18. September 2018

Wie digitale Innovationen den Einkauf verändern

Der Kunde gewinnt

Digitale Innovationen sind ohne die Nutzung von Daten heute kaum vorstellbar. Daten bilden die Grundlage für zahlreiche Technologien und Geschäftsmodelle. Für den Umgang mit diesen Daten braucht es einen klaren rechtlichen Rahmen, ohne dass Überregulierung entsteht - denn Innovation braucht Freiräume.

„Digitalisierung des Handels“ – wer das hört, denkt vor allem an Online-Shopping. Doch auch im stationären Handel profitieren die Kunden von digitalen Lösungen. Und das beginnt schon vor dem Betreten des Marktes: Wenn Hoteliers, Restaurantbesitzer oder Caterer (kurz HoReCa) einkaufen, dann ist die Liste für gewöhnlich umfassender als bei einem privaten Wochenendeinkauf.


Um ihnen die Planung von Menüs und den Einkauf zu erleichtern, hat METRO den Online-Shop „M|SHOP“ entwickelt. Dort können Gastronomen künftig direkt aus ihrem Restaurant heraus auf das METRO Sortiment zugreifen und ihre Einkaufslisten portionsgenau erstellen. Ein klarer Mehrwert und eine wertvolle Zeitersparnis für die METRO Profikunden.

 

METRONOM, das Softwareunternehmen der METRO, geht mit digitalen Lösungen wie Virtual Reality, Künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologie neue Wege, um das Einkaufserlebnis der METRO Kunden zu optimieren. So konnten Kunden bei der Entwicklung des neuen Marktkonzeptes „Compact Store“ in Frankreich den Markt mithilfe von Virtual Reality noch vor dem ersten Spatenstich mitgestalten.

Isabel Rudolf- Staubach, die die Entstehung des neuen Konzepts als Head of Innovation & Customer Experience begleitet hat, erklärt, wie das funktionierte: „Wir haben den Markt mit seiner neuen Architektur, sämtlichen Produkten und digitalen Angeboten in Virtual Reality gebaut. Mit unseren Kunden vor Ort sind wir in diese virtuelle Welt eingetaucht und haben ihre Verbesserungsvorschläge direkt in die Planung des Marktes aufgenommen. “So wurde beispielsweise der Eingangsbereich, den Kundenwünschen entsprechend, ähnlich einer Lounge gestaltet, die zum Austausch bei einem Kaffee einlädt. „Wir haben gelernt, dass der persönliche Kontakt im Markt nicht wegzudenken ist, und haben das im Design des Marktes berücksichtigt“, erklärt Isabel Rudolf-Staubach. 

Dank des M|SHOP wissen Kunden künftig, welche Produkte auf dem Einkaufszettel stehen. Doch wo sie im Markt zu finden sind, kann beim METRO Sortiment von mehreren zehntausend Produkten eine Herausforderung für Kunden sein. Wenn ein Markt zudem noch modernisiert wurde, verlieren sie auch mal den Überblick. Das war im METRO Großmarkt Nürnberg-Buch der Fall: „Nach dem Umbau ist den Kunden die Orientierung nicht immer leichtgefallen“, erinnert sich Geschäftsleiter Thomas Peinert. Deshalb regte das METRO Team in Nürnberg-Buch an, die Kundenorientierung und das Erlebnis im Markt zu verbessern. Die Innovationsexperten um Isabel Rudolf-Staubach schlugen daraufhin ein Navigationssystem für den Großmarkt vor.

Im nächsten Schritt startete im METRO Großmarkt Nürnberg-Buch das Testprojekt „Instore Navigation“. „Dabei sind Roboter mit einer 360°-Kamera durch die Regalreihen gefahren, um die Warenstandorte zu kartographieren“, berichtet Thomas Peinert. Aktuell werden die letzten technischen Checks durchgeführt. Wenn diese erfolgreich abgeschlossen sind, können sich die Kunden bald per App durch den Markt zum gewünschten Produkt navigieren lassen. Dabei können sie entscheiden, was bei ihrer Route durch den Markt im Vordergrund steht: die Einkaufsliste besonders schnell abzuarbeiten, eine möglichst preisgünstige Produktauswahl oder eine besonders große Inspiration durch Produktneuheiten. Natürlich können sie sich bei Bedarf in der App auch individuelle Produktinformationen anzeigen lassen.

Die Einkaufsliste abarbeiten heißt auch, dass sich der Wagen auf dem Weg durch den Markt immer weiter füllt. Im französischen „Compact Store“ kann der Kunde seine zu Hause bereits vorbereitete digitale Einkaufsliste mit einem mobilen Scanner schnell abarbeiten. Der Clou: Besonders schwere oder sperrige Produkte lassen sich vorab an einem separaten Terminal bestellen und später abholen oder direkt nach Hause liefern.


Die „Leichtgewichte“, die dann doch im Einkaufswagen Platz finden, können schon beim Einpacken mit einem mobilen Scanner registriert werden. So kann der Kunde an der Kasse Zeit sparen und einfach die Selbstbedienungskasse oder den Bezahlautomaten benutzen. Auch eine mobile Bezahlung per Handy ist möglich. Durch den schnelleren Einkaufs- und Bezahlprozess bleibt dem Gastronomen mehr Zeit für das persönliche Gespräch mit dem Kundenberater – und für seine Gäste im Restaurant.

Künstliche Intelligenz wird sämtliche Bereiche bei METRO beeinflussen, ob im Markt, online mit Chatbots oder bei der Lieferung an den Gastronomen.

Timo Salzsieder, CEO von METRONOM

Aber auch an den klassischen Kassen werden digitale Fortschritte gemacht. METRO kooperiert dafür mit dem jungen Hamburger IT-Unternehmen Deepshore und setzt neueste Technologien für Kassendaten ein. In Zeiten von Cloud-basierten Big Data werden beispielsweise Rechnungen so effizient archiviert, dass sie auch für hochperformante Auswertungen genutzt werden können.

„So ist das Archiv zukünftig keine Sackgasse mehr. Die Daten können sicher und schnell ausgewertet und zur Analyse genutzt werden“, erklärt Daniel Köhnen, Domain Owner bei METRONOM. An die Stelle herkömmlicher Archivspeicher soll künftig ein Cloud-Speicher treten, der unter Einsatz der Blockchain-Technologie Manipulationen verhindert.

Datenschutz first

„Digital first, Bedenken second“ ist keine Option beim vertrauensvollen Umgang mit Kundendaten. So wurde bei der METRO im Zuge der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein konzernweites Projekt aufgesetzt, um die neuen Regelungen zum sicheren Umgang mit Daten in allen Konzerngesellschaften umzusetzen und das Bewusstsein für Datenschutz intern zu stärken.

Auch für METRO Kunden aus der HoReCa-Branche war die DSGVO eine immense Herausforderung: Vor dem Inkrafttreten der Verordnung mussten eine Vielzahl von Zugriffsrechten, Einwilligungen und Löschkonzepten erstellt werden. Auf der konzerneigenen Internetseite „Digitales Hauptstadtbüro“ unterstützte METRO ihre Partner mit Hinweisen und Ratschlägen zum Thema. In Zukunft wird dieser Austausch von Know-how immer wichtiger werden.

Der richtige Umgang mit Daten braucht einen rechtlichen Rahmen. Es darf aber nicht überreguliert werden – denn Daten sind für digitale Innovationen unverzichtbar. Mit ihnen werden Prozesse optimiert oder kundenspezifische Angebote ermöglicht. Die Zahlen sprechen für sich: In einer Studie des Digitalverbands Bitkom (Mai 2018) gab fast jedes 2. Unternehmen (46%) an, dass personenbezogene Daten die Grundlage seines Geschäftsmodells sind. Ohne Daten gäbe es auch keine Künstliche Intelligenz (KI). Denn KI wird mit Daten gefüttert, um von Algorithmen berechnete Entscheidungen stetig zu verbessern.


Bei METRO wird KI bereits zum Vorteil von Gastronomen eingesetzt – sie erhalten beispielsweise individualisierte Angebote. METRO selbst optimiert mit KI die Sortimentsverwaltung und Prozesse entlang der globalen Lieferkette. Timo Salzsieder, CEO des METRO Softwareunternehmens METRONOM, erklärt, was uns in Zukunft erwartet: „Künstliche Intelligenz wird sämtliche Bereiche bei METRO beeinflussen, ob im Markt, online mit Chatbots oder bei der Lieferung an den Gastronomen.“ 

Digitalpolitik braucht Weitblick

Schon vor dem Bau eines Marktes können Kunden mithilfe von Virtual Reality mitgestalten; dank „Instore Navigation“ und M|SHOP können sie ihren Einkauf besser organisieren und mithilfe von digitalen Kassensystemen Zeit sparen. Die Zukunft ist also effizienter dank digitaler Innovationen. Auch Verwaltungsaufgaben im Nachgang des Einkaufs werden durch Blockchain und KI erleichtert. Der Handel digitalisiert sich vom Einkaufszettel bis zur Kasse und darüber hinaus.

 

Umso wichtiger ist es, dass Digitalthemen sowohl in Deutschland als auch in der EU ganz oben auf der politischen Agenda stehen: Der digitale Binnenmarkt muss vorangebracht werden. In Deutschland können die Einrichtung des Kabinettsausschusses für Digitalisierung oder der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Potenziale“ dabei nur wesentliche erste Schritte sein. Aber wie auch immer Digitalisierung in den nächsten Schritten politisch gestaltet wird: Innovationen brauchen Freiraum und erfordern eine Digitalpolitik mit Weitblick, damit nicht kaputt reguliert wird, was noch gar nicht erfunden ist.

 

Bildnachweis Titelfoto: Adobe Stock: wavebreak3

Bildnachweis Foto Instore Navigation: 42 dp Labs GmBH

In Verbindung stehende Artikel