutschland. Ihr Einfluss im Bereich Lebensmittel müsste damit enorm sein. Was versteht die METRO GROUP unter “Verbraucherschutz” und was tun Sie, um diesen auszubauen? Und wie wirken Sie auf die großen internationalen Lebensmittelhersteller wie Unilever, Nestlé oder Mondelez ein, um auch bei diesen das Thema Verbraucherschutz durchzusetzen?

M. Wedell (METRO GROUP): Neben der Sicherstellung einer einwandfreien Produktqualität ist es uns wichtig, die Kunden umfassend über Inhaltstoffe und Herkunft der Produkte zu informieren. So werden sie in die Lage versetzt, eine informierte Kaufentscheidung zu treffen. Bei unserem SB-Warenhaus Real kommt dem Internetportal www.bewusst-einkaufen-gesund-leben.de eine wichtige Informationsfunktion zu. Bei Real wie bei den anderen im Lebensmitteleinzelhandel tätigen Vertriebsmarken gibt es zu dem eine neue Nährwertkennzeichnung auf Eigenmarkenprodukten, die auf der Produktvorderseite einen schnellen Überblick über Energiegehalt, Fett, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz ermöglicht.

Um die Verbraucher noch besser über die Herkunft der Produkte zu informieren, nutzt die METRO GROUP seit einigen Monaten eine einzigartige Technologie, mit der die Herkunft von Fisch- und Fleischprodukten detailliert nachvollzogen werden kann. So können die Kunden der Großhandelstochter METRO Cash & Carry ab sofort beim Fischeinkauf per Smartphone-App zum Beispiel nachverfolgen, in welchen Gewässern und auf welche Art der Fisch gefangen wurde. Auch bei zahlreichen Fleischprodukten sind künftig detaillierte Daten zur Herkunft, Verarbeitung, Qualität und Nachhaltigkeit der Ware abrufbar.

Gemeinsam mit verschiedenen anderen internationalen Handelsunternehmen und Lebensmittelherstellern wie auch Unilever, Nestlé oder Mondelez engagiert sich die METRO GROUP außerdem im Rahmen des Consumer Goods Forums für internationale Standards im Bereich des Verbraucherschutzes.

H. Leopold: Lebensmitteleinkauf hat sehr viel mit Vertrauen zu tun – gerade da hat die Lebensmittelwirtschaft aktuell ein Problem. Auf Ihrer Internetseite ist zu finden, dass die METRO GROUP nach dem sogenannten Hazard Analysis of Critical Control Point-Konzept (HACCP) verfährt und entsprechende Eigenkontrollen durchführt. Nun geht auch Burger King nach eigenen Angaben nach diesem Konzept vor, und musste nun dennoch nach Recherchen von Journalisten große Mängel in diversen Filialen einräumen. Was kann der Verbraucher auf ein solches Eigenkontrollsystem geben?

M. Wedell: Um Frische, Qualität und Sicherheit ihrer Produkte zu gewährleisten, hat die METRO GROUP strenge Kontrollsysteme für die gesamte Lieferkette eingeführt – von der Herstellung bis zum Verkaufsregal. Mehr als 500 Qualitätssicherer sorgen weltweit dafür, dass die hohen Anforderungen des Unternehmens eingehalten werden. Der europäische Gesetzgeber hat mit der EG-Basisverordnung zum Lebensmittelrecht einheitliche Bestimmungen für die Sicherheit von Nahrungsmitteln geschaffen. Zudem gilt die EU-Hygieneverordnung für alle Unternehmen, die gewerbsmäßig Lebensmittel herstellen, behandeln und in den Verkehr bringen. Sie überträgt den Unternehmen die Verantwortung für die Qualität der Lebensmittel. So müssen sie unter anderem ein Eigenkontrollsystem nach dem so genannten Hazard Analysis of Critical Control Point-Konzept (HACCP) einführen. Diese Pflicht gilt für Händler wie die METRO GROUP ebenso wie für Gastronomiebetriebe. Das Konzept sieht vor, alle denkbaren Gefahren auf Grundlage der Produktbeschreibung, des Herstellungsprozesses und der betrieblichen Gegebenheiten zu analysieren. So ist es möglich, kritische Punkte zu identifizieren und zu kontrollieren. Die Umsetzung dieses Konzepts in ein Eigenkontrollsystem obliegt den einzelnen Unternehmen – daher können die jeweiligen Systeme im Detail unterschiedlich ausgestaltet sein.

Bei der METRO GROUP gelten sowohl in den zentralen Unternehmensbereichen als auch in den bundesweit 56 METRO Cash & Carry Großmärkten einheitliche Vorgaben für die Qualität und Sicherheit der Produkte. Die Effizienz des zentralen Qualitäts- und Eigenkontrollsystems wurde extern durch eine Zertifizierung nach dem  IFS-Standard (International Featured Standard) bestätigt:  Der TÜV SÜD hat als externes Kontrollinstitut alle METRO Cash & Carry Großmärkte in Deutschland und unsere Zentrale erfolgreich einer Prüfung unterzogen und das entsprechende IFS-Zertifikat ausgestellt. Ziel des IFS ist eine Vergleichbarkeit und Transparenz innerhalb der gesamten Lieferkette.

Wir arbeiten zudem daran, unsere Kunden aus dem Bereich der Gastronomie bei der Einhaltung der Grundregeln nach dem HACCP-Konzept zu unterstützen. Dazu stellen wir Online-Checklisten und E-Trainings mit Hinweisen zur Umsetzung des HACCP-Konzepts und seiner Hygieneregeln bereit.

H. Leopold: Verbrauchermärkte werden oftmals dahingehend optimiert, dass sie die Verweildauer des Verbrauchers und das Einkaufserlebnis fördern. Auch werden die Waren in einer Form angeboten, dass sie möglichst frisch und gesund anmuten. Dies alles dient dem Ziel den Verbraucher zu möglichst großen und häufigen Einkäufen zu verleiten. Bestimmte Dinge wie Süßigkeiten im Kassenbereich führen beim Verbraucher allerdings eher zu einer Verführung oder im Falle von Kindern zu Begehrlichkeiten, aber nicht zum “Schutz” des Verbrauchers. Welche Ideen und Maßnahmen hat die METRO GROUP, um die Verbrauchermärkte der Zukunft auch in dieser Hinsicht mehr in Richtung Fairness und Verbraucherschutz auszurichten?

M. Wedell:  Natürlich bemühen wir uns darum, in unseren Märkten ein attraktives Umfeld zu schaffen, in dem sich die Kunden wohlfühlen und gern wiederkommen. Bei den Überlegungen zur Marktgestaltung geht es dabei aber nicht um eine „Verführung“ des Kunden, sondern darum die Produkte in ihrer Frische und Qualität bestmöglich darzustellen sowie über ihre Inhaltsstoffe und Verwendungsmöglichkeiten zu informieren.

Die Gestaltung des Kassenbereichs ist bei uns natürlich auch ein Thema. Bei unserer SB-Warenhauskette Real, die sich anders als unsere Großmarkt METRO Cash & Carry an Endverbraucher und dabei vor allem auch an Familien richtet, verzichten wir an einzelnen Kassen bereits auf Süßigkeiten wie Schokolade oder Kaugummis. Stattdessen werden dort andere Produkte wie Telefonkarten, Tabak oder Batterien angeboten. Bei der Umgestaltung von Märkten gehen wir diesen Weg konsequent weiter.

H. Leopold: In Deutschland haben wir es trotz Lebensmittelskandalen mit einer unzweifelhaft sehr hohen Qualität bei unseren Lebensmitteln zu tun. Dieser Qualitätsanspruch kostet Geld, dennoch wird in Deutschland durch die ausgeprägte Discounterlandschaft der Preis für bestimmte Lebensmittel immer weiter gedrückt. Dies führt dazu, dass Produzenten immer weniger den hohen Anspruch bei Umweltschutz, Tierschutz oder fairen Arbeitsbedingungen durchhalten können. Was setzt die METRO GROUP diesem Preisdumping bei Lebensmitteln entgegen?

M. Wedell: Die Verbraucher in Deutschland sind in der Tat im europäischen Vergleich beim Lebensmitteleinkauf sehr preisbewusst und der Markt im Lebensmitteleinzelhandel recht umkämpft.
Günstige Preise sind dabei aber weder mit schlechter Produktqualität noch mit zweifelhaften Produktionsbedingungen gleichzusetzten. Von unseren Lieferanten fordern wir neben der Erfüllung anspruchsvoller Qualitätsvorgaben auch die Beachtung von Tierschutz, Umweltaspekten und Menschenrechten. Eine Vielzahl unternehmenseigener Leitlinien sowie weltweit anerkannte Richtlinien und Prüfsysteme helfen dabei, den Kunden eine breite und hochwertige Produktpalette anbieten zu können.

Im Bereich unserer Eigenmarken haben wir zudem für alle Vertriebslinien eine übergreifende Einkaufspolitik für die nachhaltige Beschaffung verabschiedet. Ziel dieser Einkaufspolitik ist es, Produkte in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht nachhaltig zu beschaffen, um Chancen zu nutzen und potenziellen negativen Auswirkungen entlang der Lieferkette vorzubeugen. Und am Ende des Tages bleibt es entscheidend, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst einkaufen.

Genau deshalb haben wir schon vor fünf Jahren das Kochbuch „Das Gute essen“ veröffentlicht, indem wir über Nachhaltigkeit und Regionalität informieren, deshalb twittern wir zu diesem Thema jeden Tag (www.twitter.com/dasGuteessen) und deshalb haben wir gerade ein zweites Kochbuch „Das Gute essen: im Gespräch“ veröffentlicht. Dort haben wir ein Gespräch mit Lieferanten, Kunden, NGOs und Politik dokumentiert, dabei ging es auch um die von Ihnen angesprochenen Themen. Mit allen unseren Aktivitäten wollen wir dazu beitragen, dass unsere Kundinnen und Kunden eine gute und bewusste Kaufentscheidung treffen.

H. Leopold:  Ich danke Ihnen für das Gespräch!

(Interview erschienen im Blog "2 grüne Tomaten")

Übrigens: Wer beim nächsten Einkauf den Weg unserer Produkte entlang der Lieferkette nachvollziehen möchte, kann sich die "METRO PRO TRACE" App kostenlos im App-Store (iOS-Geräte) oder Playstore (Android-Geräte) downloaden.

Durch einscannen des Codes am Produkt mit dem Smartphone, erhält man direkt Informationen zu Herkunft, Verarbeitung, Qualität und Nachhaltigkeit der Produkte, sowie tolle Rezeptideen.

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