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Erfolgsfaktor Diversity - warum Vielfalt heute wichtiger ist denn je

Schwerpunkt zum Thema Vielfalt und Inklusion, Ausgabe 02/ Juni 2015

Ein großes Produktangebot ist einer der Erfolgsfaktoren von Handelsunternehmen und die vielfältigen Anforderungen und Bedürfnisse einer heterogenen Kundenstruktur eine tägliche Herausforderung. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss daher der Vielfalt der Kunden auch in den eigenen Reihen gerecht werden.

Berlin, Karl-Marx-Straße 231: Im Neuköllner Real-Markt herrscht buntes Treiben. In den Einkaufswagen finden sich neben deutschen Produkten auch aromatische Sucuk-Wurst, gefüllte Weinblätter, Bulgur, Schafskäse, Ayran, Fladenbrot und Oliven – vieles davon in Großpackungen. Denn während die deutsche Durchschnittsfamilie aus 1,8 Köpfen besteht, sind es bei türkischen Familien zweieinhalb Mal so viel. Geschäftsleiter Wolfgang Paulini erläutert: „In Neukölln leben mehr als 150 Nationalitäten. Und wir möchten uns so gut wie möglich auf unsere Kunden einstellen.“ Die meisten Mitarbeiter im Verkauf sprechen mehrere Sprachen, auch die Regalbeschilderung ist durchgehend deutsch und türkisch. Auf diese Weise spiegelt die Neuköllner Filiale am „realen“ Beispiel, was gelebte Inklusion bedeutet, nämlich ein selbstverständliches Neben- und Miteinander der Kulturen und Nationen – und nicht nur das Integrieren einer deutlich sichtbaren Minderheit in ein für sie fremdes Umfeld. Praktizierte Vielfalt ist heute für ein modernes Handelsunternehmen aber nicht nur ein bedeutsamer Standort- und Wettbewerbsvorteil – sie ist auch ein wichtiger Eckpfeiler bei der Umsetzung der Unternehmensstrategie – und das aus gewichtigen Gründen.

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Gesellschaft im Wandel

Zu dem vielbeschworenen demografischen Wandel gesellt sich in der heutigen Zeit auch ein fundamentaler Wertewandel in der Gesellschaft. Die teilweise bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren angestoßenen Debatten über Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen Nationen und Kulturen sind heute fest in der Gesellschaft verankert. Die Themen Vielfalt und Chancengleichheit haben zudem ihren festen Platz auf der politischen Agenda. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD heißt es beispielsweise: „Wir begreifen Vielfalt als Chance und werden deshalb die Charta der Vielfalt sowie den „Diversity“-Gedanken in der Wirtschaft und gemeinsam mit der Wirtschaft weiter stärken. Wir wenden uns gegen jede Form der Diskriminierung.“

Der Ansatz, Unterschiedlichkeit als Chance zu begreifen, kommt auch im kürzlich vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichten Grünbuch „Arbeiten 4.0.“ zum Ausdruck. Einer stärkeren Öffnung des Arbeitsmarkts für Frauen, Ältere, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Migrationshintergrund wird darin eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und dem zunehmenden Fachkräftemangel zugeschrieben.

Einer der regulatorischen Schwerpunkte der Bundesregierung ist vor diesem Hintergrund in der aktuellen Legislaturperiode die berufliche Gleichberechtigung der Geschlechter. So wurde zum Beispiel Anfang 2015 das Gesetz zur Einführung einer Frauenquote mit großer Mehrheit verabschiedet – und aktuell wird über die Einführung eines Entgeltgleichheitsgesetzes diskutiert.

In den vergangenen Jahren ist Deutschland vielfältiger geworden. Nicht nur durch Zuwanderung, auch durch andere Familien- und Lebensformen und eine stetig wachsende Frauenerwerbstätigkeit hat sich unsere Gesellschaft gewandelt. Sie ist bunter geworden und bietet mehr Möglichkeiten der Lebensgestaltung für alle.

Kerstin Griese, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales

Weiterhin erklärte Kerstin Griese, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, dass es die Aufgabe von Politik und Wirtschaft sei, auf diese Herausforderungen zu reagieren:

„Aufgabe der Politik ist es, den gesellschaftlichen Wandel zu erkennen und so zu gestalten, dass er für alle, Frauen, Männer, Zuwanderer, Menschen mit Behinderungen, gleichermaßen als Gewinn erfahren werden kann. Schon früh hat die Politik begonnen, mit Frauenförderung und Frauenquoten die Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben zu fördern. Heute liegt die Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland bei über 70 %, das ist einer erfolgreichen Politik für Frauen zu verdanken.

Weniger, älter und bunter – der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft weiter verändern. Wirtschaft und Politik müssen gemeinsam auf die damit verbundenen Herausforderungen reagieren. Mit Diversity Management können Unternehmen ebenso wie der öffentliche Dienst kreative Ideen entwickeln. Inklusion, Beteiligung, flexiblere Arbeitsgestaltung und Rücksicht auf verschiedene Lebensphasen sind die Stichworte, die das Arbeiten in einer vielfältigen Gesellschaft beschreiben.

Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland zur Inklusion behinderter Menschen bekannt. Das gilt auch für den Arbeitsmarkt. Wir wollen die Rahmenbedingungen für eine Arbeitswelt von morgen schaffen, in der Behinderte, Menschen mit Migrationshintergrund, Berufstätige mit Familien, ältere Arbeitnehmende und Berufseinsteiger die gleichen Chancen im Arbeitsleben haben.

Ich freue mich über diese Vielfalt. Die Unternehmen, die sich im Sinne von Diversity Management der Vielfalt der Menschen aktiv geöffnet haben, haben damit positive Erfahrungen gemacht. Manchmal sind sie sogar weiter als die Politik. Es wäre schön, wenn Wirtschaft und Politik hier voneinander lernen können.“

Kerstin Griese, Vorsitzende der Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales
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Kerstin Griese, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales

Vielfalt nutzen, statt nur zu tolerieren

„Vielfalt“ bedeutet bei negativer Sichtweise eine „Abweichung von der Norm“. Zu Zeiten des industriellen Aufschwungs wurde allzu große Vielfalt – gerade bei den Beschäftigten großer Unternehmen – kritisch beäugt. Ein homogener Personalstamm ohne Ecken und Kanten war einfacher zu rekrutieren, zu führen und zu standardisieren. Abweichungen von der Norm wurden bestenfalls toleriert. Dieses Bild hat sich zum Glück massiv gewandelt. Unter dem Schlagwort Diversity Management hat sich in den letzten Jahren ein eigenes Standbein des betrieblichen Personalwesens herausgebildet. Das Ziel der Bemühungen: soziale Vielfalt nicht nur tolerieren, sondern für das Unternehmen nutzen.

Für diese Entwicklung gibt es aus Unternehmenssicht externe und interne Treiber. Wichtigste externe Treiber sind der globale Wettbewerb und eine veränderte Marktdemografie: Wer Produkte entwickeln und vertreiben möchte, die auf einem globalen Markt bestehen sollen, wer Kunden weltweit individuell erreichen möchte, der braucht die Expertise eines gut aufgestellten gemischten Teams, das die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt der Zielgruppe abbildet und versteht. Doch auch die Mitarbeiter profitieren: Andrea Schmitz, Head of Employer Branding, Inclusion & Diversity und Employee Engagement bei der METRO AG: „Wenn Mitarbeiter in einer Kultur der Diversität arbeiten, bekommen sie nicht nur neue Impulse und Ideen. Sie lernen auch, neue Sichtweisen zu akzeptieren – oder ihre eigene, kontroverse Sichtweise einzubringen und zu vertreten. All dies kann Motivation und Engagement von Mitarbeitern steigern.

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Wie vielfältig ist die METRO GROUP?

Die METRO GROUP ist der Ansicht, dass ein Handelskonzern heute so divers aufgestellt sein muss wie seine Kunden. Vielfältige Teams ermöglichen Innovationen und echte Resonanz auf Kundenbedürfnisse – und von dem Dialog zwischen Jung und Alt können alle Altersgruppen profitieren. Dass die METRO GROUP diesen Anspruch auch lebt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Aktuell sind Menschen aus 170 Nationen für die METRO GROUP tätig. 20 Prozent der Mitarbeiter sind älter als 50 Jahre, der Frauenanteil der Gesamtbelegschaft liegt bei mehr als 53 Prozent und die Schwerbehindertenquote liegt kontinuierlich oberhalb der gesetzlich geforderten fünf Prozent.

Ihr Engagement für Vielfalt hat die METRO GROUP auch durch die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt im Jahr 2007 zum Ausdruck gebracht. Seit 2013 ist die METRO zudem Mitglied im Vorstand der Charta der Vielfalt. Ein Interview zum Thema Diversity Management mit Charta der Vielfalt Geschäftsführerin Aletta Gräfin von Hardenberg und dem Personalvorstand der METRO AG Heiko Hutmacher anlässlich des 3. Deutschen Diversity-Tages finden Sie hier.

Aktuell ist die METRO GROUP dabei, das Thema Vielfalt noch stärker im Unternehmen zu verankern: Sie hat ein eigenes „Inclusion & Diversity“-Programm gestartet und möchte damit einen generellen Kulturwandel im Unternehmen vorantreiben. Über Vor-Ort-Workshops und ein neu entwickeltes E-Learning sollen Mitarbeiter aller Länder und Hierarchieebenen für das Thema „Inclusion & Diversity“ sensibilisiert werden. Mit der Implementierung des Programms wird derzeit in der METRO AG sowie bei METRO Cash & Carry begonnen. Je nach Land gibt es dabei unterschiedliche Handlungsschwerpunkte, die vor Ort selbstständig priorisiert werden. So ist beispielsweise in osteuropäischen Ländern der Nachholbedarf bei der Geschlechtergerechtigkeit nicht so groß wie in einigen westeuropäischen Ländern oder Asien, wo, ähnlich wie in Deutschland, über gesetzliche Quoten diskutiert wird. In Ländern wie Frankreich, Spanien und Portugal ist auch durch neue gesetzliche Vorgaben die Einbeziehung von behinderten Mitarbeitern aktuell eine der Prioritäten.

Einblicke, wie die einzelnen Vertriebslinien der METRO GROUP das Thema Diversity leben, gibt es im zweiten Teil des Artikels, den Sie hier finden.

Grafiken

Der Diversity Eisberg
Der feine Unterschied

Quelle: METRO GROUP Handelsbrief, Ausgabe 02/Juni 2015

Bildnachweis
Titelbild: Charta der Vielfalt e.V.