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Alles in Echtzeit? Teil 2/2

Von letzten Meilen und ersten Schritten - Handelslogistik 4.0

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile:

Wie verändert die Digitalisierung die Arbeit in der Logistikbranche und wie werden dort die Berufsbilder der Zukunft aussehen? Welche Effekte hat das Verbraucherverhalten im digitalen Zeitalter auf unsere Innenstädte? Und welche regulatorischen Weichen müssen gestellt werden, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen? Der zweite Teil des Handelbrief Schwerpunkts beleuchtet diese und weitere Fragen. 

Vom Kommissionierer zum Schnittstellenmanager

So, wie die Digitalisierung Veränderungen in den Logistikstrukturen von Handelsunternehmen hervorruft, wird sie zukünftig auch die Abläufe im Arbeitsalltag der Logistiker prägen. Längst unterstützen Smartphones und Tablets zahlreiche Prozesse in den Logistikzentren. Am Einsatz vieler anderer digitaler Hilfsmittel und Technologien wird in der Handels- und Logistiklandschaft geforscht und getestet. So nutzen die Mitarbeiter mancher großer Logistikunternehmen heute schon Datenbrillen, auf deren Innenseite alle nötigen Informationen eingeblendet werden, sodass sie beide Hände zum Be- oder Entladen frei haben.

Auch die Vernetzung schreitet in den smarten Lagern voran: Beacons und spezialisierte Apps helfen bei der digitalen Erfassung von Paletten. Andere Programme verbessern die Lagerüberwachung oder ermitteln genau die richtigen Transport- und Ladefahrzeuge für die zu transportierende Warenmenge. Cloud Computing und das Internet der Dinge, das bei der Lagerhaltung die Kommunikation von Regalen und Warenbeständen in naher Zukunft ermöglichen könnte, werden die Automatisierung weiter vorantreiben. „Dabei wird die Arbeit des klassischen Kommissionierers oder Lagerarbeiters zunehmend komplexer. IT-Kenntnisse und ganzheitliches Prozess Know-How werden zu den notwendigen Grundkenntnissen gehören; das Bedienen zahlreicher Schnittstellen sowohl zu anderen Funktionsbereichen als auch zu den neuen smarten Maschinen und Devices werden in Zukunft die Arbeit prägen“, bestätigt Dr. Christian Schwede vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML).

Mit der fortschreitenden Digitalisierung rücken die Berufsbilder von Mitarbeitern in den Märkten und in Logistikzentren immer weiter zusammen: Mitarbeiter in Einzelhandelsgeschäften sind schon heute zu mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Aufgaben rund um die Filiallogistik betraut. Gleichzeitig übernehmen Mitarbeiter in Logistikzentren immer mehr planerische, administrative und beratende Tätigkeiten. Eine klare Grenzziehung zwischen den Tätigkeiten, wie sie heute noch durch eigene Tarifverträge für Einzelhandel und Logistik stattfindet, ist immer weniger zeitgemäß. Handel, Gewerkschaften und Politik sind daher gefordert, über moderne Tarifmodelle nachzudenken, die den gewandelten Anforderungsprofilen und Berufsbildern der Mitarbeiter gerecht werden.

Bewegung auf der "letzten Meile"

Neben dem klassischen Angebot von Waren verstehen immer mehr Handelsunternehmen auch Transporte und deren effiziente Organisation als weitere Kernkompetenz. Dazu bauen sie vor allem auf der sogenannten „letzten Meile“ – dem letzten Transportabschnitt auf dem Weg zum Endverbraucher – logistische Strukturen auf. Home Delivery und Lieferservice boomen, die Nachfrage wächst, wie die steigende Zahl von Einkaufsbringdiensten in den Großstädten belegt. Doch ob Supermarkt, Pizza-Kette oder Blumen-Service – sie alle sehen sich der vielleicht größten Herausforderung gegenüber, die das neue, individualisierte Verbraucherverhalten mit sich bringt: verstopfte Straßen, zu wenige Parkplätze, zu viel Abgase und zudem gesetzliche Beschränkungen, vor allem beim Innenstadtverkehr.

Mit dem „Aktionsplan Güterverkehr und Logistik“ hat das Bundesverkehrsministerium ein strategisches Konzept mit konkreten Maßnahmen auch für die Innenstädte vorgelegt, um nachhaltige und effiziente Strukturen für die Logistik der Zukunft zu schaffen. Insbesondere die „Initiative für Logistik im städtischen Raum“ will im Rahmen des Aktionsplans die Verteilung von Gütern in Städten und Ballungsräumen auf der letzten Meile flüssiger und umweltfreundlicher gestalten. Dazu gibt es unter anderem in mittler weile 35 Städten sogenannte Güterverkehrszentren (GVZ), beispielsweise den Berliner Westhafen oder den Kölner Bahnhof Eifeltor. Das Besondere an diesen logistischen Schnittstellen: Durch mindestens zwei Verkehrsträger, oft Straße und Schiene, lassen sich Waren in unmittelbarer Nähe von Städten und Ballungsräumen bündeln. 

In eine ähnliche Richtung geht auch die Idee der sogenannten „Urban Hubs“, die im Effizienzcluster Logistik Ruhr entwickelt wurde, an dem die METRO GROUP neben anderen Akteuren aus Handel und Logistik beteiligt ist. Unternehmens- und sortimentsübergreifend werden Warenströme in den Hubs gebündelt und verschiedene Anlieferpunkte in der Stadt gemeinsam beliefert. Die Auslastung der einzelnen LKWs wird so erhöht und dadurch die Tourenzahl auf der letzten Meile reduziert. Nach diesem Prinzip gestaltet die METRO LOGISTICS, das logistische Service- und Kompetenzcenter der METRO GROUP, bereits seit Jahren die Beschaffungslogistik für die verschiedenen Vertriebslinien und erhöht so die Effizienz der Lieferprozesse.

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Zukunft der Innenstädte

Für die Politik steht aber nicht allein die Schaffung der optimalen Organisation der Verkehrsflüsse auf der letzten Meile im Fokus. Es geht insgeamt darum, wie sich Metropolen und vor allem ihre Innenstädte unter dem Einfluss der weiteren Verbreitung des Online-Handels verändern. In Paris hat Oberbürgermeisterin Anne Hidalgo bereits versucht, lokale Einzelhandelsstrukturen zu schützen. Ihre Idee: Innerstädtische Lieferservices von international tätigen Onlinehändlern beschränken. In Deutschland setzt sich die vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Dialogplattform Einzelhandel aktuell intensiv mit Fragen nach einem Strukturwandel in den Innenstädten auseinander. Schwerpunkt einer von Bundesumweltministerium und dem Handelsverband Deutschland beauftragten Studie mit dem Titel „Smart Cities“ ist zudem die Untersuchung der möglichen räumlichen Auswirkungen des Online-Handels auf Innenstädte, Stadtteil- und Ortszentren.

Die Ergebnisse dieser Studien und Dialogforen werden Anhaltspunkte dafür bieten, in welche Richtung sich die Stadt der Zukunft entwickeln kann und sollte – zahlreiche Ideen, wie die der Urban Hubs oder alternativer autonomer Liefervehikel, liegen bereits heute auf dem Tisch. Die Antwort auf die Frage, wer wie stark Treiber der Veränderung sein wird, steht dabei noch aus. Vor allem die Politik muss sich hier entscheiden, ob sie mit Mut und Innovationsgeist die zukünftigen Strukturen unserer Städte prägen oder die Entwicklung anderen Akteuren überlassen will. Ganz ohne regulatorische Weichenstellungen wird es auf dem Weg zu den Innenstädten der Zukunft aber in beiden Fällen nicht gehen.

Den ersten Teil des Handelsbrief Schwerpunkts "Handelslogistik 4.0" finden Sie hier.

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile: