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"Der Verbraucher" - Wer ist das eigentlich?

Schwerpunkt zum Thema Verbraucherschutz

Aufgeklärt, informiert, schutzbedürftig, mündig oder auf Augenhöhe – in Verbraucherleitbildern werden immer wieder neue Attribute diskutiert. Warum ist diese Debatte hilfreich? Ist sie – angesichts immer differenzierteren Verbraucherverhaltens – zeitgemäß? Das haben wir Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer von BLL und BVE gefragt.

Wir sprechen immer so leichtfertig von „dem Verbraucher“ und dem „Konsumenten“. Aber wer ist das eigentlich? Das Marktforschungsinstitut Sinus beschreibt allein zehn unterschiedliche Milieus und damit mindestens zehn unterschiedliche Verbrauchertypen. Vom adaptiv-pragmatischen über den sozialökologischen bis hin zum hedonistischen Milieu. Von flexibel-sicherheitsorientierten über die konsumkritischen und -bewussten bis hin zu spaß- und erlebnisorientierten Bürgern der Ober-, Mittel- und Unterschichten. Die Vielfalt der Lebensstile und Möglichkeiten ist das Kennzeichen unserer ausdifferenzierten, fragmentierten Gesellschaft. Und dazu passt die Vielfalt der 170.000 Produkte der Lebensmittelwirtschaft, die allen Verbrauchern, gleich welchen Typs, zur Verfügung stehen.

 Dass wir ein Verbraucherleitbild benötigen, steht jedoch trotz aller Unterschiede außer Frage. Für die Rechtsprechung ist es genauso wichtig wie für die Politik, die Leitbilder als Orientierungshilfe für die Ausgestaltung des Verbraucherschutzes benötigt. Allerdings wird seit langem darüber gestritten welches Verbraucherleitbild das richtige und maßgebliche ist. Es ist auch grundsätzlich richtig, das Verbraucherleitbild immer wieder zu hinterfragen und darüber zu diskutieren. 

Das Verbraucherleitbild der Politik hat sich in den letzten Jahren stärker ausdifferenziert, sich zum Teil vom mündigen, also informierten, kritischen und eigenverantwortlichen Verbraucher entfernt und hin zum unwissenden und daher schutzbedürftigen Verbraucher gewendet. Danach entscheidet der Verbraucher zwar selbstbestimmt, jedoch ist staatliche Vorsorge und Schutz dort notwendig, wo der Verbraucher sich nicht selbst schützen kann oder überfordert ist.

Aber gerade im Lebensmittelmarkt gilt: Nicht der Anbieter, sondern der Verbraucher bestimmt doch das Marktgeschehen; er bestimmt am Ende das Angebot, denn er hat in der Marktwirtschaft die zentrale ordnungspolitische Aufgabe der Marktsteuerung. Würde nicht der Verbraucher steuern, müssten es jedoch andere tun, müssten dann aber planerische Elemente den Markt regulieren. Das würde dramatische Auswirkungen auf Angebot und Verfügbarkeit, auf Qualität und Sicherheit der Lebensmittelprodukte haben. 

Ich plädiere deshalb für den souveränen Verbraucher, der urteilsfähig und selbstbestimmt handelt! Einen Verbraucher, der sich bewusst für oder gegen ein Produkt entscheiden kann und darf, auch wenn diese Entscheidungen nicht immer jedem Gefallen. Um eine bewusste Entscheidung treffen zu können, benötigt er ausreichend Informationen und Bildung, jedoch keine staatliche Regulierung.

Dieser Kommentar entstand im Rahmen der Arbeit am Handelsbrief-Schwerpunkttext zum Thema Verbraucherschutz.

Bildnachweis Titelbild: BLL/ Matthias Martin