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Geschmacksfrage mit… Lebensmittelretter Raphael Fellmer

Mit der "Geschmacksfrage" stellen wir regelmäßig Akteure aus Berlin vor und vermitteln so einen Eindruck von der Vielfältigkeit der Hauptstadtinteressen.

Heute im Interview: Lebensmittelretter Raphael Fellmer. Es ist Mitgründer und CEO des Lebensmittelmarktes und Online-Shops SIRPLUS. Das Besondere an SIRPLUS: Es werden Lebensmittel verkauft, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder die es bereits überschritten haben.

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METRO AG: Hochsommer in Berlin – was gehört für dich kulinarisch unbedingt dazu?

Raphael Fellmer: Für mich gehört in jeder Jahreszeit gerettetes Essen auf den Tisch! Also all die Lebensmittel, die normalerweise im Müll landen, weil wir sie in der Vorratskammer oder im Kühlschrank ganz hinten platziert und dann vergessen haben, und natürlich auch die Lebensmittel, die man bei uns im Onlineshop oder im „Rettermarkt“ kaufen kann. Gerettet schmeckt einfach besser und bei 50% Lebensmittelverschwendung in der EU gibt es genug zum Retten!

METRO AG: Du ernährst dich seit Jahren vegan. Wie aufwendig ist es, dafür die passenden Lebensmittel einzukaufen?

Raphael Fellmer: Die vegane Ernährung gehört für mich zu einer nachhaltigen Lebensweise dazu, denn sie reduziert den ökologischen Fußabdruck deutlich und ist damit die enkeltauglichste und für mich auch gesündeste Form sich zu ernähren.

Da es mittlerweile Hunderttausende, manche sagen 1 Million, Menschen gibt, die sich in Deutschland pflanzlich ernähren, wird es auch immer einfacher. Man findet natürlich in jedem Supermarkt Obst und Gemüse. Sogar bei Discountern gibt es mittlerweile Sojaschnitzel, immer mehr Restaurants bieten vegane Optionen an und auch bei uns im Rettermarkt und im Online-Shop gibt es eine Vielzahl von veganen Köstlichkeiten. Es ist also heutzutage ein Kinderspiel sich vegan zu ernähren. Es macht Freude, ist gut für die Umwelt und muss auch nicht teuer sein.

METRO AG: Mit SIRPLUS kämpfst du täglich gegen Lebensmittelverschwendung.  Was ist aus deiner Sicht am wichtigsten, um Lebensmittelverschwendung einzudämmen?

Raphael Fellmer: Ich persönlich setze mich seit 2009 gegen die Verschwendung von Lebensmitteln ein und mit SIRPLUS wollen wir jetzt das Lebensmittelretten zum Mainstream machen. Das Wichtigste, was wir privat machen können: Nur zu konsumieren, was man wirklich braucht. Dazu gehört für mich eine möglichst pflanzliche Ernährung. Dabei verbraucht man sehr viel weniger Lebensmittel, denn die Tiere müssen ebenfalls gefüttert werden. Dadurch verbraucht man schnell die 10-fache Fläche Land, wenn man sich mit tierischen Produkten eindeckt.

Was man zu Hause am einfachsten machen kann, ist die Lebensmittel sorgfältiger zu behandeln. Das heißt weniger einkaufen, besser im Blick haben, was man in der Vorratskammer und im Kühlschrank hat und dort auch ab und zu schaut, was am schnellsten gegessen werden sollte. Und selbst wenn Produkte abgelaufen sind, sollte man auf die eigenen Sinne vertrauen – also riechen, schauen und schmecken. Dann stellt man fest, dass Lebensmittel häufig Wochen, manchmal sogar Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch bestens genießbar sind. Das können wir alle unkompliziert in unser Leben integrieren. Um an gerettete Lebensmittel zu kommen, kann man natürlich auch einfach bei SIRPLUS einkaufen. 

METRO AG: Welche politischen Weichenstellungen könnten helfen, damit weniger Lebensmittel im Müll landen?

Raphael Fellmer: Politisch ist es ganz wichtig, dass das Thema Lebensmittelwertschätzung in die Lehrpläne der Schulen aufgenommen wird. Schulkinder sollten am besten über den Schulgarten und die Möglichkeit selbst an der Schule zu kochen mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. So können schon die Kinder besser verinnerlichen, wie viele Ressourcen in einem Lebensmittel stecken und was Lebensmittelverschwendung bedeutet.

Neben der Bildung ist es wichtig, dass wir im Bereich der Haltbarkeitsangabe ein zweites Datum bekommen, das indiziert, bis wann ein Lebensmittel noch verzehrbar bzw. genießbar ist. Wir brauchen eine solche Angabe, weil es bislang viele Leute abschreckt, ein Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch zu konsumieren. Das Mindesthaltbarkeitsdatum hat aber in den meisten Fällen nichts damit zu tun, dass das Lebensmittel nach seinem Ablauf tatsächlich schlecht ist. Es ist vielmehr so, dass es nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sein kann, dass nicht mehr alle Eigenschaften des Produkts – wie Geruch, Farbe, Geschmack oder Nährwerte – so sind, wie an dem Tag als es die Fabrik verlassen hat.

Ich denke, Maßnahmen, mit denen Verbraucher einen leichteren Zugang zum Verzehr von abgelaufenen Lebensmitteln bekommen, haben sehr viel Potential. Schließlich werden bis zu 50% der Lebensmittel in Deutschland von den Verbrauchern verschwendet. 

METRO AG: Was ist dein nächster Termin heute?

Raphael Fellmer: Mein nächster Termin ist heute Strand mit der Familie, weil ich im Urlaub bin.

Stefanie Awe

Informationen zum Autor

Stefanie Awe ist als Leiterin Verbraucherpolitik im Berliner Konzernbüro der METRO tätig.