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„Wir brauchen eine faire Vereinbarung mit Verdi“

METRO-Chef Olaf Koch im Interview

Im Interview mit der Rheinischen Post spricht Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender der METRO AG, unter anderem über die Perspektiven von Real und die Bedeutung der aktuellen Tarifverhandlungen für das Unternehmen.

Erst kürzlich hat der Aufsichtsrat der METRO Wholesale & Food Specialist AG Olaf Koch für weitere fünf Jahre bis zum 1. März 2022 als CEO des Unternehmens ernannt. Nach der für den Sommer geplanten Aufteilung der METRO GROUP in einen Großhandels- und Lebensmittelspezialisten (METRO) sowie einen Elektrofachhandelskonzern (CECONOMY) wird Koch die Großhandels- und Lebensmittelsparte weiter führen.
Zur künftigen METRO gehören insbesondere der Großhändler METRO Cash & Carry sowie das Hypermarktunternehmen Real. Im Interview mit der Rheinischen Post sprach Koch über die Perspektiven von Real und das erfolgreiche Konzept der Markthalle Krefeld.

Hier einige der zentralen Passagen des Interviews:

Wie das „Food-Lover“-Konzept Jobs schafft

„Wenn es uns gelingt, das neue Konzept, das wir bei der Markthalle in Krefeld angewandt haben, umzusetzen, dann wird Real Erfolg haben. Das flächenbereinigte Umsatzplus in Krefeld gegenüber dem früheren Standort ist sehr erfreulich.“ – Olaf Koch

Die nach dem „Food-Lover“-Konzept gestaltete Markthalle Krefeld ist mehr als ein SB-Warenhaus: in der „Marktküche“ werden Produkte in Gastronomie-Qualität produziert – die Kunden können sich hier buchstäblich alle frischen Produkte zubereiten lassen. Das heißt: kein Gerichte wird vorgefertigt – alles wird direkt vor Ort hausgemacht. Sogar eine eigene Kaffee-Rösterei und eine Austern-Bar sind in den Markt integriert.

„Das Food-Lover Konzept ist ein absoluter Erfolg. Wir werden es weiter ausbauen. Dazu werden wir aber logischerweise einige Feinjustierungen vornehmen. Dafür nehmen wir uns die notwendige Zeit. Die Liste der nächsten Standorte ist aber schon reichlich gefüllt.“ – Olaf Koch

Mit dem „Food-Lover“-Konzept sollen auch neue Jobs entstehen: nach Ankündigung von Real sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Wir wollen an der Tarifpartnerschaft festhalten“

„In der Tat kann das Modell zu den derzeitigen Personalkosten wirtschaftlich nicht funktionieren. Ich habe ja schon mehrfach gesagt, dass der Unterschied zu den Personalkosten einiger Wettbewerber zum Teil bis zu 30 Prozent beträgt. Darum brauchen wir eine faire Vereinbarung mit der Gewerkschaft Verdi, die alle Seiten zufriedenstellt. Wir wollen an der Tarifpartnerschaft festhalten.“ – Olaf Koch

Im margenschwachen Lebensmitteleinzelhandel sind wettbewerbsfähige Lohnkosten ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg. Und obwohl sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer den aktuellen Flächentarifvertrag übereinstimmend als veraltet beschreiben, gab es in den vergangenen 15 Jahren keine größeren Reformen der Entgeltstrukturen mehr. Lohnentwicklung und Produktivität haben sich auseinanderentwickelt.
Hinzu kommt, dass einige der größten Lebensmitteleinzelhändler genossenschaftlich organisiert sind. Hier entscheiden die Marktleiter teilweise individuell, ob sie sich in ihrem Markt an Tarifverträge binden wollen. Der tatsächliche Grad der Tarifbindung ist deswegen nur schwer nachvollziehbar. In der Begründung für die Erteilung einer Ministererlaubnis im Fall Kaiser’s Tengelmann heißt es, Edeka räume selber ein, dass selbstständige Einzelhändler „in der Regel nicht tarifgebunden sind und es keine Erkenntnisse dazu gäbe, wie viele selbstständige Einzelhändler über einen Betriebsrat verfügten“.
Dadurch entstehen erhebliche Wettbewerbsnachteile für die Lebensmittelhändler, die vollumfänglich tarifgebunden sind, darunter auch Real.

Tarifverhandlungen mit Verdi beginnen im April
Deswegen hat Real im vergangenen Jahr gemeinsam mit Verdi einen „Zukunftstarifvertrag“ geschlossen. Darin haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaften verpflichtet, über eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln, damit Real dauerhaft wettbewerbsfähig bleibt. Bis März 2018 müsse eine Einigung mit den Gewerkschaften gefunden werden, betont Koch in der Rheinischen Post. Und fügt hinzu: „Im Übrigen setzen wir darauf, dass wir uns am Ende einigen werden.“
Das vollständige Interview mit Olaf Koch, bei dem es auch über die Rolle der METRO bei der Digitalisierung der Gastronomie sowie die geplante Aufteilung des Konzerns geht, können Sie hier nachlesen.

Daniel Florian

Informationen zum Autor

Daniel Florian ist Leiter Nationale Politik der METRO.