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Gemeinsam auf Erfolgskurs

Schwerpunkt zum Thema Start-up Förderung, Teil 2/2

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile:

Was verbindet Start-ups und etablierte Unternehmen? Wie können beide Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren? Und was braucht das für politische Rahmenbedingungen? Um diese Fragen geht es im zweiten Teil unseres Handelsbrief-Schwerpunkts "Gemeinsam auf Erfolgskurs: Neue Partnerschaften von Start-ups und Unternehmen".

Kein Stein bleibt auf dem anderen

Das Internet und die in alle Lebensbereiche vorgedrungene Digitalisierung fordern etablierte Geschäftsmodelle heraus und zwingen vor allem Organisationen mit komplexen, gewachsenen Strukturen zum Umdenken – von der öffentlichen Verwaltung bis hin zum Handel. Das Internet schafft neue Wertschöpfungsketten, Kommunikationskanäle und eine neue Transparenz, die tradierte Gatekeeper-Modelle und Hierarchien tiefgreifend verändert hat.

Beispiele dafür gibt es genug: Musiker, Journalisten und Autoren sind schon seit Jahren nicht mehr auf Plattenfirmen oder Verleger angewiesen, sondern sie publizieren direkt – mit ebenso direkter Rückkopplung zum Nutzer. Der Fahrdienstleister Uber wies im Jahr 2015 Fahrtenbuchungen im Gegenwert von elf Milliarden Dollar aus – ohne ein einziges Fahrzeug zu besitzen oder einen einzigen Fahrer angestellt zu haben. Die chinesische B2B-Handelsplattform alibaba.com hat 53 Millionen Nutzer in 240 Ländern, ohne eigene Lager zu betreiben. Das Aufkommen von WhatsApp und ähnlichen Messenger-Diensten ließ den Versand klassischer SMS-Kurznachrichten deutlich zurückgehen – und Airbnb krempelt den Markt für Übernachtungsgelegenheiten um.

Es kann sich heute kein Unternehmen leisten, die Augen vor den mit dieser Disruption verbundenen Konsequenzen zu verschließen. Das bedeutet umzudenken, das eigene Geschäftsmodell zu verändern oder zu erweitern. Für den Großhändler METRO Cash & Carry, der über eine starke Kundenbasis in den Bereichen Hotels, Restaurants und Catering-Unternehmen (HoReCa) verfügt, heißt das, diese Kunden nicht mehr nur mit frischen Produkten zu versorgen. Es geht zunehmend darum, eine intensive Partnerschaft aufzubauen und den Gastronomen auch bei Fragen jenseits des Menüs zur Seite zu stehen.

Die Frage lautet: Wie können Hoteliers und Restaurantbesitzer digitale Services einsetzen, um interne Abläufe wie Bestellung, Abrechnung oder Platzvergabe effizient zu steuern und damit Zeit und Geld sparen?

Lieber miteinander als gegeneinander

Auch bei solchen Themen und Fragestellungen will METRO Cash & Carry seinen Kunden zukünftig kompetent zur Seite stehen. Die Antworten wird das Unternehmen dabei nicht allein geben, sondern in Kooperation mit Start-ups. Mit ihrer kreativen Herangehensweise haben diese schon Lösungen für manche Sorgen der Unternehmer aus dem HoReCa-Bereich entwickelt oder sind dabei, dies zu tun.

Was uns mit den Start-ups verbindet, ist die Begeisterung für Neues, die Überzeugung, dass in der Gastronomie und Hotellerie ein unglaubliches Potenzial für digitale Lösungen besteht und die Leidenschaft dafür, etwas mitzugestalten.

Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender METRO AG

Durch eine enge Zusammenarbeit mit METRO Cash & Carry und den damit verbundenen Zugang zur breiten Kundenbasis kann es gelingen, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Am Ende gewinnen so alle Seiten: Start-up, Großhändler und natürlich die HoReCa-Kunden, die ihr Geschäft dank der neuen Produkte und Services noch erfolgreicher betreiben können.

Um besser zu verstehen, wie es aktuell um den Digitalisierungsgrad der Hoteliers und Gastronomen bestellt ist, hat die METRO GROUP in Zusammenarbeit mit der GfK Ende 2015 zum zweiten Mal die sogenannte „METRO Gründerstudie“ durchgeführt. Selbstständige Unternehmer aus der Gastronomie- und Hotelbranche in Deutschland wurden dabei nach ihren Motivationen, Zielen und Wünschen befragt und auch wie sie zur Digitalisierung stehen. Klar wurde: „Digital wird normal“. Die Gastronomiebranche steht hier aber noch am Anfang einer Entwicklung, die im Handel schon weit fortgeschritten ist.

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Unübersichtlicher Rechtsrahmen

Während es für Gastronomen und Hoteliers in der Regel darum geht, für ihre Kunden vor Ort da zu sein, beschäftigen sich Händler wie die METRO GROUP und aufstrebende Start-ups zunehmend auch mit dem grenzüberschreitenden Angebot von Produkten und Dienstleistungen. Obwohl dies durch die Errungenschaften der Digitalisierung technisch sehr viel einfacher geworden ist, stehen einer globalen oder zumindest EU-weiten Verfügbarkeit von Waren und digitalen Dienstleistungen noch viele rechtliche Hürden entgegen.

Selbst innerhalb der Europäischen Union sind wir derzeit angesichts der unterschiedlichen verbraucher-, steuer- oder gesellschaftsrechtlichen Systeme noch recht weit von einem digitalen Binnenmarkt entfernt. Unternehmen, ob nun Start-up oder internationaler Handelskonzern, müssen sich mit bis zu 28 nationalen Regimen auseinandersetzen, wenn sie ihre Produkte europaweit anbieten wollen.

Die EU-Kommission hat diesen Nachholbedarf erkannt und sich daher zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen schnellstmöglich zu verbessern. Mit einem im Mai 2015 vorgestellten 16-Punkte-Plan will sie den digitalen Binnenmarkt in Europa stärken und die EU so auch attraktiver für Start-up-Neugründungen machen. Die zentralen Ziele sind dabei ein besserer Zugang der Bürger zu digitalen Waren und Dienstleistungen, optimale Rahmenbedingungen für digitale Netze und Dienstleistungen und die bestmögliche Ausschöpfung des Wachstumspotenzials der digitalen Wirtschaft. Konkret sollen beispielsweise die Regeln für Verbraucherverträge, das Urheberrecht und Geoblocking in Europa harmonisiert werden.

Europaweit einheitliche Standards sind auch das Ziel der Reform der Datenschutzgrundverordnung, die 2012 von der EU-Kommission angestoßen wurde. Im vergangenen Dezember einigten sich die EU-Institutionen im Trilog auf einen gemeinsamen Text. Die neue Verordnung, die nun kurz vor der Verabschiedung steht, bringt eine klare Fortentwicklung gegenüber den bislang gültigen Standards. Jedoch kann angesichts verschiedener nationaler Öffnungsklauseln nicht von einer tatsächlichen Harmonisierung aller Datenschutzregeln gesprochen werden. So werden sich Unternehmen trotz einheitlichen europäischen Rahmens auch weiter mit unterschiedlichen, nationalen Details befassen müssen. Für Großunternehmen ist dies durchaus anspruchsvoll. Für Start-ups, die mit ihren finanziellen und personellen Ressourcen noch stärker haushalten müssen, heißt das häufig, dass sie gerade in der Anfangsphase vor eigentlich attraktiven Märkten in anderen europäischen Staaten zunächst zurückschrecken.

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Auf dem Weg zum digitalen Binnenmarkt

Neben der aktuell noch mangelnden Harmonisierung des Rechtsrahmens in der EU bewegen Start-ups auch Diskussionen über Fragen der Netzneutralität und der Finanzierung. Was nützt eine gute Idee, wenn sich das eigene Geschäftsmodell in einem Zwei-Klassen-Internet mit kostenpflichtigen „Überholspuren“ für Spezialdienste gegen finanzstarke etablierte Player nicht durchsetzen kann? Und wie sollen Start-ups die notwendigen finanziellen Ressourcen für die Skalierung des eigenen Geschäftsmodells oder den Markteintritt in anderen Ländern aufbringen, wenn es weiter an tragfähigen Regeln für die Wagniskapitalfinanzierung oder Modelle wie Crowdfunding fehlt?

Auch bei diesen Themen sollte sich die Politik in Deutschland und der Europäischen Union ranhalten, um bei den digitalen Neugründungen nicht weiter ins Hintertreffen gegenüber Ländern wie den USA zu geraten. Accelerator-Programme können eine wichtige Starthilfe für Start-ups bieten. Wesentlich für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg sind jedoch belastbare rechtliche Rahmenbedingungen – da unterscheiden sich Start-ups nicht von etablierten Unternehmen wie der METRO GROUP. Eine EU-weite Harmonisierung zentraler Rechtsbereiche und gleiche rechtliche Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer, so wie die geplante Kapitalmarktunion, sind daher im Interesse zahlreicher Akteure. Gelingt dies nicht, sind sowohl der digitale Binnenmarkt als auch die Träume von Silicon Valleys in Europa nicht mehr als Luftschlösser.

Titelbild: Sven Freystatzky, Gründer von Burgerlich und Teilnehmer der METRO Gründerstudie 2015 (Copyright: METRO GROUP)

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