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Der Handel ist ein Jobgarant in der deutschen Wirtschaft

Schwerpunkt, Ausgabe 02 / Juni 2013

Mitarbeiter im Fisch-Logistikzentrum in Groß-Gerau sorgen für einen schnellen Weitertransport der frischen Ware

Die Branche schafft attraktive Arbeitsplätze und ist eine der wichtigsten Stützen für die einheimische Konjunktur. Dennoch steht sie als Arbeitgeber häufig in der Kritik. Oft jedoch zu Unrecht.

Wenn man Menschen in Deutschland nach den beliebtesten Branchen und Arbeitgebern fragt, fällt das Ergebnis regelmäßig recht eindeutig aus. Ganz oben die Autohersteller, IT-Firmen und Maschinenbau-Unternehmen. Ganz unten die Baubranche und der Handel.

Wie das Kölner Institut für Handelsforschung ermittelte, halten viele die Branche für unattraktiv, weil die Gehälter niedrig, die Arbeitszeiten lang und die Karriereaussichten mager seien. So zumindest das Klischee. Aber wie viel davon stimmt eigentlich? Die Innensicht weicht jedenfalls auffallend stark von der Außensicht ab. Einer Studie des Verbandes HDE zufolge beurteilen 80 Prozent der Mitarbeiter den Handel als guten bis ausgezeichneten Arbeitgeber. Und die Handelsbranche hat eine deutlich größere Bedeutung für die Wirtschaft als oft angenommen. Denn allein in Deutschland arbeiten mehr als vier Millionen Menschen in den Betrieben des Einzel- und Großhandels. Das heißt: Jeder zehnte Arbeitnehmer arbeitet hierzulande in einem Handelsunternehmen. Dass sie für die deutsche Konjunkturwichtig ist, sieht nicht nur die Branche selbst so:

Als Bundeskanzlerin Merkel Ende 2011 vor den Delegierten des HDE eine Rede hielt, bezeichnete sie den Einzelhandel als

Schwergewicht der deutschen Volkswirtschaft.

Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Der Handel ist aber nicht nur ein bedeutender Faktor für den Arbeitsmarkt, sondern auch eine der wichtigsten Anlaufstellen für die qualifizierten Fachkräfte von morgen: Etwa 220.000 junge Menschen lassen sich zurzeit in diesem Bereich ausbilden. Allein die METRO GROUP bietet 25 verschiedene Berufsausbildungen an, vom Buchhändler über die Kauffrau für Marketingkommunikation bis zum Informatikkaufmann. Mit guten Aussichten für die weitere Karriere, denn wer einige Jahre im kaufmännischen Bereich gearbeitet hat, kann sich in einem dualen Studium beispielsweise zum Handelsbetriebswirt weiterbilden lassen. Zudem übergibt der Handel seinen Mitarbeitern schon früh unternehmerische Verantwortung. Und das oft in einem ausgesprochen internationalen Umfeld. Allein in den verschiedenen Gesellschaften der METRO GROUP arbeiten zurzeit Beschäftigte aus rund 180 Nationen.

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Mitarbeiter Metro Cash & Carry

Der größte Teil der Beschäftigten der METRO GROUP ist fest angestellt und verfügt über unbefristete Arbeitsverträge. Zeitarbeit und Minijobs setzen die Märkte und Filialen nur vereinzelt ein, um kurzzeitig auf einen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften zu reagieren. Wie sehr das Unternehmen auf ein Fundament von eigenen Mitarbeitern setzt, zeigt auch die hohe Ausbildungsquote, die beispielsweise in Deutschland bei rund acht Prozent liegt.

Faire Entlohnung

„Die METRO GROUP wendet als tariftreues Unternehmen in allen Konzerngesellschaften die dort jeweils gültigen Tarifverträge an“, sagt Dr. Peter Krasberg, der in der METRO AG den Bereich Konzernarbeitsrecht und Arbeitnehmerbeziehungen leitet. So gibt es zum Beispiel im Großhandel nur noch zwei Tarifgebiete (Sachsen und Sachsen-Anhalt), wo der tarifliche Lohn nicht über 8,50 Euro liegt (aber spürbar über 8,00 Euro). Somit erhalten die Mitarbeiter für ihre Arbeit Löhne, die in aller Regel höher sind als der von Gewerkschaften und den meisten Parteien geforderte gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro.

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Mitarbeiter METRO

Aus Sicht der METRO GROUP würde ein branchenbezogener gesetzlicher Mindestlohn Arbeitnehmer in jenen Branchen vor Lohndumping schützen, wo tarifliche Vereinbarungen fehlen. Ein allgemeiner, regions- und branchenübergreifender Mindestlohn wäre nicht mit dem Subsidiaritätsprinzip vereinbar und ein Eingriff in die Tarifautonomie. Ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn würde zudem auch erhebliche Nachteile mit sich bringen. „Es gibt starke Gefälle zwischen strukturschwachen und strukturstarken Gebieten in Deutschland sowie zwischen ertragsstarken Branchen und ertragsschwachen“, so Dr. Krasberg.

Ein allgemeiner Mindestlohn ist für die einen zu hoch und für die anderen zu niedrig.

Dr. Peter Krasberg, Leiter Konzernarbeitsrecht und Arbeitnehmerbeziehungen METRO AG

Zudem bestehe die Gefahr, dass die Höhe des Mindestlohns immer wieder zum Spielball parteipolitischer Auseinandersetzungen würde. Und gerade in kleinen Unternehmen und strukturschwachen Gebieten könne die gesetzliche Lösung auch dazu führen, dass die Beschäftigten nicht mehr Geld bekämen, sondern ihren Arbeitsplatz verlören, weil die Arbeitgeber die höheren Löhne schlicht nicht zahlen könnten.

Ich bin grundsätzlich offen für die Diskussion über einen gesetzlichen Mindestlohn – wohl wissend, dass dieser sowohl Vorteile, als auch Nachteile mit sich bringt. Die beste Lösung ist aber, wenn sich die Tarifparteien im Dialog einigen.

Heiko Hutmacher, Personalvorstand METRO AG

Wie heterogen die Lage in den einzelnen Berufsfeldern und Bundesländern ist, zeigt schon der Blick auf die Zahl der Lohn- und Gehaltsgruppen. Alleine in Nordrhein-Westfalen gibt es für den Einzel- und Großhandel 32 unterschiedliche Tarifvertragsgruppen. In den anderen 15 Bundesländern sind ähnliche Größenordnungen zu verzeichnen.

Unsere Mitarbeiter sind unser entscheidender Erfolgsfaktor, wir legen daher großen Wert auf faire Bezahlung. Als tarifgebundene Unternehmen zahlen Media Markt und Saturn deshalb mindestens Tarifentgelte, teilweise entlohnen wir unsere Mitarbeiter auch übertariflich.

Ernst von der Heide, Bereichsleiter Personal & Compliance, Media-Saturn Deutschland

Keine Werkverträge für Kerntätigkeiten

In den vergangenen Monaten standen auch die sogenannten Werkverträge im Zentrum der Kritik der Gewerkschaften. Manchen Unternehmen des Handels werfen die Gewerkschaften vor, mit diesem arbeitsrechtlichen Instrument die Tarifbindung zu unterlaufen und Niedriglöhne zu zahlen. Mithilfe von Werkverträgen können Unternehmen Menschen für Arbeitsleistungen etwa in einem Supermarkt bezahlen, ohne dass diese direkt dort angestellt sein müssen. Stattdessen arbeiten die Arbeitskräfte für ein externes Unternehmen, das dann einen Vertrag mit dem Betreiber des Marktes über eine genau festgelegte Dienstleistung abschließt.

„Bestimmte Tätigkeiten gehören nicht zur Kerntätigkeit eines Handelsunternehmens, zum Beispiel die Gebäudereinigung oder die Gebäudebewachung. In den Hauptverwaltungen können auch hoch spezialisierte Aufgaben im IT-Bereich dazu zählen“, sagt Dr. Krasberg. „Weil andere diese Aufgaben besser und teilweise auch effizienter erledigen können als eigene Mitarbeiter, werden solche Tätigkeiten an externe Dienstleister vergeben.“

Die METRO GROUP achtet jedoch streng darauf, alle rechtlichen Vorgaben einzuhalten, wenn solche Aufträge vergeben werden. Wenn andere Unternehmen auch Kerntätigkeiten über Werkverträge durchführen lassen, um die Tarifbindung zu unterlaufen, schadet das nicht nur dem Ruf der Branche, sondern ist auch wettbewerbsverzerrend.

Bildnachweis:
Titelbild: METRO GROUP

Informationen zum Autor

Nicolai Kubbig war von September 2014 bis Januar 2015 Praktikant im Berliner Konzernbüro der METRO.