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Der mündige Verbraucher - ein Ideal?

Schwerpunkt zu Thema Verbraucherschutz, Teil 2 / 3

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile:

Aufgeklärt, informiert, schutzbedürftig, mündig oder auf Augenhöhe? - Im ersten Teil des Artikels haben wir uns mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Verbraucherleitbilder beschäftigt. Im zweiten Teil werfen wir nun einen Blick auf die Herausforderungen, vor denen die Verbraucherpolitik angesichts gesellschaftlicher Veränderungen wie Globalisierung und Digitalisierung steht.

Verbraucherpolitik im Wandel

Die von Klaus Müller angesprochenen Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung, aber auch der Trend zu einer globalisierten Welt, in der sich der Zugang zu Waren und Dienstleistungen nicht auf das eigene Land beschränkt, haben zu einem Umdenken in der deutschen Verbraucherpolitik geführt. Während im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierungskoalition 2009 noch zu lesen war: „Unser Leitbild ist der gut informierte und zu selbstbestimmtem Handeln befähigte und mündige Verbraucher“, ist der mündige Verbraucher für Verbraucherminister Maas, nur noch ein „schönes Ideal“, das mit der Realität wenig zu tun habe. Im aktuellen Koalitionsvertrag der Großen Koalition heißt es daher:

Unserer Politik liegt ein differenziertes Verbraucherbild zugrunde. Bedürfnisse, Interessen und Wissen der Verbraucher variieren je nach Markt. Wo Verbraucher sich nicht selbst schützen können oder überfordert sind, muss der Staat Schutz und Vorsorge bieten.

Dieser veränderte verbraucherpolitische Ansatz spiegelt sich auch in der Ressortaufteilung der aktuellen Bundesregierung wider: Die Zuständigkeit für den Verbraucherschutz ist nicht länger im Landwirtschaftsministerium verortet, sondern wurde in den Kompetenzbereich  des Bundesjustizministeriums integriert. Mit dieser Ressortaufteilung und der Definition von Verbraucherpolitik als Querschnittsaufgabe trägt die Bundesregierung einer Entwicklung Rechnung, die der Verbraucher auch selbst spürt: Verbraucherpolitik lässt sich längst nicht mehr auf einzelne Themenbereiche beschränken. Sie ist nicht nur beim klassischen Einkauf im Supermarkt präsent, sondern auch beim täglichen Gebrauch des Smartphones, mit dem man heute fast alles machen kann, von schlichter Kommunikation bis zur Verwaltung des eigenen Girokontos oder der Messung des Kalorienverbrauchs.

Die 23. Berliner Mittwochsgesellschaft zum Thema Verbraucherleitbilder

Gesucht: das richtige Maß

Die Welt ist komplexer geworden und damit auch die Herausforderungen, vor denen Politik und Verbraucher bei der Bewertung von Produkten und Dienstleistungen stehen. Was heißt das aber nun für die Regulierung selbst? Brauchen wir angesichts dieser zunehmenden Komplexität auch ein Mehr an Verbraucherschutz oder schlicht eine andere Art des Verbraucherschutzes?

Klar ist, dass Konsumentscheidungen negative persönliche Konsequenzen für den Verbraucher mit sich bringen können. Diese Konsequenzen können sich in verschiedenen Märkten oder bei verschiedenen Produktgruppen stark unterscheiden: Bei der Entscheidung für ein ungünstiges Altersvorsorgeprodukt können deutliche finanzielle Einbußen die Folge sein. Bei einem allzu unbesorgten Umgang mit persönlichen Daten besteht die Gefahr, dass diese plötzlich an Stellen zu finden sind, an denen sie der Verbraucher nicht wissen wollte. Und bei übermäßigem Konsum fettreicher Lebensmittel können die Folgen von einem Bauchansatz bis hin zu krankhaftem Übergewicht reichen.

Vor diesen Konsequenzen kann auch die beste Verbraucherpolitik die Bürger nicht vollständig schützen – da sind sich Verbraucherschützer, Politiker und Wirtschaftsvertreter ausnahmsweise einig. Wichtig ist es aber, den Verbraucher zu einer informierten Entscheidung zu befähigen und ihm damit die Chance zu geben, die möglichen Konsequenzen seiner Entscheidung selbst abzuwägen.

Er muss also wissen, dass mehr Rendite bei Finanzprodukten meist auch ein größeres Risiko auf Verlust bedeutet.  Genauso muss ihm klar sein, dass er bei einer vermeintlich kostenlosen Smartphone-App am Ende mit seinen Daten bezahlt. Und er muss wissen, dass er beim Verzehr einer kompletten Tafel Schokolade bereits mehr als ein Viertel seines Energiebedarfs für den Tag deckt.

Den Rahmen dafür zu setzen, dass genau diese Informationen auf verständliche Weise den Verbraucher erreichen – das ist aus unserer Sicht Aufgabe der Politik. Verbraucher sollten zudem dafür sensibilisiert werden, dass ihre Konsumentscheidungen längst nicht nur Auswirkungen auf sie selbst, sondern auch auf die Umwelt oder die Gesellschaft haben können. 

Nicht in allen Produktbereichen und Märkten sind die politischen Rahmenbedingungen aktuell so, dass dem Verbraucher die notwendigen Informationen für eine informierte Entscheidung vorliegen. Weit oben auf der Agenda von Verbraucherpolitikern stehen deshalb Themen wie Datenschutz oder Verbraucherschutz in der digitalen Welt.

Im letzten Teil dieses Artikels fragen wir, was gute Verbraucherpolitik ausmacht und welche Informationen Verbraucher brauchen, um mündige Entscheidungen zu treffen. Der dritte Teil wird ebenfalls in Kürze hier veröffentlicht.

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile: