18. November 2020

Sorge um die Überlebensfähigkeit der deutschen Gastronomie

METRO beauftragt Umfrage für ein aktuelles Meinungsbild zur Gastronomie in Deutschland.

Der derzeitige Lockdown-Light ist für die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Hotellerie, Restaurants, Bars und Cafés eine massive Herausforderung. Wir wollten wissen, wie Ihr die Lage der Gastronomie seht und haben mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey eine Umfrage durchgeführt.

Aktuelles Meinungsbild zur Gastronomie

Über 70% der Bevölkerung befürchten, dass sich die gastronomische Landschaft in Deutschland in Folge der Corona-Krise nachhaltig negativ verändern wird. Dies hat eine von METRO in Auftrag gegebene Civey-Umfrage unter 10.000 Personen über 18 Jahren ergeben. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge mit 78,9% bei der jungen Bevölkerung (18-29 Jahre). Leicht größer ist die Sorge auch in ländlichen Gebieten (79,8 - 80,3%) gegenüber Gebieten mit höherer Bevölkerungsdichte (75,4% in Gebieten mit sehr hoher Bevölkerungsdichte). In der Tat sind die wirtschaftlichen Einbußen durch die Schließung der Gastronomie im Frühjahr, durch Restriktionen nach dem Restart und durch den erneuten Lockdown im November für die Branche ein Kraftakt. Zwar sind mit der Schließung Kompensationen verbunden – u.a. die sogenannte „Novemberhilfe“. Entscheidende Umsatzfaktoren wie das Weihnachtsgeschäft dürften in diesem Jahr aber ausfallen – ob mit Lockdown oder ohne. Gastronomien – wie der Landgasthof, Familienitaliener oder der Szene-Koreaner – bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Muss nur der November durchgehalten werden – oder kommen weitere Wochen bzw. Monate des Lockdowns auf die Branche zu? Gerade die Unklarheit, wie es mit der Branche unter Pandemiebedingungen weitergehen kann, zehrt an den Unternehmern.

Sorge Gastronomische Landschaft
Sorge Gastronomische Landschaft nach Alter

Eine eindeutige Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer wünscht sich von der Politik eine klare und zeitnahe Perspektive für die Wiedereröffnung der Branche (78,4%). Auch der Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigt, dass der Wunsch nach einer Perspektive kein auf einzelne Regionen zentriertes Phänomen ist. Der Trend liegt in jedem Bundesland bei über 70%, teilweise sogar bei über 80%, wie beispielsweise in Bayern. Der kleinste Wunsch nach einer Perspektive wurde mit 74,3% in Berlin geäußert. Nur 12,3% aller Teilnehmenden im Bundesdurchschnitt war eine zeitnahe Perspektive eher nicht oder gar nicht wichtig.

Perspektive für die Gastronoomie

Wie könnte die Zukunft der Branche unter Pandemiebedingungen aussehen? Wie kann seitens Politik und Gastronomie den gesundheitlichen Herausforderungen der Corona-Pandemie begegnet werden – und Verlässlichkeit für die Gäste geschaffen werden? Die klare Befürwortung (über 70,4%) von geprüften Zertifizierungen für Hygienekonzepte könnte ein wichtiger Bestandteil eines Gastronomie-Fahrplans sein. Mit 77,1% befürwortet besonders die Altersgruppe 65+ den Einsatz von zertifizierten Hygienekonzepten. Nur 16,4% aller Befragten können einer zusätzlichen Zertifizierung nichts abgewinnen. Die Zahlen bestätigen, dass die Pandemie neben der weitreichenden finanziellen Unterstützung auch weitere zukunftsweisende Lösungen verlangt. Es braucht ein Umdenken, dass die Gastronomie als Partner sieht und nach vorne bringt. Für Deutschlands Innenstädte böte eine geöffnete Gastronomie unter Hygieneauflagen ebenso eine höhere Frequenz, denn über 42% würden diese eher bei geöffneter Gastronomie besuchen.

Umfrage - Aktuelles Meinungsbild zur Gastronomie
Häufiger Innenstadt besuchen

Der Lockdown-Light hinterlässt Spuren auch im Alltag der Bürger, denn so vermissen nach zwei Wochen Lockdown-Light bereits knapp 50% der Befragten den Restaurantbesuch stark bis eher stark. Auch hier zeigt sich, dass der jüngere Teil der Bevölkerung den Besuch im Restaurant oder Café überdurchschnittlich vermisst (57%). Am meisten werden Restaurantbesuche in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Sachsen vermisst (jeweils >50%). Am wenigsten in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern überwiegt die Zahl derer, die Restaurantbesuche nicht vermissen. 14,9% der Gesamtbevölkerung gibt an, Gastronomie gar nicht zu vermissen.

Umfrage - Aktuelles Meinungsbild zur Gastronomie

Was kann getan werden, um die Gastronomie in dieser schweren Zeit zu unterstützen? Ganz klar: Take Away und Lieferdienst. Die damit generierten Umsätze unterstützen den Gastronomen maßgeblich in einer Zeit, in der keine Gäste kommen dürfen. Sie sind ein wichtiger Weg zum Überleben in dieser Krise. Und hier zeigt die Umfrage noch maßgeblich Potenzial der Bevölkerung: 73,4 % der Bevölkerung geben an, nicht häufiger zu bestellen. Am meisten nutzen Menschen zwischen 18 und 39 Jahren Take Away- und Lieferdienste (36,2% und 34,6%). Die berufliche Gruppe der Studenten ist mit 43,2 % hierbei am stärksten vertreten. Anhänger der FDP (30,2%), der Grünen (29,6%), der SPD (27,9%) und der CDU (26,5 %) nutzen Lieferservices und Take Away am meisten. Aber: Im Bundesdurchschnitt geben nur 25,7% an, vermehrt Take-Away Möglichkeiten zu nutzen.

Umfrage - Aktuelles Meinungsbild zur Gastronomie

Für uns ein klarer Appell: Bestellt heute bei Euren Lieblingsrestaurants in Eurer Nachbarschaft – damit es sie morgen noch gibt! Ihr unterstützt damit nicht nur die selbständigen Gastronomen in der Krise – zwischen Home Office und Home Schooling findet Ihr so auch mehr Zeit für Euch!

#GönntEurerKücheEinePause

Das Meinungsforschungsunternehmen Civey hat im Auftrag der METRO AG 10.000 Personen zwischen dem 11.11. und dem 15.11.2020 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 2,5%.

Die gesamte Umfrage steht unten als PDF zur Verfügung.

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