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Freier Handel stabilisiert den Euro und hilft Europas Wirtschaft

Schwerpunkt, Ausgabe 03 / September 2013

Die Handelsunternehmen tragen dazu bei, die Gemeinschaftswährung zu stärken. Voraussetzung dafür: ein funktionierender Binnenmarkt ohne Protektionismus. Den gibt es in Europa längst nicht überall.

Der Euro ist für den Handel in Europa in den vergangenen zehn Jahren unverzichtbar geworden und er bleibt es auch in schwierigen Zeiten. Aber das gilt auch umgekehrt: Der Handel stabilisiert den Euro. Denn täglich gibt es in Europa über eine Milliarde Verkaufsvorgänge im Handel. Die meisten davon geschehen auf der Basis des Euro. Dadurch wird das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung gestärkt.

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Handel in der EU und Anteil der METRO

Der europäische Binnenmarkt mit gleichen Handelsregeln für alle und der Euro als Zahlungsmittel, das die Vergleichbarkeit der Preise garantiert – sie gehören ganz eng zusammen. Der Euro ist weit verbreitet: Er ist nicht allein das Zahlungsmittel in den Geschäften in Deutschland, sondern mittlerweile in 17 der 28 EU-Länder. Ein 18. Staat, Lettland, kommt am 1. Januar 2014 hinzu.

Portal der Eurogruppe 


Schon jetzt ist der Euro das selbstverständliche Alltagszahlungsmittel für rund 330 Millionen Verbraucher in Europa. Ob ein Finne in Rovaniemi Lebensmittel kauft oder ein Italiener in Taormina auf Sizilien, ob ein Ire in Dublin oder ein Malteser in Valletta, sie alle zahlen mit dem gleichen Geld.

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Der Euro als Leitwährung

Aber nicht nur in der EU nutzen Länder den Euro als Zahlungsmittel oder koppeln ihre Wechselkurse an die Gemeinschaftswährung und machen dadurch das Wirtschaften für den Handel einfacher.

Außerhalb der EU verwenden neben den Kleinstaaten Andorra, Monaco, San Marino und Vatikan auch Montenegro und Kosovo den Euro. Einen festen Wechselkurs zu der Währung haben zudem Bulgarien, Litauen und Bosnien-Herzegowina sowie in Afrika Kap Verde, die Komoren sowie die 14 Länder der CFA-Franc-Zone. Andere Wechselkurssysteme, wie der „Wechselkursmechanismus II“, dem Litauen und Dänemark angehören, erlauben eine gewisse Bandbreite an Schwankungen um einen Leitkurs. Und manche Staaten wie Marokko wiederum koppeln ihre Währungen an einen Währungskorb, der zu einem bestimmten Anteil vom Euro abhängig ist. Heute nutzen über 40 Staaten den Euro oder eine von ihm abhängige Währung. Euroland ist weit gespannt.

Der Euro bringt aber nicht nur Verbesserungen für jeden Bürger, sondern erleichtert auch den internationalen Handel. Im Jahr 2012 exportierte Deutschland insgesamt Waren im Wert von 1.097,4 Milliarden Euro. Zwei Drittel der deutschen Exporte in Nicht-EU Länder wurden in Euro abgewickelt, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen.

Die deutschen Importe aus solchen Drittländern wurden nur zu 50 Prozent in Euro abgewickelt; da der Anteil an Gas und Öl sehr hoch ist, spielt der Dollar hier noch eine größere Rolle. Doch mit dem Fortschritt der erneuerbaren Energien wird der Euro-Anteil steigen und der des Dollars weiter sinken.

Der Euro als international bedeutende Handelswährung

Auch bei Geschäften mit Nicht-Euro-Ländern in der EU bietet die Gemeinschaftswährung meistens eine große Verlässlichkeit. Die Kursschwankungen sind in vielen Fällen sehr gering.

Weil der Euro eine so bedeutsame internationale Handelswährung ist, sind viele Drittstaaten dazu übergegangen, einen Teil ihrer Währungsreserven darin anzulegen. Inzwischen sind knapp ein Viertel aller Reserven weltweit Anlagen in Euro. Damit hat sich der Euro als zweite Leitwährung neben dem Dollar etabliert.

Der Euro bringt Länder und Märkte besser zusammen. Doch protektionistische Tendenzen in manchen Staaten sind ein Problem. Michael Wiedmann von der METRO GROUP beobachtet dies bereits seit 2009.

„In Osteuropa waren wir nach dem Mauerfall ein echter Pionier und in vielen Ländern der erste moderne Großhändler“, sagt Wiedmann. „Als die traditionellen Strukturen zusammenbrachen, haben wir erheblich investiert – also den Binnenmarktgedanken umgesetzt." Innerhalb weniger Jahre wurden so Tausende neuer Arbeitsplätze geschaffen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln wurde komplett neu aufgebaut. Gleichzeitig wurden Sicherheits-, Qualitäts- und Servicestandards geschaffen, die denjenigen in Westeuropa entsprechen.

Protektionistische Tendenzen müssen eng begrenzt werden, sie behindern massiv den wirtschaftlichen Fortschritt. In unserem Fall ergeben sie auch aus nationaler Perspektive keinen Sinn: Wir sind Partner der lokalen und regionalen Wirtschaft. Unser Konzept basiert darauf, Kunden zu helfen, ihre Unternehmen erfolgreich zu führen. Deshalb schadet Protektionismus vor allem auch Firmen vor Ort.

Jeroen de Groot, Chief Operating Officer Metro Cash & Carry

Doch jetzt gibt es zum Beispiel einen Gesetzentwurf in einem EU-Mitgliedsland, wonach derjenige, der importiertes Mineralwasser verkauft, gleichzeitig alle einheimischen Wasser anbieten muss. Das wären Hunderte, und der halbe Supermarkt wäre alleine mit diesem Produkt belegt. Eine Folge wäre, dass Mineralwasser ganz aus den Regalen verschwinden würde. „Damit verringert sich das Angebot für die Kunden“, sagt Wiedmann.

Dank der Dienstleistung der Händler haben viele Verbraucher vor Ort Zugang zu Produkten aus anderen Mitgliedsstaaten und Drittländern und können konkret vom Binnenmarkt profitieren.

Retail Market Monitoring Report der EU-Kommission (2010)

Unfaire Gesetze in Teilen Europas

In einem anderen Land verlangt ein Gesetz, hochsensible und vertrauliche Vertragsbedingungen direkt im Internet zu veröffentlichen. Laut Wiedmann ein klarer Verstoß gegen geltendes EU Wettbewerbsrecht. Es komme auch vor, dass Eigenmarken der Händler schlicht verboten würden. „Solcherlei protektionistische Gesetze behindern den freien Warenverkehr, führen zu höheren Preisen für die Verbraucher und sollten im europäischen Binnenmarkt der Vergangenheit angehören.“

Die Gesetzgeber in einigen Staaten Osteuropas gehen dabei recht einfallsreich vor. Die großen Handelskonzerne aus dem westlichen Ausland werden nicht einfach vom Wettbewerb ausgeschlossen. Aber sie werden gegenüber einheimischen Unternehmen benachteiligt, indem sie höhere Steuern zahlen müssen, wenn sie einen bestimmten Umsatz überschreiten. Die Schwelle liegt scheinbar zufällig über dem Umsatz der örtlichen Händler. Aber unter dem Umsatz aller ausländischen Marktteilnehmer. Von gleichen Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt keine Spur mehr.

„Wir wünschen uns, dass die EU-Kommission und auch die deutsche Regierung gegen diese unfairen Praktiken vorgehen. Notfalls muss zum Beispiel ein beschleunigtes Vertragsverletzungsverfahren geschaffen werden. Es kann nicht im Sinne eines einheitlichen Binnenmarktes sein, dass alle internationalen Handelsunternehmen aus diesen Märkten herausgedrängt werden“, sagt Wiedmann.

Mit solchen unfairen Einstellungen zum Wettbewerb würde Europa noch heute in der wirtschaftlichen Kleinstaaterei feststecken. Wahrscheinlich gäbe es dann nicht einmal den Euro.

Bildnachweis:
Titelbild: METRO GROUP

Michael Wedell

Informationen zum Autor

Michael Wedell                      METRO AG