6. August 2019

„Es ist die verdammte Pflicht mitzugestalten, einen Beitrag zu leisten.“

Im Einsatz für Kunden - im Einsatz für Wähler: Unternehmer & Politiker

Sepp Schellhorn ist Sprecher für Wirtschaft und Industrie, Tourismus, Energie, und Kultur für die NEOS im Nationalrat. Im April 2017 übernahm er zudem auch den Vorsitz des Kulturausschusses im österreichischen Nationalrat. Er ist verheiratet und Vater von 3 Kindern.

Sepp Schellhorn bei einer Pressekonferenz

Wieso haben Sie sich entschieden, Gastronom zu werden?

Ich wuchs in einem Hotel, also in einem klassischen Tourismusbetrieb, auf. Als Erstgeborener. Man könnte sagen: Es gibt einen Arbeitsmaier und einen Schlaumaier. Meinem Bruder schickte man nach Wien auf die Universität … Nein, Scherz beiseite - es war mir von klein auf in die Wiege gelegt. Wir wuchsen im Hotel auf. Die Hotelhalle war unser Wohn- und Hausaufgabenzimmer. Ich sah damals nur zwei Möglichkeiten, Menschen - damals Mädchen - zu beeindrucken: Entweder Du kannst gut kochen oder Du kannst Klavier - Piano in einer Bar - spielen. Allerdings merkte ich bereits im Alter von 14 Jahren, dass ich kein musikalisches Talent habe. So wurde ich Koch - ein sehr guter sogar. Und noch besser: Ich kam als Koch um die ganze Welt, konnte quasi mit 18 die Welt erobern. Das hat schon was. Das war echt geil ... Pisa, Trento, Miami, Fort Lauderdale, Paris, München, Badgastein, Goldegg - das waren meine Stationen (…) und mit Goldegg war ich wieder zu Hause. Ich roch die Natur, den See und die Küche und da war meine Entscheidung gefallen: Ich bin gekommen, um zu bleiben.

Wann und wieso sind Sie politisch aktiv geworden?

Ich wurde politisch aktiv, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Die täglichen bürokratischen Hürden, die Überprüfungen, die steuerliche Belastung für meinen Betrieb. Die schlechte schulische Ausbildung meiner Kinder und Mitarbeiter. Ich sah niemanden, der meine politischen Interessen vertrat. - Bei einem politischen Start-up bekam ich die Chance und hab sie am Schopf gepackt. Sonst hätte ich ni(iiiieeeeeee)e mehr eine Zeitung lesen dürfen oder das TV Gerät einschalten können. Ich hätte auswandern müssen. Doch dafür liebe ich Österreich zu sehr. Es ist die verdammte Pflicht mitzugestalten, einen Beitrag zu leisten. Das ist meine Mission, auch wenn mir diese Einstellung manchmal schadet. Aber nix tun, kommt nicht in Frage. Ich will einfach, dass meine Mitarbeiter mehr Netto vom Brutto in der Tasche haben. Für sie setze ich mich ein. 

Sepp Schellhorn Portrait

Sepp Schellhorn, Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat; © Ingo Pertramer / Büro des Abg.z.NR Sepp Schellhorn

Sepp Schellhorn: Unternehmer & Politiker

„Des is koa Gasthaus sondern a Wirtshaus – hier schafft der Wirt an“ – so beschreibt der unabhängige und liberale Kopf Sepp Schellhorn den „Seehof“ in Goldegg im Pongau im Süden des Salzburger Landes, den er 1996 von seinen Eltern übernommen hat. Der Absolvent der Hotelfachschule Bad Hofgastein hat mittlerweile 4 weitere Betriebe (Restaurant M32 in Salzburg und 3 Skihütten im Gasteinertal) übernommen und ist damit zeitweise mit bis zu 105 Mitarbeitern einer der erfolgreichsten Gastronomen und Hoteliers des Landes Salzburg.

Politisch engagierte sich der Pongauer zunächst für die konservative Österreichische Volkspartei (ÖVP) auf Gemeindeebene, bevor er 2013 zu den damals gerade neugegründeten NEOS hinzustieß. (Das Neue Österreich und Liberales Forum ist eine liberale Partei in Österreich. Sie wurde im Oktober 2012 unter dem Parteinamen NEOS – Das Neue Österreich gegründet und schreibt die Kernwerte Eigenverantwortung, Nachhaltigkeit, Freiheitsliebe, Authentizität und Wertschätzung in ihr Programm. Zur Nationalratswahl in Österreich 2013 trat sie in einem Wahlbündnis mit dem Liberalen Forum an, mit welchem sie in der Folge im Januar 2014 fusionierte. Bei der Nationalratswahl im Jahr 2013 erreichte die Partei 5 % und zog in den Nationalrat ein, was bei der Nationalratswahl 2017 mit 5,3 % der Stimmen erneut gelang.) 2014 zog Sepp Schellhorn für die NEOS als Abgeordneter in den Österreichischen Nationalrat ein.

Was zeichnet politisch aktive Gastronomen aus?

Ich glaube von mir sagen zu können, dass ich zielstrebig, hartnäckig, diszipliniert und uneigennützig für die Sache in der Politik arbeite...

Sie haben einen unternehmerischen Hintergrund: Glauben Sie, dass es für Sie einfacher ist, anderen Geschäftsleuten die von Politikern getroffenen Entscheidungen zu vermitteln?

Ganz klar! Aber da gibt es leider zu wenige, die sich den Schritt in die Politik antun. Dabei ist es so wichtig, mitzugestalten und nicht nur darüber zu reden. Es hilft, dass ich mir mein politisches Engagement als Unternehmer selbst einteilen kann. Ich gelte hier zwar eher als Fossil, dafür aber auch als äußerst authentisch.

Gelingt die Balance? Sie sind Abgeordneter und gastronomisch aktiv. Wie können Sie all die anfallenden Aufgaben (parallel) erledigen?

Die Balance zwischen meinen Tätigkeiten als Gastronom und als Nationalrats-Abgeordneter gelingt, weil ich großartige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen habe, sowohl im politischen Bereich als auch in meinen fünf Unternehmungen. Beide „Gefässe“ sind übergreifend gut miteinander verbunden. Es braucht offene Kommunikation und gebührende Wertschätzung. Dieses Interview ist die richtige Stelle, um meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu danken...mein Erfolg beruht auf all den großartigen Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf.

Das Hotel- und Gastgewerbe ist für METRO von zentraler Bedeutung. Dort geht es darum, dass sich die Menschen willkommen fühlen, viele sagen, es fühle sich an, als würde man zu sich nach Hause einladen. Glauben Sie also, dass die Menschen im Gastgewerbe eine spezielle Art haben, die dem nahe kommt, was die Politik von einem verlangt?

Menschen im Gastgewerbe haben eine eigene Art auf Menschen zuzugehen. Ich habe das erst lernen müssen. Ich habe mich früher immer in der Küche versteckt. Rezeption war nicht so meins. Der Gast fühlt sich wohl, wenn er umsorgt wird. Das ist das Wichtigste im Hotel- und Gastgewerbe. Von der Politik wollen die Menschen sich verstanden und abgeholt fühlen. Insofern hilft die Servicementalität aus der Gastronomie auch in der Politikwelt.

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