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"Wir entwickeln uns hin zu einer Rechtfertigungskultur und weg von einer Leistungskultur"

Die Thesen der 31. Mittwochsegesellschaft

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile:

Am 13. Dezember 2017 wird Prof. Gerd Gigerenzer bei der 31. Berliner Mittwochsgesellschaft unter dem Titel "Risiko-Kompetenz – warum Bauchentscheidungen für unsere Gesellschaft wichtig sind" zur Zukunftsfähigkeit konformistischer Gesellschaften sprechen. Seine Thesen können vorab schon hier diskutiert und kommentiert werden.

Wann haben Sie das letzte mal eine wichtige Entscheidung aus dem Bauch heraus getroffen? Können Erfahrungswissen und Intuition die Basis für eine bessere Entscheidungsfindung für Wirtschaft und Gesellschaft sein? Mit solchen und ganz ähnlichen Fragen beschäftigt sich Prof. Gerd Gigerenzer seit Jahrzehnten und wir freuen uns, gemeinsam mit Ihnen seine Thesen bei der 31. Berliner Mittwochsgesellschaft zu diskutieren.

These 1: In der Wirtschaft sind Bauchentscheidungen verpönt, aber die meisten Führungskräfte urteilen dennoch aus dem Bauch heraus. Allerdings geben sie das in der Öffentlichkeit nicht zu und stellen lieber ein Beratungsunternehmen ein, das die Bauchentscheidung im Nachhinein auf 200 Seiten begründet.

These 2: Intuition und Erfahrung werden heute als fragwürdige Richtschnur des Verhaltens belächelt, die man besser durch zuverlässige Algorithmen ersetzt. Dies ist ein großer Irrtum. In einer ungewissen und sich schnell verändernden Welt braucht man gesunden Menschenverstand und geschulte Intuition mehr als zuvor – genau das, was künstlicher Intelligenz am schwersten fällt. 

These 3: Wir entwickeln uns hin zu einer Rechtfertigungskultur und weg von einer Leistungskultur. Wir sichern uns mit einem Berg von Dokumentation ab, unsere Führungskräfte treffen nicht mehr die besten Entscheidungen für ihr Unternehmen. Stattdessen verfolgen sie zweitklassige Optionen, die sich besser begründen lassen, falls etwas schiefgeht

These 4: Derzeit wird mit „Social Credit Scoring“ experimentiert, das für jeden Bürger aufgrund seines sozialen, finanziellen und politischen Verhaltens einen Wert zwischen 350 und 750 berechnet. Das Ergebnis ist dann von allen auf dem Smartphone einsehbar. Dieses System staatlicher und moralischer Kontrolle würde unser Leben radikal verändern. Wir alle sollten hier Stellung beziehen, statt die Entwicklung laufen zu lassen. 

These 5: Wir brauchen eine risiko-kompetente Gesellschaft. Davon sind wir heute weit entfernt: Zahlenblinde Ärzte verstehen die Gesundheitsstatistiken nicht, ängstliche Bürger fürchten sich vor Dingen, die sie höchstwahrscheinlich nicht umbringen. Warum investieren wir hier so gut wie nichts?

Zu unserem Gast

Prof. Gerd Gigerenzer ist Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin sowie Gründer und Gesellschafter von „Simply Rational - dem Institut für Entscheidung“. Der Professor für Psychologie wurde der Öffentlichkeit vor allem durch seine mehrfach ausgezeichneter Sachbücher bekannt: „Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten“ und „Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ wurden bspw. in 21 Sprachen übersetzt. Darüber hinaus berät und coacht er diverse Führungskräfte aus Wirtschaft, Medizin und Recht bezüglich der Kunst des Entscheidens und des Umgangs mit Risiken und Unsicherheiten. Prof. Gigerenzer wurde mit zahlreichen hochrangigen Preisen ausgezeichnet und trägt den Ehrendoktortitel der Universität Basel und der Open University of the Netherlands.

Milena-Marie Zöller

Informationen zum Autor

Milena-Marie Zöller war von September bis Dezember 2017 Praktikantin im Konzernbüro Berlin der METRO.

Dieser Artikel umfasst mehrere Teile: