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Lars im Markt: Kapitel 4 "Gerettete Lebensmittel"

Die Sommer-Digitalkolumne 2018

Während der Parlamentarischen Sommerpause besucht der Leiter Nationale Politik aus dem Hauptstadtbüro der METRO AG verschiedene Märkte und berichtet in dieser Digitalkolumne von seinen Erlebnissen rund um die Themen, die das Büro politisch beschäftigen und die 21 Millionen Kunden unseres Unternehmens bewegen.

In meinen ersten Markttagen in den METRO-Großmärkten habe ich viel über Frische und Qualität bei Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch erfahren. Doch was passiert mit den Lebensmitteln, die nicht gekauft und konsumiert werden? Landen die einfach im Müll? Ich begebe mich auf Spurensuche: Mein heutiger Markttag im METRO-Großmarkt in Berlin-Friedrichshain steht ganz im Zeichen geretteter Lebensmittel.

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Wie viel landet in der Tonne?

Die Zahlen sind ernüchternd: Allein in Deutschland werden pro Jahr rund 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel als Abfall entsorgt. In der gesamten EU sind es rund 88 Millionen Tonnen, weltweit landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll. Fast die Hälfte dieser Abfälle ist vermeidbar. Dabei sind die meisten Lebensmittel nicht verdorben – sondern entsprechen lediglich nicht mehr dem gewünschten Aussehen oder das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen.
Store Manager Mario Berger erklärt:

Wir versuchen nur noch ein Minimum an Waren wirklich wegzuwerfen. Gemeinsam mit unseren Partnern sorgen wir dafür, dass diese Art von Ware noch dort ankommt, wo sie gebraucht wird.“

Store Manager Mario Berger
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Mit Partnern gegen Lebensmittelverschwendung

METRO und „die Tafeln“ arbeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich zusammen. Tafel Deutschland e.V. unterstützt mit seinen Ablegern in ganz Deutschland Bedürftige durch Lebensmittelspenden. Die Tafeln nehmen rund die Hälfte aller Lebensmittel an – aufgrund gesetzlicher Vorgaben jedoch nur solche, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) noch nicht abgelaufen ist.

Um die übrigen Lebensmittel kümmert sich das junge Unternehmen SIRPLUS, mit dem METRO seit 2017 zusammenarbeitet. Als eines der ersten großen Unternehmen ging METRO eine Kooperation mit dem Start-up ein, das Nahrungsmittel und Getränke, die sonst im Müll landen sollten, abholt und zu günstigen Preisen online und in den SIRPLUS-Märkten verkauft.

Um mehr über die Hintergründe der Lebensmittelrettung und die Motivation von SIRPLUS erfahren,   traf sich Anne Hildebrand, Head of Corporate Responsibility bei der METRO AG zum Gespräch mit SIRPLUS-Gründer Raphael Fellmer.

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Fahrer Martin und ich schieben Einkaufswagen voller Müsli, Backwaren, und Milchprodukten Richtung Abholung zum SirPlus-Fahrzeug.  Um einen einwandfreien und gefahrlosen Genuss zu garantieren, werden die Lebensmittel immer wieder auf Temperatur und Qualität getestet.
Bei der Abfahrt des „Lebensmittelretter-Mobils“ verstehe ich, was SIRPLUS antreibt: Lebensmittel zu retten gibt ein echt gutes Gefühl!

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Mindesthaltbarkeit vs. Mindestgenuss

Wer kennt das nicht: der Joghurt steht schon etwas länger im hinteren Teil des Kühlschranks und ein Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum ergibt, dass er schon seit zwei Tagen abgelaufen ist. Der Verbraucher geht dann davon aus, dass das Produkt verdorben sein muss – und der Joghurt landet im Müll. Was vielen nicht bewusst ist: Das MHD gibt lediglich an, dass sich ab diesem Zeitpunkt Konsistenz, Farbe, Geschmack und Aussehen verändern können. Der Joghurt jedoch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit noch Tage oder Wochen danach genießbar.

„Frische Index“ gegen Food Waste

Das Start-up tsenso begegnet dem Problem mit einem cloudbasierten Frische-Index. Temperaturdaten entlang der gesamten Lieferkette werden gesammelt und zentral verknüpft. Das System errechnet dann anhand der Temperaturchronik den aktuellen Zustand des Produkts und simuliert dabei auch die mikrobiologischen Zerfallsprozesse. So entsteht der besagte Frische-Index, der eine zuverlässige Aussage über den aktuellen Zustand des Produkts und die verbleibende Haltbarkeit treffen kann.

tsenso ist Teil des METRO Accelerator Programms, bei dem innovative Start-ups die Chance bekommen, Expertise, Investments und Erfahrungen im Handel zu sammeln. Ab Herbst 2018 startet die Testphase bei METRO Deutschland. Nach der Auswertung der Ergebnisse soll dann über eine Ausweitung des Programms für 2019 entschieden werden – ich drücke die Daumen, dass es klappt!

Gerettetes genießen

Am heutigen Markttag ist mir klargeworden, wie wichtig ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln ist – und dass noch viel Luft nach oben für Verbesserung besteht. METRO hat sich vorgenommen, die Lebensmittelverluste im Geschäftsbetrieb bis 2025 um 50% im Vergleich zu 2016 zu reduzieren.
Das ist ambitioniert, aber genau der richtige Ansatz. Mit erfahrenen Organisationen wie Tafel Deutschland, mutigen Jungunternehmen wie SIRPLUS und technischen Lösungen wie dem Frische-Index von tsenso kommen wir der Lösung des Problems jeden Tag näher.

Verantwortung tragen aber nicht nur Produktion und Handel, sondern auch der Verbraucher und die Gesellschaft insgesamt.  Ich zumindest werde mich beim nächsten Joghurt nicht vom MHD beeindrucken lassen, sondern meinen eigenen Sinnen wieder stärker vertrauen.

Lars Jope

Informationen zum Autor

Lars Jope ist Leiter Nationale Politik im Berliner Konzernbüro der METRO AG.