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"Investitionslücke ist Hauptgrund für wirtschaftspolitische Schwächen Deutschlands"

Die Thesen der 21. Mittwochsgesellschaft von Prof. Marcel Fratzscher

Prof. Marcel Fratzscher

Der Präsident des DIW Berlin, Prof. Marcel Fratzscher ist am 6. Mai bei der Berliner Mittwochsgesellschaft der Handels zu Gast. Seine Thesen zum Thema "Investitionslücke: Warum Deutschland stärker in seine Zukunft investieren sollte" können Sie hier schon vorab einsehen und kommentieren.  

These 1

Wir Deutschen unterliegen der Illusion, wir hätten wirtschaftspolitisch alles richtig gemacht, unsere Wirtschaft boomt und unsere Zukunft sei rosig. Das Gegenteil ist der Fall - nicht nur Südeuropa, sondern wir müssen heute dringend Strukturreformen unternehmen. Unsere wirtschaftlichen Zukunftsaussichten sind dürftig. Deutschland lebt von seiner Substanz. Wenn wir nicht dringende wirtschaftspolitische Anpassungen vornehmen, werden zukünftige Generationen deutlich Einbußen in ihrem Wohlstand erfahren.

These 2

Deutschland hat drei wichtige wirtschaftspolitische Erfolge in den vergangenen zehn Jahren erzielt: ein Beschäftigungsboom, eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und eine hohe Wettbewerbsfähigkeit seiner Exportunternehmen. Diese drei Erfolge haben jedoch wichtige Kehrseiten.

These 3

Zwar hat sich die Arbeitslosigkeit über das vergangene Jahrzehnt fast halbiert. Aber Deutschland hat ein Unterbeschäftigungsproblem. Viele Menschen arbeiten Teilzeit, würden jedoch gerne deutlich mehr arbeiten. Die prekäre Beschäftigung ist gestiegen. Die Produktivität der deutschen Wirtschaft war in vielen Bereichen und Sektoren enttäuschend. Die Reallöhne der Hälfte der deutschen ist in den vergangenen 15 Jahren gefallen.

These 4

Zwar gibt es eine Reihe von enorm erfolgreichen und wettbewerbsfähigen Exportunternehmen in Deutschland. Deutschland hat jedoch eine duale Volkswirtschaft - mit vielen Sektoren, in denen Innovation, Produktivität und Dynamik im internationalen Vergleich enttäuschend sind. Deutschlands "hidden champions" und andere Exportunternehmen orientieren sich immer mehr weg von Deutschland, schaffen Investitionen und neue Jobs fast ausschließlich im Ausland.

These 5

Zwar erwirtschaftet der Bundeshaushalt mit der "schwarzen Null" wieder Überschüsse und Schulden werden aktiv abgebaut. Im Gegenzug erfährt Deutschland jedoch einen Verfall der öffentlichen Infrastruktur und steht in den Bereichen Bildung und Wissenschaft international eher mittelmäßig da. Das Nettovermögen des deutschen Staates ist in den vergangenen 15 Jahren um 500 Milliarden € gesunken. Diese Infrastruktur steht somit zukünftigen Generationen nicht mehr zu Verfügung.

These 6

Die große private und öffentliche Investitionslücke ist der Schlüssel und Hauptgrund für diese wirtschaftspolitischen Schwächen Deutschlands. Der deutsche Staat ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten seiner Aufgabe eine leistungsfähige Infrastruktur und ein erstklassiges Bildungssystem bereitzustellen nicht nachgekommen. Und die Politik ist gescheitert, privaten Unternehmen die richtigen Rahmenbedingungen für mehr Investitionen in Deutschland zu geben. Nur wenn diese beiden Weichenstellungen korrigiert werden, kann Deutschland wieder zukunftsfähig sein und langfristig Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland sichern.

Foto: DIW Berlin / B.Dietl