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Welches Wachstum wollen wir?

Schwerpunkt, Ausgabe 01/ Februar 2015

Wachstum kann heute nicht mehr nur quantitativ betrachtet werden – es ist vielmehr die Qualität des Wachstums, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in den Fokus der Betrachtung rücken. Und dafür gibt es gute Gründe.

Wohl kaum ein Thema wird in der öffentlichen Debatte so kontrovers diskutiert wie das Thema Wachstum. Während Wachstumskritiker anführen, dass Wachstum Umweltschäden und soziale Ungerechtigkeit hervorrufe, entgegnen Befürworter, dass Wachstum den allgemeinen Wohlstand fördere und damit Verteilungsspielräume eröffne, die in Zeiten der Stagnation so nicht existierten – dies gelte insbesondere für Umwelt- und Sozialstandards. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte; entscheidend ist, ob die Begriffe Wachstum und Lebensqualität in einem globalen Kontext miteinander in Einklang zu bringen sind – das betrifft Handelsunternehmen ebenso wie die Politik.

Neue Indikatioren braucht das Land

Über viele Jahrzehnte galt vor allem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Indikator für den Wohlstand eines Landes. Es bezeichnet den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die binnen Jahresfrist innerhalb der Landesgrenzen hergestellt bzw. erbracht werden. Die Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft.

Wer jedoch glaubt, ein steigendes BIP korreliere automatisch mit einer Verbesserung der Lebensqualität in einem Land, der irrt. Denn das BIP ignoriert wichtige Faktoren wie den Umgang mit Ressourcen oder der Umwelt, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen. Ein Anstieg der Kriminalität oder der Umweltverschmutzung kann das BIP aufgrund der damit verbundenen Reparatur- bzw. Vermeidungskosten sogar erhöhen. Es war nicht zuletzt die Beseitigung der Ölpest im Golf von Mexiko im Jahr 2012, die das BIP der USA um 4,57 Prozent gegenüber dem Vorjahr anwachsen ließ. Und unter der Schlagzeile „Kiffen für die Konjunktur“ berichtete die Süddeutsche Zeitung im März 2014, dass seit Beginn dieses Jahres einer neuen EU-Gesetzgebung zufolge erstmals auch die Wirtschaftsleistung von Drogendealern und Zigarettenschmugglern ins BIP eingerechnet wird – oder werden muss.

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Lebensqualität- Wunsch oder Wirklichkeit?

Will man wissen, wie es um die Lebensqualität eines Landes bestellt ist, dann sind also auch andere, differenziertere Indikatoren gefragt. Und so beschloss der Bundestag bereits im Jahr 2010 die Einsetzung einer Enquete-Kommission mit dem Titel „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“. Im Abschlussbericht hat sie zehn Indikatoren vorgestellt, die im Kontrast zur rein sozioökonomischen Kennzahl BIP die Themenfelder Wohlstand und Fortschritt in ganzheitlicher Weise betrachten sollen. Die sogenannten W3-Indikatoren gliedern sich in die Bereiche Materieller Wohlstand, Soziales und Teilhabe sowie Ökologie.

Die Enquete-Kommission forderte die Bundesregierung dazu auf, mit Daten des Statistischen Bundesamtes und mit Hilfe von Ökonomen des Sachverständigenrats diese zehn Indikatoren bei der Gestaltung ihrer Politik in den Blick zu nehmen.

Auch als Konsequenz daraus hat die Bundesregierung auf ihrer Klausurtagung 2014 das Projekt „Gut Leben – Lebensqualität in Deutschland“ beschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte bei dieser Gelegenheit die Notwendigkeit neuer Indikatoren zur Messung der Lebensqualität. Die erste Phase dieses Projekts soll in diesem Jahr beginnen. Die Bundesregierung will dabei auch mit Bürgern selbst ins Gespräch kommen. Die zentralen Fragen lauten: Was macht Lebensqualität in Deutschland aus? Was bedeutet es für Sie persönlich, gut zu leben? Zu den Antworten wird wohl auch „das Gute essen“ gehören.

Stakeholder oder Shareholder?

Auch die Wirtschaft befasst sich mehr und mehr mit der Frage, was gesundes Wachstum ist. Eine im Auftrag der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) durchgeführte Intensivbefragung von 400 Führungskräften in Deutschland förderte bemerkenswerte Ergebnisse zutage: Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass traditionelle Wettbewerbsstrategien die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben und das Prinzip Kooperation weiter an Bedeutung gewinnt. Weniger als 30 Prozent präferieren ein auf die Maximierung von Profiten ausgerichtetes Management als ihr persönliches Idealmodell von Führung. Statt dessen rücken gesellschaftliche Themen und Stakeholder- Perspektiven in den Fokus der Aufmerksamkeit: Mehr als 15 Prozent der Führungskräfte gaben an, sich zunehmend mit Fragen der gesellschaftlichen Solidarität und der sozialen Verantwortung von Unternehmen zu befassen. Ein Grund dafür ist sicherlich der wachsende Einfluss von Nichtregierungsorganisationen (Non-Governemental-Organisation/ NGO). Professor Dr. Matthias Herdegen von der Universität Bonn konstatierte im Jahr 2010 auf einer Völkerrechtskonferenz der Konrad-Adenauer Stiftung:  

Die relativen Stärken der Nichtregierungsorganisationen bestehen in ihrer Sachkompetenz, in ihrer beharrlichen Zielsetzung, in ihrer Staatsferne und in ihrer Funktion als Exponenten einer pluralistischen Ordnung.

Kritiker der NGO's führen an, dass NGO kein gesamtgesellschaftliches Mandat besäßen – eine nicht demokratisch legitimierte NGO's könne sich nicht das Recht herausnehmen, eine demokratisch gewählte Regierung zu kritisieren.
Es hat in den letzten 30 Jahren nicht nur die Anzahl der NGO zugenommen, sondern auch ihre Bedeutung, Diversität, ihr Commitment – und damit verbunden der Druck, den sie auf Unternehmen ausüben können. Während sie sich bis in die 90er Jahre hinein zumeist mit ökologischen Themen befassten, rücken nun auch vermehrt soziale Aspekte in den Fokus. Hinzu kommt, dass NGO's auf immer mehr Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen.

Veränderte Ansprüche an Unternehmen

Soziale Netzwerke und das Internet haben eine ganz neue Transparenz geschaffen: Bürgern ist es heute möglich, genaue Informationen über umweltschädliche Produktionsprozesse und soziale Ungerechtigkeit zu erhalten, sich mit anderen Menschen zu verbünden und durch Protestaktionen Druck bis hin zum weithin gefürchteten „Shitstorm“ zu erzeugen.
Unternehmen spüren den Wertewandel auch in ihren HR-Abteilungen: Gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte interessieren sich mehr denn je für Fragen der Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit. Mit einem guten Gehalt allein sind hochqualifizierte Mitarbeiter heute nicht zu halten.

Unternehmen müssen Interessen der relevanten Stakeholder befriedigen

In der Konsequenz stehen Unternehmen also mehr denn je in der Pflicht, nicht nur die Interessen ihrer Aktionäre oder Investoren zu befriedigen, sondern auch die der relevanten Stakeholder. Wer seine „Hausaufgaben“ im sozialen und gesellschaftlichen Bereich nicht erfüllt, der kann auch ökonomisch unter Zugzwang geraten, denn Kunden und Partner achten mehr und mehr auf das ganzheitliche Bild eines Unternehmens.
Ein gutes Beispiel ist der Online-Händler Amazon in Deutschland; vor zehn Jahren noch Überflieger in Sachen Wachstum und das Lieblingskind von Aktionären und Kunden gleichermaßen – und inzwischen mit ganz irdischen Problemen wie Streiks und einem verschlechterten Image konfrontiert.

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Die METRO-Gründerstudie: Was Unternehmer in der Gastronomie bewegt

Im Workshop

Regelmäßig lädt die METRO GROUP in einer Workshopreihe Leiter der Planungs- und Strategieabteilungen der Parteien und Fraktionen sowie Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft zur Debatte im kleinen Kreis ein. Thema des letzten Workshops im November 2014 war: „Was heißt gesellschaftlicher Fortschritt heute? Ein Gespräch über Lebensqualität, Wachstum und Wohlstand“. Eva Christiansen, Leiterin des Stabs „Politische Planung, Grundsatzfragen, Sonderaufgaben“ im Bundeskanzleramt, beschrieb, dass „wir erst am Anfang einer Vielzahl von Bürgerdialogen stehen, an deren Ende klarer sein soll, welche Anforderungen die Bürger an ein gutes Leben stellen.“ Oliver Schmolke, Leiter der Planungsabteilung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, stellte klar: „Es geht hier nicht um Yoga und Wellness, sondern um das, was uns Bürgern wichtig ist: Sicherheit, Frieden und nachhaltigen Wohlstand.“

Gemeinsam mit den Kunden wachsen

Ein zentrales Thema für die METRO GROUP ist die Förderung von Unternehmensgründern und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ihren gewerblichen Kunden. Ziel dabei ist es, den Kunden nicht nur als Händler gegenüber zu stehen, sondern sie besser kennen zu lernen und gemeinsam mit ihnen funktionierende Geschäftsmodelle zu etablieren und zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, befragt die METRO GROUP in regelmäßig durchgeführten Gründerstudien gewerbliche Kunden und Existenzgründer zu ihren Erfahrungen, Erfolgen und Schwierigkeiten, um sich noch besser auf sie einstellen zu können. In mehreren osteuropäischen Ländern unterstützt METRO Cash & Carry Gründer auch mit speziellen Franchiseprogrammen – inklusive Mitarbeiterschulungen, Beratung bei der Sortimentsgestaltung und Druck von Werbeprospekten. Auch in Deutschland wird in diesem Frühjahr ein neues Accelerator-Programm ins Leben gerufen, das Startups zusammenführt und sie mit Infrastrukturmitteln und Beratungsdienstleistungen unterstützt. Olaf Koch, Vorstandsvorsitzender der METRO AG: „Wir sehen uns als Enabler unserer Kunden. Nur wenn es ihnen gut geht, können auch wir wachsen."

Die Haltung der METRO GROUP

Die METRO GROUP versteht sich als Teil der Gesellschaft und trägt zu deren Wertschöpfung bei. Mit Blick auf globale Herausforderungen liegt es in der Verantwortung des Unternehmens, ökonomische Ziele über gesetzliche Vorgaben hinaus mit den Anforderungen der Kunden, Mitarbeiter, Investoren und Partner in Einklang zu bringen. Dabei gilt es, die Grenzen zu berücksichtigen, die die Umwelt vorgibt. So handelt die METRO GROUP von heute auch für die Welt von morgen. Auf Grundlage der METRO GROUP Nachhaltigkeitsvision „Wir bieten Lebensqualität“ bedeutet dies für die Geschäftstätigkeit:mehr Lebensqualität im Sinne eines gesellschaftlichen Mehrwerts zu schaffen und belastende Auswirkungen auf das Umfeld, ökologisch wie auch sozial, zu verringern. Die Vereinbarkeit von nachhaltigem Handeln und wirtschaftlichem Erfolg sei möglich, so Tino Zeiske, Group Director Sustainability der METRO GROUP: „ Ich glaube, man kann Nachhaltigkeit nicht mehr vom normalen Geschäftsmodell abkoppeln. Wir sehen das als eine von vielen Möglichkeiten zu investieren – und einen positiven Footprint des Unternehmens mit einem ebenso positiven Business Case zu verbinden.“

Zum Download:

- Deutscher Bundestag, Schlussbericht der Enquete-Kommission (03.05.2013): "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität- Wege zum nachhaltigen Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft"
-Initiative Neue Qualität der Arbeit (01.10.2014): Studie "Führungskultur im Wandel"

Grafiken
Lebensqualität - Wunsch und Wirklichkeit
Die METRO-Gründerstudie: Was Unternehmer in der Gastronomie bewegt

Informationen zum Autor

Alexandra Czarnecki war von Januar bis März 2015 Praktikantin im Berliner Konzernbüro der METRO.