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Digitalisierung des Handels – mehr als der Wandel vom stationären zum Online-Handel

Expertenanhörung im Landtag NRW

Die Zukunft des Handels liegt im nahtlosen Übergang zwischen analoger und digitaler Einkaufswelt – da waren sich die Experten bei der Anhörung im nordrhein-westfälischen Landtag einig und erläuterten, wie die Digitalisierung im Handel gelingen kann.

Der Ausschuss für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk im nordrhein-westfälischen Landtag hat am 13. April zahlreiche Experten zu einer Anhörung geladen. Im Mittelpunkt stand der Antrag der Fraktionen SPD und Bündnis 90/Die Grünen "Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken - Innerstädtische Quartiere und ländliche Räume brauchen Vielfalt und Versorgungssicherheit". Die Experten aus Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Gewerkschaften – unter ihnen auch Olivier Kanitzky, Head of E-Commerce bei METRO Cash & Carry – waren gefragt, ihre Einschätzung abzugeben, wie die Digitalisierung im Handel gelingen kann.

Ein zentraler Punkt aus Sicht der Sachverständigen ist dabei die Weiterentwicklung klassischer stationärer Händler zu Multi-Channel-Anbietern, die ihren Kunden auf unterschiedlichen Vertriebskanälen Zugang zu den Produkten ermöglichen.

Jeder Händler ist heute gefordert, sich um eine Online-Präsenz zu kümmern. Andernfalls droht er, von der zunehmend digital agierenden Kundschaft nicht mehr wahrgenommen zu werden.

Sachverständiger Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer Handelsverband NRW

Anstatt Gefahren auszumalen, sollte vielmehr eine Chancendebatte geführt und Lösungen gefunden werden. Ziel muss es sein, den Kunden möglichst überall abzuholen und seine Bedürfnisse sowie sein Kaufverhalten in das eigene Vertriebskonzept mit einzubeziehen.

Sachverständige Julia Miosga, Referentin Handel & Logistik, Bitkom

Auch Olivier Kanitzky von METRO Cash & Carry unterstrich: „Für erfolgreiche Händler ist die Grundlage klar: Der Kunde steht im Mittelpunkt, es wird primär nach digitalen Lösungen für Kunden gesucht. Das gilt für Einzelhändler ebenso wie für Großhändler. Wichtig ist dabei, dass Kunden vielfältig sind und es große Unterschiede bei den Bedürfnissen und Erwartungen gibt, die bei den Themen Digital Transformation und Multi-Channel/Omni-Channel nach Branchen, Unternehmensgröße und nach Zielgruppen unterschiedliche Bedeutungen haben. Die METRO GROUP arbeitet deshalb gleichzeitig an der Optimierung und Weiterentwicklung bestehender Geschäftsmodelle und testet neue Geschäftsmodelle.“


Kanitzky erläuterte außerdem, welche kulturellen Veränderungen es innerhalb von Handelsunternehmen braucht, um die Digitalisierung zum Erfolg zu führen: Investitionen, Innovationen, IT-Infrastruktur, veränderte Prozesse und vor allem neue Kompetenzen der Mitarbeiter. Er unterstrich, dass es darüber hinaus auf die passenden politischen Rahmenbedingungen ankommt.


Freie WLAN-Nutzung für Kunden

Viele neue Technologien oder Anwendungen im Handel basieren auf dem Zugang zum Internet.  Händler müssen deshalb in die Lage versetzt werden, ihren Kunden ohne Haftungsrisiken rechtssicher die Nutzung eines öffentlichen WLANs anzubieten. Der einfache und schnelle Zugang zum Internet ist dabei entscheidend, denn die Verweildauer im Handel ist deutlich kürzer als in Hotels oder auf Flughäfen.

Breitbandausbau

Das volle wirtschaftliche Potenzial des E-Commerce lässt sich insgesamt nur durch eine flächendeckende Versorgung mit stabilem, schnellem Internet ausschöpfen. Der stationäre Handel benötigt beispielsweise Breitband, um Kartenzahlungen abzuwickeln oder innovative, digitale Technologien im Laden einsetzen zu können.

Datenschutz

Mit der Digitalisierung wird sich auch die Nutzung von Daten weiter verändern. Die Kundenkommunikation wird digitaler und personalisierter werden und auch in der Analyse des Kaufverhaltens und Logistikfragen wird Daten zukünftig eine größere Rolle zukommen. Um die Chancen des digitalen Wandels in seinen verschiedenen Facetten nutzen zu können, muss daher ein vernünftiger Ausgleich zwischen Datenschutz und moderner Datennutzung geschaffen werden.


Wichtige Rahmenbedingungen für den Erfolg der Digitalisierung im Handel sind zudem die Aspekte Bildung, Ausbildung und Weiterbildung und die Stärkung von Kooperation und Austausch.

Bildung, Ausbildung und Weiterbildung

Durch die Digitalisierung werden künftig immer mehr neue Kompetenzen verlangt werden und neue Berufsbilder entstehen. Gefragt sind IT Entwickler, Produkt Owner, SEO Manager, CM für Online Sortiment Marketplaces oder E-Fulfillment Spezialisten. Auch unabhängig dieser Spezialisierung werden digitale Kompetenzen für alle immer essentieller. Dies muss bei den verschiedenen Einrichtungen und Inhalten der Bildung, Ausbildung und Weiterbildung berücksichtigt werden.

Kooperation und Austausch

Entsprechend des übergreifenden Charakters der Digitalisierung erfordert sie einen starken Austausch der einzelnen Akteure in den jeweiligen Branchen und über Branchen hinweg. Initiativen wie DWNRW sind ein guter Schritt, um diesen Austausch zu fördern - deshalb arbeitet die METRO GROUP dort intensiv mit. Auch ein „Kompetenzzentrum Retail/E-Commerce“, das noch stärker den Austausch fördert, Forschung und Anwendung, Startups und Inkubatoren, Studiengänge und Interessenten zusammenbringt und unter einem Dach vereint, wäre aus Sicht der METRO GROUP unterstützenswert.

Mehr zum Thema Digitalisierung im Handel finden Sie in der „Digitalen Agenda des HDE – Der Handel im digitalen Wandel“.

Quelle Titelbild: Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen
Fotograf: Michael Hoen

Stefanie Awe

Informationen zum Autor

Stefanie Awe ist als Leiterin Verbraucherpolitik im Berliner Konzernbüro der METRO tätig.