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"Der Binnenmarkt ist einer der Grundpfeiler in der Europäischen Union"

Das Gute essen...mit Rebecca Harms

Was ist für Sie "das Gute essen"? Das fragen wir regelmäßig interessante Menschen aus Politik und Gesellschaft. Dieses Mal: Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament.

METRO GROUP: Frau Harms, Sie sind seit 2004 Europaparlamentarierin in Brüssel. Gibt es etwas, das Sie in belgischen Supermärkten vermissen?

Rebecca Harms: Es ist in Belgien nicht immer so einfach, biologisch angebaute Lebensmittel in großer Auswahl in den Supermärkten zu finden. Und natürlich kann ich in Brüssel nicht wie zu Hause direkt beim Bauern nebenan einkaufen. Es gibt aber interessante Alternativen wie den Marché des Tanneurs, die den Bauernhof und das frische Obst und Gemüse in die Stadt holen. Insgesamt bleibt es aber unheimlich spannend, welche Auswahl es an regionalen Spezialitäten in Brüssel gibt.

METRO GROUP: Was essen Sie besonders gern, wenn Sie in Ihre niedersächsische Heimat kommen?

Rebecca Harms: Vor allem wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen fallen, dann gibt es für mich kaum etwas Köstlicheres als Kartoffelpuffer. Am besten direkt und schön heiß aus der Pfanne, zusammen mit Apfelmus.

METRO GROUP: Über die Zukunft der Europäischen Union wird derzeit viel diskutiert. Was ist für Sie die größte Herausforderung, der die EU aktuell gegenübersteht?

Rebecca Harms: Eine der größten Herausforderungen ist es, das Vertrauen in die Europäische Union nicht abreißen zu lassen. Angesichts der großen Flüchtlingsströme, der anhaltenden Sorge um Griechenland und der Kriege in direkter Nachbarschaft zur Europäischen Union müssen wir in Europa noch stärker zusammenarbeiten und gemeinsame Lösungen finden. Dabei ist es entscheidend, dass für alle Bürger klar wird, welchen Gewinn wir dadurch haben: mehr Freiheit, mehr Möglichkeiten und auch mehr Sicherheit.

METRO GROUP: Wir beobachten gerade protektionistische Gesetzgebung in manchen osteuropäischen EU-Ländern, die gezielt Unternehmen aus anderen EU-Staaten, wie zum Beispiel große Handelsketten, diskriminiert. Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang das „Erfolgsprojekt“ Binnenmarkt?

Rebecca Harms: Der Binnenmarkt ist einer der Grundpfeiler in der Europäischen Union. Deshalb ist es wichtig, dass die europäischen Länder sich füreinander öffnen. Klar ist aber auch, dass die Arbeit am Binnenmarkt fortgeführt werden sollte. So ist beispielsweise die Mobilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in ganz Europa immer noch eine große Baustelle. Zugleich muss jedoch bei der Umsetzung des Binnenmarktes zunehmend darauf geachtet werden, lokale bzw. nationale Märkte nicht zu zerstören und vor allem die kleinen Bauern und lokalen Produzenten verstärkt zu schützen. Sie sind vielfach das Rückgrat vieler Regionen und garantieren uns das Gros unserer täglichen Nahrungsmittel.

METRO GROUP: Das Europäische Parlament hat seit der letzten Wahl im Jahr 2014 an europakritischen Parlamentariern hinzugewonnen. Gleichzeitig wird in Mitgliedsländern wie Großbritannien öffentlich der „Brexit“ diskutiert. Was entgegnen Sie EU-Skeptikern?

Rebecca Harms: In einer Welt, die immer weiter zusammenwächst und Herausforderungen wie Klimawandel und Flüchtlingsströme global sind, kann es keine Abkehr von der Europäischen Union und damit eine Flucht ins Nationale geben. Letzteres ist eine sehr kurzfristige Sichtweise. Auf lange Sicht stehen alle EU-Mitgliedsländer gemeinsam stärker da als alleine.

Das Interview erscheint auch im Handelsbrief 3/2015 der METRO GROUP.
Bildnachweis Titelbild: JŸürgen Olczyk