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Es darf auch gerne „Bio“ sein.

Das Gute essen... mit Klaus Müller

Was ist für Sie "das Gute essen"? Das fragen wir regelmäßig interessante Menschen aus Politik und Gesellschaft. Dieses Mal: Klaus Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv).

Worauf achten Sie beim Einkauf von Lebensmitteln? An welchen Informationen und Labels orientieren Sie sich?

Der  Wochenendeinkauf  ist  geprägt  von regionalen Produkten und es darf auch gerne „Bio“ sein. Für Standardprodukte wie Nudeln oder Milch habe ich aus Neugierde schon einige Male einen Onlineversand  getestet.  Der  Aufbau  des Portals und die Qualität der Lieferung haben  mich  durchaus  überzeugt.  Beim Einkauf ist die Vielzahl der Label allerdings schon mehr als eine Herausforderung. Zumindest ich spüre häufiger den Wunsch nach mehr vertrauenswürdiger Orientierung  anhand  weniger  aussage-kräftiger Informationen.

Wie hat sich durch Ihre berufliche Beschäftigung Ihr Blick auf Lebensmittel und Handel verändert?

Die     Optimierung    eines     Supermarkts unter     verkaufstechnischen     Aspekten nötigt mir Respekt ab, weckt aber auch etwas Widerspruchsgeist. Zwar möchte ich Produkte ansprechend präsentiert bekommen, will aber ungerne gelenkt werden.  Mit  dem  kritischen  Blick  des Verbraucherschützers  schaue  ich  mir die Größe der Grundpreisangabe genau an, die beim Einkauf erst den Preisver-gleich ermöglicht. Vor dem Hintergrund der  Lebensmittelverschwendung  frage ich  mich  auch,  ob  mir  mehr  verkauft wird, als ich eigentlich haben will, etwa durch Angebot wie „Kauf 3, zahl’ für 2“.

Sind regionale Lebensmittel besser?

Nein, natürlich nicht in jedem Fall, aber sie stärken die Region, in der ich lebe. Regionale Lebensmittel geben mir das Gefühl, dass eine Kontrolle einfacher möglich ist, ein vielfältiges Angebot ge-fördert wird und der Erzeuger nicht anonym hinter Grenzen verschwinden kann.

Wie beurteilen Sie die Rolle des Staates beim Thema Lebensmittelsicherheit und -kontrollen?

Der  Staat  hat  eine  Fürsorgepflicht.  Er muss sicherstellen, dass die Lebensmittelkontrollen mit den Herausforderungen der modernen Lebensmittelproduktion mithalten können. Doch schon vor Jahren hat der Bericht des Bundesrechnungshofs  Mängel  nachgewiesen. Sowohl die Bundesländer als auch der Bund  sind  gefordert,  für  eine  bessere Ausstattung  der  Kontrolleure  und  für bundesweit  einheitlich  hohe  Standards zu sorgen. Sich die Verantwortung nur gegenseitig  zuzuschieben wird der Dringlichkeit der Sache nicht gerecht.

Wie sehen Sie die Aktivitäten des Handels in diesem Bereich?

Der Handel hat selbst Interesse an guten Rückverfolgbarkeitssystemen  und  arbeitet an vielen Stellen schon damit. Er hat eine große Verantwortung für die von ihm bereitgestellten Produkte. Deshalb müs-sen Eigenkontrollen konsequent    weiter verbessert und die Ergebnisse transpa-rent  gemacht  werden.  Auch  sollte  sich der Handel nicht gegen die anonymisierte Nutzung von Betriebsdaten durch die Lebensmittelüberwachung stellen.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer neuen Funktion als Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands setzen?

Am Markt herrscht eine Informations-asymmetrie.   Herkunftsort,  Produktions-prozess, Inhaltsstoffe – das ist für Verbraucherinnen    und    Verbraucher   nicht ohne weiteres zu überblicken. Sie müssen aber auf Augenhöhe mit Herstellern und Handel  kommen.  Dafür  sind  eine  starke Überwachung  und  eine  aussagekräftige Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln nötig, die verlässlich über Inhaltsstoffe und Prozesse informiert. Verbrauchertäuschung darf es nicht geben.

Das Interview erschien zuerst im Handelsbrief 3/2014 der METRO GROUP.

Bildnachweis:
Titelbild: vzbv / Marco Urban