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Damit weniger Essen im Abfall landet, müssen alle an einem Strang ziehen

Schwerpunkt, Ausgabe 01 / April 2013

Zu viele Lebensmittel landen nicht auf dem Teller, sondern im Müll. Um dieser Verschwendung Herr zu werden, müssen alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. Es gibt bereits vielversprechende Lösungsansätze.

Die Szenen aus dem Dokumentarfilm „Taste the Waste“, der im Jahr 2011 in die Kinos kam, erregten Aufsehen: Ganze LKW-Ladungen mit Brot, Gemüse und anderen Nahrungsmitteln landen in europäischen Ländern täglich im Abfall. Produziert, um dann weggeworfen zu werden. Der Film zeigt nüchtern die Realität unserer Wohlstandsgesellschaft. Und das Problem ist drängend.

Allein in Deutschland entstehen jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Vor allem Brot und Brötchen sowie Obst und Gemüse landen im Abfalleimer. Etwa die Hälfte dieser Abfälle wäre vermeidbar, schätzt die Universität Stuttgart in einer Studie. Auch die Kosten dieser Verschwendung sind immens: Die Stuttgarter Forscher beziffern den Wert der Lebensmittel, die jährlich entsorgt werden, auf knapp 21 Milliarden Euro. Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und andere internationale Organisationen schätzen, dass weltweit rund ein Drittel der Nahrungsmittel bereits auf dem Weg vom Acker zum Verbraucher verloren gehen und nie einen menschlichen Magen erreichen. Besonders eklatant ist das Problem in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Die Ursachen für diese Verschwendung sind vielfältig und alle Akteure im Lebensmittelgeschäft sind daran beteiligt – vom Produzenten über den Handel bis zum Verbraucher. In der Lebensmittelindustrie etwa ist es durch die hohen Qualitätsstandards und den starken Preisdruck oft nicht wirtschaftlich, Personal und Zeit zu investieren, um Abfall zu vermeiden. Schon minimale Abweichungen in Optik, Qualität und Temperatur zwingen die Produzenten, die Ware zu entsorgen. Die Verbraucher indes wissen oft zu wenig darüber, wie man Lebensmittel aufbewahren sollte und mit welch großem Aufwand sie erzeugt werden. Zu oft landen die Essensreste nach einer Gartenfeier im Müll, obwohl man sie noch konsumieren könnte.

Weniger Abfall durch höhere Lieferqualität

Die METRO GROUP geht das Problem der Lebensmittelverschwendung an verschiedenen Punkten der Wertschöpfungskette an. Schon bevor die Produkte den Supermarkt oder Großhandel erreichen, kann man viel dagegen tun, dass zu viele Lebensmittel weggeworfen werden. Zum Beispiel, indem man gesamte Lieferketten professionalisiert, um die Verluste zwischen Acker und Endverbraucher zu minimieren. Deshalb schulen Experten der METRO in Kooperation mit der UN und Partnern wie der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die Lieferanten genau dort, wo die Nahrungsmittel erzeugt werden: auf der Farm, in der Fabrik, in Lagerhäusern.

Die Lieferanten nehmen an kostenfreien Trainingsprogrammen teil, in denen Fachleute sie zu Fragen der Hygiene, der Kühlkette und der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln schulen. „Die Erzeuger hatten nach unseren Trainings deutlich weniger Probleme mit Verlusten nach der Ernte, die zuvor beispielsweise durch faulende Lagerware oder Insekten entstanden waren“, sagt Hans-Jürgen Matern, Leiter des Bereichs Sustainability & Regulatory Affairs der METRO GROUP.

Tausende von Farmern und Fischern haben bereits an den Schulungen teilgenommen. In China und Vietnam, Indien und Pakistan, Ägypten und Russland. Dadurch haben sich die Lebensmittelqualität, die Lebensmittelpreise sowie die Versorgung der lokalen Bevölkerung verbessert. Es muss viel weniger weggeworfen werden als zuvor.

Valentin Thurn, Regisseur von „Taste the Waste“, lobt diese internationalen Programme. „Besonders weil die METRO auch mit Kleinbauern und Fischern als Lieferanten zusammen arbeitet, ist diese Initiative wegweisend. Sie packt das Problem der Lebensmittelabfälle an der Wurzel“, so Thurn.

Aber auch in Deutschland, direkt in Supermärkten und im Großhandel, lassen sich Abfälle reduzieren. „Früher gingen viele Brote und Brötchen verloren. Heute haben fast alle Märkte eigene Bäckereien oder Backstationen und können so je nach Kundenbedarf produzieren“, sagt Hans-Jürgen Matern. Damit spare der Handel Geld, gleichzeitig müsse deutlich weniger weggeworfen werden. Das gleiche Ziel verfolgen moderne Warenwirtschaftssysteme des Handels. Diese weisen frühzeitig auf Waren hin, deren Verfallsdatum sich nähert. Die Produkte können dann preisreduziert oder an einer stark frequentierten zweiten Stelle im Markt angeboten werden. Lebensmittel, die über diese und weitere Wege nicht verkauft werden, gibt die METRO GROUP an die Tafeln. Was darüber hinaus noch übrig bleibt und schnell verderblich ist, wird in Biogas-Anlagen zu Energie umgewandelt.

Verbraucher brauchen mehr Wissen über Lebensmittel

In Deutschland entstehen bis zu zwei Drittel des Lebensmittelabfalls erst in den privaten Haushalten, deshalb spielt auch eine bessere Aufklärung der Verbraucher und mehr Wissen über Essen eine zentrale Rolle, wenn man die Lebensmittelverschwendung reduzieren möchte. Das bestätigt eine aktuelle Studie, die Experten der FH Münster im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen durchgeführt haben. Die Verfasser plädieren dafür, möglichst viele Menschen mit gezielten Bildungsmaßnahmen anzusprechen.

Unter dem Titel „Zu gut für die Tonne!" setzt sich das BMELV mit einer Informationskampagne gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ein. Für mehr Verbraucherbildung engagieren sich auch die Verbraucherzentralen und werden dabei von der METRO GROUP und anderen Unternehmen unterstützt. Schüler sollen im Rahmen des Projekts mehr über den Umgang mit Lebensmitteln, deren Erzeugung, Weiterverarbeitung und Wert erfahren. Aber beispielsweise auch, wie die Kennzeichnung der Produkte besser genutzt oder das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig interpretiert werden kann.

Das METRO-Kochbuch „Das Gute essen“ (www.das-Gute-essen.de) und ähnliche Projekte sind nur der Anfang. Die Politik, der Verbraucherschutz und die Wirtschaft sind gleichermaßen gefordert, mehr Wertschätzung für Lebensmittel zu erzeugen.

Bildnachweis:
Titelbild: METRO GROUP/Julian Baumann

Raphael Neuner

Informationen zum Autor

Raphael Neuner leitete von Juli 2013 bis März 2017 die Abteilung Nationale Politik der METRO.