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Sichere Lebensmittel – Politik und Handel müssen zusammenrücken

Schwerpunkt, Ausgabe 03 / Juli 2014

METRO Fischauslage

Verbraucher wollen sichere Lebensmittel, die unter transparenten Bedingungen hergestellt werden. Das bedeutet viel Arbeit für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette: von den Produzenten bis zum Handel. Vieles funktioniert heute schon gut, an anderen Stellen kann noch optimiert werden.

Die See ist unruhig, Winde stürmen, der Geschmack von Salz liegt in der Luft: Wir befinden uns mitten im Nordatlantik, unweit der Färöer-Inseln – wo Lachse in kreisrunden Netzgehegen schwimmen. In einigen Wochen wird sich ein Stück Lachs aus dieser Aquakultur-Zuchtstätte in der Bratpfanne eines Restaurants wiederfinden.

Das fertige Fischgericht soll dem Gast im Restaurant nicht nur gut schmecken, sondern selbstverständlich auch eine sehr gute Qualität haben. Außerdem darf durch die Produktion des Lachses die Umwelt nicht über Gebühr belastet werden. Über all dies wachen entlang der Produktions- und Lieferkette eine Vielzahl von Akteuren. Ihre gemeinsamen Ziele: eine hohe Nachfrage nach ihren Produkten sowie größtmögliche Lebensmittelsicherheit und Nachhaltigkeit für Verbraucher und Umwelt.

Vom Netz bis in die Pfanne

Es beginnt bereits bei der Aufzucht: Wer eine Fischzuchtanlage bauen möchte, braucht hierfür eine Baugenehmigung. Die EU-Gesetzgebung verlangt, dass die bei der Fischzucht anfallenden Abwässer nur eine begrenzte Menge von Nährstoffen enthalten, damit das Ökosystem nicht aus den Fugen gerät. Bei einer zu hohen Nährstofffreisetzung kann es lokal zu einem schädlichen Wachstum von Pflanzenarten, beispielsweise Algen, kommen. Auch wacht die EU-Gesetzgebung über den Einsatz von Futtermittelzusätzen wie Farbpigmenten, die Zuchtlachsen eine besonders appetitliche Farbe verleihen sollen. Diese können sich jedoch bei Konsumenten in der Netzhaut des Auges anreichern und die Sehkraft beeinträchtigen. Wenn der Fisch gefangen ist, geht es natürlich geregelt weiter: Das fachgerechte Betäuben und Schlachten der Fische darf nur vornehmen, wer für diese Tätigkeiten entsprechend ausgebildet ist und die Regelungen des Tierschutzgesetzes beachtet. Je nach seiner weiteren Verwendung, wird der Fisch nach der Schlachtung bereits an Bord des Fischereischiffs eingefroren. Von diesem Moment an darf die Kühlkette nicht mehr unterbrochen werden – und zwar bis zum Endverbraucher. Darüber wachen nun in erster Linie die Lebensmittelproduzenten, aber auch die Transporteure und Händler mit aufwändigen und kostspieligen Kontrollmaßnahmen.

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Metro-Mitarbeiter sortieren gekühlten Fisch

Auch die Landesämter für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nehmen beim Großhandel, Einzelhandel und bei der Gastronomie regelmäßig Warenproben, bei denen Lebensmittel wie Tiefkühlfisch in Bezug auf Sensorik, Mikrobiologie, Parasitenbefall sowie Umweltbelastungen durch Pestizide, Dioxine und Schwermetalle überprüft werden. Gastronomische Einrichtungen werden turnusmäßig durch Inspekteure besucht. Dabei werden die betrieblichen Eigenkontrollsysteme sowie die hygienischen Verhältnisse vor Ort überprüft – bis hin zur Kochstelle, wo der Lachs für unseren Restaurantgast zubereitet wird. Nur wenn alle diese Maßnahmen erfolgreich greifen, kann der Gast seinen Fisch wirklich unbesorgt genießen.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Die METRO GROUP, die Lebensmittel über den Großhändler METRO Cash & Carry an Profikunden wie Gastronomen, und über die Vertriebslinien Real und Galeria Kaufhof an Privatkunden verkauft, nimmt die Themen Lebensmittelsicherheit und Verbrauchervertrauen sehr ernst. Dafür gibt es eine Reihe von guten Gründen. So sorgt die Medienberichterstattung über Lebensmittelskandale – von BSE über EHEC bis hin zum Pferdefleisch – dafür, dass das Thema bei vielen Verbrauchern heute präsenter als früher ist. Immer mehr Menschen möchten wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt und verarbeitet werden. Transparenz und Rückverfolgbarkeit lauten deshalb die Stichworte, mit denen sich jeder verantwortungsvolle Hersteller und Händler heute mehr denn je befassen muss.

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Akteure der Lebensmittelüberwachung

Eine Übersicht über Aufgaben und Arbeitsweisen der verschiedenen Akteure finden Sie hier (pdf). 

METRO Cash&Carry

Bei allen Eigenmarken verlangt der Großhändler METRO Cash & Carry im Foodbereich von Seiten der Hersteller zudem eine GFSI-Zertifizierung (Global Food Safety Initiative). Die GFSI ist eine Non-Profit-Initiative, die im Jahr 2000 nach einer Reihe von Lebensmittelkrisen gestartet wurde, als das Vertrauen der Verbraucher auf einem historischen Tiefstand war. Schwerpunkt innerhalb der GFSI ist die Definition von Lebensmittelsicherheitsanforderungen.

Doch der Großhändler tut noch mehr: Monique Seidler, zuständig für die Qualitätssicherung Food bei METRO Cash &Carry Deutschland: „Unabhängig von diesen Zertifikaten werden im METRO Cash & Carry Foodsortiment sämtliche Eigenmarkenartikel zwei Mal jährlich stichprobenartig hinsichtlich Sensorik, Mikrobiologie und korrekter Kennzeichnung überprüft.“

Ein weiterer wichtiger Schlüssel zu mehr Sicherheit ist die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. Aus diesem Grund arbeitet die METRO GROUP gemeinsam mit der Standardisierungsorganisation GS1 an einer integrierten Softwareplattform für Rückverfolgung. In einem ersten Pilotprojekt wurde dies für die Warengruppe Fisch evaluiert. Britta Gallus, Head of Regulatory Affairs im Bereich Corporate Responsibility der METRO GROUP, erklärt die Notwendigkeit dieser Maßnahmen: „Die aktuelle Fischkontrollverordnung fordert, dass viele Lose von Fischerei- und Aquakulturerzeugnissen auf allen Produktions-,Verarbeitungs- und Vertriebsstufen vom Fang bis zum Einzelhandel rückverfolgbar sind. Durch das GS1-Projekt können wir diese Rückverfolgbarkeit sicherstellen und so auch einen Beitrag leisten, illegale Fischerei einzudämmen und gesunde Fischbestände zu fördern.“

Sicherheit, Kontrolle, Kommunikation

Die Überwachung der Lebensmittelsicherheit bei der METRO GROUP fußt auf drei Säulen: Prozesssicherheit, regelmäßige Kontrolle und Verbraucherkommunikation. Vor allem der Kontrollbereich wird von Jahr zu Jahr aufwändiger. Jürgen Matern, Bereichsleiter Corporate Responsibility der METRO GROUP und zuständig für die Qualitätssicherung, erklärt: „Die Vorgaben für gesetzlich zulässige Höchstwerte, zum Beispiel bei Schadstoffen, werden ständig strenger – und erfordern immer höhere Investitionen bei der Labordiagnostik. Schon jetzt belaufen sich die Kosten für unsere Eigenkontrollsysteme jährlich auf einen fast zweistelligen Millionenbetrag. Dennoch: Der Pferdefleischskandal hat gezeigt, dass man nur das findet, wonach man auch sucht.“

Lebensmittelsicherheit ist auch ein politisches Thema – ob in den dafür primär zuständigen Bundesländern, in den verschiedenen Bundesbehörden und Gremien oder in der EU. Es ist seit mehreren Legislaturperioden fester Bestandteil der Koalitionsverträge, wird regelmäßig in der EU diskutiert – und beeinflusst das Handeln von Groß- und Einzelhändlern durch Gesetze und Regulierungen auf vielen Ebenen. Nicht zuletzt berührt das Thema Lebensmittelsicherheit auch die Bereiche Umwelt- und Artenschutz. Nachhaltiges Handeln ist ein strategisches Ziel der METRO GROUP; auch aus diesem Antrieb heraus verlässt sich die METRO GROUP nicht ausschließlich auf staatliche Kontrollmechanismen, sondern sie engagiert sich zusätzlich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

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Einhaltung der Kühlkette

Mehr Geld, mehr Sicherheit?

Trotz der aufgeführten umfangreichen konzertierten Maßnahmen kommt es immer wieder zu Lebensmittelskandalen. Können diese verhindert werden, wenn mehr Geld investiert wird? Oder muss sich strukturell etwas ändern? Die METRO GROUP vertritt die Position, dass es sowohl höherer Investitionen, als auch einer Harmonisierung von Standards und besserer Verzahnung der genannten Akteure bedarf. Denn vor allem die föderale Struktur der Überwachung in Deutschland bringt einige grundlegende Herausforderungen mit sich: So gibt es derzeit kaum verbindliche bundeseinheitliche Standards für die Lebensmittelüberwachung.
Ein Zustand, den auch Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands e. V. (vzbv), kritisch sieht. Jedes Bundesland kann derzeit für sich entscheiden, wie viel Geld in diesem Bereich investiert wird und wie diese Mittel ausgegeben werden. Es gibt lediglich so genannte Zielkontrollzahlen für Betriebe, die sich an der Einwohnerzahl des Landes orientieren und der Realität beziehungsweise dem Risikopotenzial in vielen Fällen nicht gerecht werden. Auf die Stadt Frankfurt entfallen so beispielsweise auch sämtliche Einfuhrkontrollen beim Frankfurter Flughafen, einem der größten Umschlagplätze für importierte Lebensmittel in Deutschland. Auch gibt es keine bundeseinheitlichen Standards für die Qualifikation der Kontrolleure – und je nach Ansatz der Landesministerien sind die Überwachungsschwerpunkte sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Ein weiteres Problem ist, dass viele Kontrollen derzeit unnötig mehrfach durchgeführt werden. „Wenn ein Lebensmittelhersteller eine EU-Zulassungsnummer hat; muss der Handel die dort hergestellten Dinge zwingend erneut untersuchen?“, spitzt Jürgen Matern von der METRO GROUP die Situation zu. „Wenn Bundesländer und Handel besser verzahnt miteinander arbeiten würden, könnten Doppelkontrollen vermieden und Gelder sinnvoller eingesetzt werden.“

Lebensmittelsicherheit nach Kassenlage darf es ncht geben! Für mich ist klar: Mögliche Gebühren dürfen nicht auf den Schultern der Kleinsten abgeladen werden. Und klar ist auch, dass die Großen nicht die Kontrollen der Kleinstunternehmen mitfinanzieren sollen. Ich werde hier den Dialog mit den Unternehmen suchen. Sichere Lebensmittel sind Grundlage für den nachhaltigen Erfolg unserer Ernährungswirtschaft!

Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, auf der 17. Berliner Mittwochsgesellschaft des Handels

Ein Anfang ist gemacht

Neben Verbrauchern und Handel ist auch die Politik aktiv – ob im Parlament oder der Kommission in Brüssel oder in der deutschen Politik. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Die Koalition wird die Lebensmittelüberwachung besser vernetzen und in Deutschland und der EU für einheitliche Standards und eine sachgerechte Kontrolldichte sorgen.“
Das ist ein richtiger Ansatz. Wir glauben: Interdisziplinäre Teams und eine bessere Qualifikation der Kontrolleure, eine klare Risikoorientierung und mehr Harmonisierung helfen. Dass die Unternehmen ihre Kontrollen selbst bezahlen sollen, ist dagegen nicht der richtige Weg. Mehr Geld allein führt nicht automatisch zu mehr Sicherheit.

Die amtliche Lebensmittelüberwachung ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und damit originäre Aufgabe des Staates. Das muss dann auch staatlich und nicht durch die Wirtschaft finanziert werden. 

Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels e. V. (BVLH)

Das deutsche System der Lebensmittelüberwachung ist weltweit bereits eines der führenden. Doch das ist nicht genug: Jetzt geht es darum, es noch besser, noch effizienter zu machen – und die dafür bereitgestellten Investitionen sinnvoller einzusetzen. Bei der Überwachung von Produktion und Verkehr, der Kontrolle der Einfuhr aus Drittländern in den Binnenmarkt oder beim Export: Eine wirkliche Neugliederung wird es in der föderalen Struktur Deutschlands wohl nicht geben. Als eines der größten deutschen Handelsunternehmen wünscht sich die METRO GROUP mehr Abstimmung unter den Bundesländern. Konkrete Pilotprojekte zwischen ihnen könnten zeigen, dass mehr Abstimmung eine effizientere Überwachung und mehr Sicherheit bedeuten kann. Dafür macht sich die METRO GROUP stark: im Sinne eines verantwortlichen, nachhaltigen Handelns gegenüber Verbrauchern und der Umwelt.

Bildnachweis
Titelbild: METRO GROUP

Informationen zum Autor

Nicolai Kubbig war von September 2014 bis Januar 2015 Praktikant im Berliner Konzernbüro der METRO.