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"Zur Pflege des heimatlichen Brauchtums gehört auch ein gutes Kölsch"

Das Gute essen mit... Wolfgang Bosbach

Was ist für Sie "das Gute essen"? Das fragen wir regelmäßig interessante Menschen aus Politik und Gesellschaft. Dieses Mal: Wolfgang Bosbach. Er ist seit 1994 Mitglied des Bundestages und wird 2017 nicht erneut kandidieren.

Herr Bosbach, als Spezialitäten aus dem Bergischen Land in Nordrhein- Westfalen sind die Kaffeetafel und Sauerbraten bekannt – was sind Ihre Lieblingsgerichte?

Von Kindesbeinen an bin ich ein großer Fan der Bergischen Kaffeetafel. Nicht nur aus lokalpatriotischer Gesinnung, sondern auch wegen der Vielfalt des Speiseangebotes, von rustikal-herzhaft bis süß und sahnig.

Als ehemaliger Karnevalspräsident sind Sie mit den kulinarischen Gebräuchen der fünften Jahreszeit bestens vertraut. Was darf in dieser Zeit zwischen Fastentrunk, Krapfen, Hühnern und Heringen nicht fehlen?

Auf die Idee, die fünfte Jahreszeit des Rheinlandes in Verbindung mit Fastentrunk, Hühnern und Heringen zu bringen, muss man erst einmal kommen. Respekt! Für mich gehören diese Delikatessen allerdings eher zur Fastenzeit als zum rheinischen Fastelovend. Zur Pflege des heimatlichen Brauchtums gehört auch ein gutes Kölsch. Darüber hinaus begleitet mich auf Karnevalssitzungen schon seit Jahrzehnten eine ganz besondere Tierart, die jedenfalls karnevalistisch unter Artenschutz stehen dürfte – der berühmte Käse-Igel.

Sie gehen offen mit Ihrer gesundheitlichen Situation um und sind damit für viele zum Vorbild geworden. Hat sich dadurch auch Ihre Ernährung verändert?

So unangenehm eine chronische Herzschwäche und eine Krebserkrankung sind – das ist nichts, wofür man sich rechtfertigen oder gar entschuldigen müsste. Insbesondere durch die Krebserkrankung hat sich meine Einstellung zur Ernährung verändert, auch wenn ich befürchte, dass man alleine durch die Umstellung traditioneller Essgewohnheiten die Krankheit nicht besiegen kann, jedenfalls habe ich meinen Fleischkonsum deutlich reduziert und esse heute viel mehr Salat, Obst und Gemüse als früher. Nach wie vor fällt es mir besonders schwer, um alles Süße einen Bogen zu machen.

Sie sind gelernter Einzelhandelskaufmann. Die Leitung eines Supermarktes war für eine Zeit lang Ihr Traumjob. Was hat sich aus Ihrer Sicht im Handel seitdem verändert?

Die Unterschiede beginnen schon mitder Größe der Märkte. Mein Supermarkt hatte eine Größe von knapp 500 m2 Verkaufsfläche. Das war damals ein großer Markt, heute wäre das ein Tante-Emma-Laden. Das Sortiment ist explodiert, das gilt nicht nur für die Breite, sondern auch für die Tiefe. Zu Beginn meiner Ausbildung wurden gerade die Bedienabteilungen durch moderne SB-Theken ersetzt. Damals war spätestens 18:30 Uhr Ladenschluss, heute haben selbst im Bergischen Land viele Supermärkte bis 22:00 Uhr geöffnet. Ich habe schon damals nicht verstanden, warum sich die Öffnungszeiten nicht nach den Bedürfnissen der Kunden richten.

Sie haben sich immer für den Europäischen Binnenmarkt eingesetzt, aber auch vor zu starker Regulierung aus Brüssel gewarnt. Wie kann der Europäische Binnenmarkt in Zukunft gestärkt werden?

Europaweit einheitlich regeln sollten wir nur das, was unbedingt europaweit einheitlich geregelt werden muss – ich bin ein Anhänger des Subsidiaritätsprinzips. Den Binnenmarkt stärken wir am besten, indem wir Verstöße gegen die tragenden Prinzipien des Binnenmarktes rasch und konsequent ahnden, das sorgt für Klarheit und Rechtssicherheit bei allen Marktteilnehmern.

Herr Bosbach, Sie sind seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages. Was hat Sie am meisten bewegt und was werden Sie vermissen, wenn Sie 2017 aus dem Bundestag ausscheiden?

Ganz sicher die vielen persönlichen Kontakte und Beziehungen, die ich in den letzten zwei Jahrzehnten knüpfen und vertiefen konnte, auch über Parteigrenzen hinweg. Feind, Erzfeind, Parteifreund ist ein beliebter Kalauer, aber es gibt auch in der Politik echte Freundschaften, die diesen Namen verdienen. Ganz bestimmt nicht vermissen werde ich die stundenlangen Debatten, obwohl man eigentlich schon nach fünf Minuten wissen könnte, dass man nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Die Politik war immer ein wichtiger Teil, aber nie mein ganzes Leben.

Das Interview erschien auch im Handelsbrief 01/2017.

Bildnachweis Titelfoto: Manfred Esser