2. Februar 2021

Gastronomie braucht klaren Fahrplan nach der Krise

Eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Gastgewerbes in Europa

Es steht außer Frage, dass die Covid-19-Krise verheerende Auswirkungen auf die Gastronomiebranche in Europa hat. Schließungen über lange Zeiträume und das Fehlen klarer Perspektiven für eine sichere und zuverlässige Wiedereröffnung nach dem Lockdown fordern ihren Tribut für Hunderttausende Restaurants und ihre direkten Lieferanten. Nur eine kontinuierliche Unterstützung, einschließlich langfristiger Investitionen in Modernisierung und Nachhaltigkeit, könnte diese für Wirtschaft und Gesellschaft so wichtige Branche retten.

Ein Fahrplan über Covid-19 hinaus

Am 27. Januar brachte METRO gemeinsam mit dem Mediennetzwerk Euractiv Vertreter der EU-Institutionen und Stakeholder des europäischen Gastronomiesektors an einen Tisch, um über Herausforderungen und Erfordernisse zu sprechen, damit die Branche wieder auf die Beine kommt.

Eines war gleich zu Beginn klar: Wie der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und Tourismus des Europäischen Parlaments István Ujhelyi sagte, vermissen wir alle die gemeinsamen Abendessen mit Familie und Freunden in unserem Lieblingsrestaurant oder den Umtrunk nach Feierabend mit Kollegen in der Bar um die Ecke. Ujhelyi plädierte für eine intelligente Wiedereröffnung mit einem Stufenplan, um den Gastronomen und Unternehmern in der Branche eine klare Perspektive (und Hoffnung!) zu geben.

Marie Audren, Generaldirektorin des europäischen Dachverbands des Gaststättenwesens, HOTREC, betonte ebenfalls die wichtige Rolle, die die Gastronomie als sozialer Faktor für die Menschen spielt. Als Branchenvertreterin machte sie ihren Standpunkt deutlich, dass die Unternehmen auch nach der Wiedereröffnung weiterhin Unterstützung erhalten müssen, um den Unternehmergeist nach dem Ende der Corona-Krise zu wecken.

Eric Poirier, COO der METRO AG, nannte 3 grundlegende Voraussetzungen für die Erholung der Gastronomie: 1. Politische Entscheidungsträger müssen eine Perspektive für die Wiedereröffnung geben und sie klar kommunizieren, sobald die Situation dies zulässt. Dieser Schritt darf nicht auf unbestimmte Zeit verschoben werden. 2. Finanzielle Unterstützung geht über kurzfristige Kredite und Darlehen hinaus und konzentriert sich eher auf direkte Subventionen und Investitionen. 3. Wir sollten uns alle vor Augen halten, dass die aktuellen Schließungen von Restaurants Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette der Gastronomie haben – insbesondere auf kleine Produzenten und Lieferanten.

Eric Poirier: Der Erfolg von Restaurants & Cafés ist unser Erfolg
DISH Order

Die Chancen, die Innovation und Digitalisierung der Branche bieten, waren noch nie so deutlich wie in dieser Pandemie. Essen zum Mitnehmen und Lieferungen sind in den letzten Monaten zur wichtigen Lebensader für Restaurants geworden, so Marie Audren.

Einige Betreiber verlangen jedoch von Restaurantbesitzern astronomische Gebühren für ihre Dienste. Als Alternative hat Hospitality Digital kürzlich DISH Order auf den Markt gebracht. Das Tool lässt sich in die Website eines Restaurants integrieren, sodass Kunden direkt dort bestellen können – entweder zum Mitnehmen oder zur Lieferung.

Nachhaltigkeit war ein weiteres Schlagwort, das im Rahmen der Debatte mehrfach auftauchte. Claire Bury, stellvertretende Generaldirektorin für die Nahrungsmittelnachhaltigkeit der Europäischen Kommission, rief die Unternehmer in der Gastronomiebranche dazu auf, die Chance der Farm-to-Fork-Strategie zu ergreifen, um zu einem nachhaltigeren Lebensmittelsystem in Europa zu gelangen, in dem die Gastronomie eine zentrale Rolle spielt. Peter Schmidt vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) erwähnte, dass Nachhaltigkeit auch den wirtschaftlichen Aspekt beinhalten sollte, einschließlich einer besseren sozialen Absicherung für die Mitarbeiter in der Gastronomie.

In ihren abschließenden Bemerkungen betonten die Redner ihr Vertrauen in die Erholung der Branche, die aber nur dann stattfinden kann, wenn jetzt die richtigen politischen Schritte und Unterstützungsmaßnahmen ergriffen werden, damit Gastronomen in ihre Zukunft investieren können. Dies wird entscheidend sein, um die Menschen zusammenzubringen und den Städten wieder Leben einzuhauchen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gastronomie ein grundlegender Teil unserer europäischen Lebensart ist“, schloss Moderator Dave Keating.

Hartes Jahr für die Gastronomie

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