Diskutieren Sie mit!

Einloggen mit

oder

Anmelden

Neu registrieren

Wenn Sie noch kein Diskussionsteilnehmer sind, dann können Sie sich hier registrieren.

Unsere Kommentar- und Community-Richtlinien

Diese Plattform dient dem gemeinsamen Austausch. Die Kommentarfunktion soll eine sachliche Diskussion ermöglichen. Um dies zu gewährleisten, behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu löschen, die einer solchen Diskussion nicht förderlich sind und sich nicht auf die Beiträge beziehen. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Kommentar-Richtlinien.

"Vielfalt macht Spaß"

Gespräch über Inklusion und Vielfalt

Wir sprachen mit Charta der Vielfalt Geschäftsführerin Aletta Gräfin von Hardenberg und dem Personalvorstand der METRO AG Heiko Hutmacher über die Bedeutung von Vielfalt in Unternehmen und den bevorstehenden 3. Deutschen Diversity-Tag.

Frau von Hardenberg, Herr Hutmacher wieso sollten sich Unternehmen mit dem Thema Vielfalt beschäftigen?

Aletta von Hardenberg: Sich um die Vielfalt in einer Organisation zu kümmern, ist vor allem eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Das lässt sich auf eine ganz einfache Gleichung herunterbrechen: Jeder Kunde und jede Kundin braucht sein oder ihr passendes Gegenüber. Das ist wichtig bei der Erschließung von neuen Märkten im Ausland und genauso bei der Produktentwicklung für den heimischen Markt. Die Bedürfnisse einer vielfältigen Kundschaft können am besten von einer vielfältigen Belegschaft erkannt werden. Außerdem sind vielfältige Teams kreativer und erfolgreicher, wenn sie entsprechend geführt werden.

Bild vergrößern

Heiko Hutmacher: Das Thema Vielfalt ist für uns sowohl in Hinblick auf unsere Kunden, als auch auf unsere Mitarbeiter von Bedeutung. Zum einen werden unsere Kunden immer individueller und vielschichtiger in ihren Erwartungen an uns als Händler. Sie fragen zum Beispiel vermehrt regionale Produkte nach, legen mehr Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit und entscheiden je nach Lebenssituation, welchen Kanal sie zum Einkaufen wählen. Zum anderen spüren wir gesellschaftliche und demografische Entwicklungen in unserer Mitarbeiterschaft. Die Altersstruktur unserer Mitarbeiter verändert sich – zudem werden sie internationaler und weiblicher. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich noch stärker mit den Bedürfnissen unserer Mitarbeiter auseinanderzusetzen.

Für mich persönlich bedeutet Vielfalt in einem Unternehmen, mehr Abwechselung, mehr Einsichten und damit mehr Spaß bei der Arbeit zu haben. Es entstehen interessante Gespräche und öfter innovative Ideen. Wenn man diese Vielfalt richtig nutzt, kann man das große Potenzial eines jeden Mitarbeiters ausschöpfen – zum Besten jedes Einzelnen, zum Besten des Unternehmens und letztlich zum Besten unserer Kunden. 

Bild vergrößern

Die Charta der Vielfalt wurde 2006 ins Leben gerufen – was ist die Charta genau?

Aletta von Hardenberg: Die Charta der Vielfalt ist eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Mit unserer Initiative möchten wir die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen. Organisationen sollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Wir sensibilisieren für das Thema und geben Anlässe zum Dialog in den Unternehmen. Mehr als 2.100 Organisationen haben die Selbstverpflichtung Charta der Vielfalt bis heute unterzeichnet.

Auch die METRO GROUP hat die Charta unterzeichnet und ist seit 2013 Teil des Vorstands der Charta der Vielfalt – warum?

Heiko Hutmacher: Wir sind davon überzeugt, dass Vielfalt dann zum Erfolg des Unternehmens beiträgt, wenn sich eine offene und einschließende Unternehmenskultur entfalten kann – wenn diese die Pluralität wertschätzt und die Entwicklung eines jeden Mitarbeiters und seiner individuellen Stärken fördert. Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt im Jahr 2007 wollten wir dieses Verständnis unterstreichen und ein klares Bekenntnis zur Förderung von Vielfalt unter den Beschäftigten abgegeben.

Damals war der Kreis der Unterzeichner der Charta noch recht überschaubar und das Thema Diversity Management, also die gezielte Förderung von Vielfalt in der eigenen Organisation, weit weniger etabliert. Wie von Frau von Hardenberg schon angesprochen, haben es uns bis heute mehr als 2.100 Unternehmen und Organisationen in Deutschland gleichgetan und die Charta der Vielfalt unterschrieben. Wir sind sehr froh über diese Entwicklung und setzen uns aktiv dafür ein, das Thema Diversity Management in der Arbeitswelt weiter zu verankern. Ein Teil dieses Engagements ist die Mitgliedschaft der METRO AG im Vorstand der Charta der Vielfalt.

Die Charta der Vielfalt veranstaltet am 9. Juni 2015 bereits zum 3. Mal den Deutschen Diversity-Tag. Was ist die Idee hinter diesem Tag?

Aletta von Hardenberg: Der Deutsche Diversity-Tag möchte einmal im Jahr gebündelt den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit auf das Thema Vielfalt lenken. Alle Unternehmen sind aufgerufen, mit eigenen Ideen und Kreativität Flagge für Vielfalt zu zeigen. Dieses Jahr haben wir mit rund 800 Aktionen doppelt so viele Anmeldungen wie noch vor zwei Jahren beim Start der Aktionstags. Er verbindet branchen- und größenübergreifend Unternehmen mit Vereinen/Verbänden und öffentlichen Institutionen, die sich einig sind: Vielfalt ist eine Bereicherung für Deutschland. 2015 gehen wir zum ersten Mal bewusst in den öffentlichen Raum, um  noch mehr Menschen zu begeistern. Am 9. Juni laden wir alle von 10 bis 18 Uhr zu einer Open Air Veranstaltung auf den Potsdamer Platz ein.

Sind auch bei der METRO Aktionen im Rahmen des Diversity-Tages geplant?

Heiko Hutmacher: Bei unserer so genannten „METRO Campus Week“, einer internen Veranstaltungswoche für unsere Mitarbeiter, die vom 8. bis 12. Juni an unserem Unternehmenssitz in Düsseldorf stattfindet, beschäftigen wir uns neben anderen Themen auch intensiv mit dem Thema Diversity. Es wird die ganze Woche über einen eigenen Stand geben, an dem sich die Mitarbeiter über Einbeziehung und Vielfalt informieren können. In interaktiven Workshops können sie sich zudem mit spezifischen Diversity-Dimensionen wie Behinderung oder sexuelle Identität auseinandersetzen und praktisch erfahren, vor welchen Herausforderungen manche ihrer Kollegen im Alltag stehen.

Im vergangenen Jahr haben wir anlässlich des Diversity-Tages gemeinsam mit 15 anderen Unternehmen aus der Region Rhein-Ruhr außerdem eine Veranstaltung unter dem Motto „Vielfalt nutzen – Erfolge ernten“ ins Leben gerufen. Dabei sind etwa 100 Führungskräfte der teilnehmenden Unternehmen zusammengekommen, um sich über ihre Erfahrungen im Umgang mit der Vielfalt in der eigenen Belegschaft auszutauschen. Auch diesen Austausch werden wir in diesem Jahr zum Diversity-Tag wiederholen. Die Veranstaltung am 9. Juni steht unter der Überschrift „Vielfalt statt Einfalt - Kulturelle Kompetenz für wirtschaftlichen Erfolg“.

Wie lebt die METRO GROUP abseits solcher Aktionstage das Thema Diversity?

Heiko Hutmacher: Wie aktuell das Thema Diversity für uns ist, zeigt auch ein Blick auf die Zahlen: Derzeit sind Menschen aus 170 Nationen für die METRO GROUP tätig. 20 Prozent der Mitarbeiter sind älter als 50 Jahre, der Frauenanteil der Gesamtbelegschaft liegt bei mehr als 53 Prozent und der Schwerbehindertenanteil bei deutlich über fünf Prozent.

Einer der Schwerpunkte unseres Diversity-Managements sind Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Über Maßnahmen wie Teilzeitmöglichkeiten, Vertrauensarbeitszeitregelungen und Kinderbetreuungsplätze bieten wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, je nach Lebensphase die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sowie Beruf und Familie bedarfsgerecht zu gestalten und zu verbinden. Diese Maßnahmen helfen auch dabei, die Chancengleichheit von Frauen im Unternehmen zu fördern. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2017 den Anteil von Frauen auf den Führungsebenen eins bis drei unternehmensweit auf 25 Prozent zu steigern. Momentan liegt dieser Anteil bei 18,5 Prozent.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Fortführung des Kulturwandels innerhalb des Unternehmens wichtig. Aktuell sind wir dabei, das Thema Vielfalt im Rahmen eines „Inclusion & Diversity“-Programms noch stärker innerhalb der METRO zu verankern. Über Vor-Ort-Workshops und ein neu entwickeltes E-Learning werden die Mitarbeiter aller Länder und Hierarchieebenen für das Thema Inclusion & Diversity sensibilisiert. Dabei beschränken wir uns natürlich nicht auf das Thema Geschlecht. Auch die Diversity-Dimensionen Alter, Behinderung, Herkunft sowie sexuelle Identität und sexuelle Orientierung sind wichtige Aspekte. Mit der Implementierung des Programms beginnen wir derzeit in der METRO AG sowie bei unserem Großhändler METRO Cash & Carry.

Besonders freut mich, dass unsere Mitarbeiter aus eigener Initiative an dem Kulturwandel im Unternehmen mitwirken. 2013 wurde beispielsweise das Mitarbeiternetzwerk Women in Trade (WIT) gegründet, das sich besonders für die Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen und die Etablierung eines Arbeitsumfeldes einsetzt, das sich an den verschiedenen Lebensphasen von Frauen orientiert.

Aus Ihrer Erfahrung als Geschäftsführerin der Charta der Vielfalt und Ihren früheren Stationen bei der Deutschen Bank: Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen beim Thema Vielfalt?

Aletta von Hardenberg: Eine Herausforderung ist sicher, dass Diversity Management teilweise als ein zeitlich begrenztes Projekt und nicht als Prozess gesehen wird. Außerdem wird es noch zu sehr als ausschließliches Personalthema verstanden. Dieses Verständnis muss sich wandeln: Diversity Management ist ein Strategiethema, das Teil der gesamten Unternehmensstrategie sein und immer mitgedacht werden muss. Das heißt, es betrifft alle Unternehmensbereiche, von der Produktentwicklung bis zu Vertrieb und Marketing.

Frau von Hardenberg, Herr Hutmacher vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen zum Diversity Management bei der METRO GROUP finden Sie auch auf der Unternehmenswebsite sowie in unserem Corporate Responsibility Report.