2. Oktober 2019

„Wir sind ja als Unternehmer und Selbstständige auch immer für unsere Umwelt verantwortlich.“

Im Einsatz für Kunden - im Einsatz für Wähler: Unternehmer & Politiker

Eine der bekanntesten Unternehmerinnen in Hamburg: Christina Block. Sie ist Mitgesellschafterin und im Aufsichtsrat der Eugen Block Holding (Block Gruppe). Die gebürtige Hamburgerin lernte das Hotelfach im Bayerischen Hof in München und startete damit in die Welt der Hotellerie und ins Business. Vor nicht allzu langer Zeit trat sie dem CDU-Kompetenzteam bei, um als Wirtschaftsexpertin im Wahlkampf zu unterstützen.

Block House Restaurant in Hamburg

Sie kommen aus einer sehr erfolgreichen Unternehmerfamilie. War es für Sie von vornherein klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters, Eugen Block, treten werden oder hatten Sie ganz andere Pläne?

Mein Vater lebt mit sehr großer Leidenschaft seinen Beruf und seine Selbstständigkeit, das hat natürlich auch uns Kinder geprägt. Ich kenne es gar nicht anders als sonntags ins Block House zu gehen und später am Küchentisch darüber zu reden, was gut war und was man noch besser machen kann. Silvester wurde und wird noch heute im Grand Elysée Hamburg gefeiert. Die Unternehmen der Block Gruppe und deren Mitarbeiter waren immer ein Teil unserer Kindheit. Das war schön und besonders. Das Unternehmerische ist uns quasi in die Wiege gelegt worden. Im Alter von 14 oder 15 Jahren wollte ich die vielfältige Hotelwelt dann in meinem Schulpraktikum in einem anderen Hotel als unserem noch besser kennen lernen. Es hat mir so viel Spaß und Freude gemacht, dass ich beschloss, die Ausbildung im Hotelgewerbe zu machen.

Sie sind heute eine sehr erfolgreiche Unternehmerin, die in den vergangenen Jahren sehr wohl ihre eigenen unternehmerischen Projekte und Ziele verfolgt hat. Welchen Weg sind Sie sind dafür gegangen?

Der Grundstein ist natürlich eine solide und grundlegende Ausbildung. Ich habe meine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Bayrischen Hof absolviert. Ich wollte diesen Beruf von der Pike auf lernen, ich möchte immer gerne alles ganz genau wissen und verstehen. Eine Erfahrung während meiner Ausbildung im Bayrischen Hof hat mich besonders geprägt, ich hatte das Glück, eine der Abteilungen stellvertretend zu leiten. Dabei habe ich gemerkt, mich reizt das Selbstständig- und Eigenverantwortlichsein, daraus entwickelte sich mein Antrieb. Nach meiner Ausbildung bin ich nach Frankreich gegangen, habe in der Küche gearbeitet und den harten Alltag eines Kochs kennengelernt. Im Anschluss führte mich mein Weg in die Praxis der amerikanischen Hotellerie und an die Cornell Universität in New York. Danach ging es über eine Hotel-Neueröffnung in Peking nach Edinburgh, wo ich ein MBA absolvierte, um meine Kenntnisse in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre zu vertiefen.

Wann haben Sie die Politik für sich entdeckt?

Da ich Unternehmerin bin, war und bin ich automatisch mit den politischen Geschehnissen meiner Stadt und dem Land, in dem ich lebe, verbunden. Das sollte jede und jeder so empfinden. Wir sind als Unternehmer und Selbstständige immer für unsere Umwelt verantwortlich. Ich persönlich habe mich im Jahr 2000 mit dem gehobenen Sandwich Bistro „Prima Pane“ selbstständig gemacht. Es folgten Standortsuche, Behördengänge, Klärung der Finanzierungsfragen, Mitarbeitersuche, Produktentwicklung und so weiter und so fort. Auf dem Weg in meine Selbstständigkeit war ich mit vielen Hindernissen und Schwierigkeiten konfrontiert. Da fängt man an darüber nachzudenken, wie es unbürokratischer und anwenderorientierter gestaltet werden könnte.

Haben Sie sich damals schon ehrenamtlich engagiert oder kam das später?

Während meiner Selbstständigkeit, zwischen 2000 und 2015, habe ich ausschließlich gearbeitet. Denn die Wahrheit ist ja auch, wenn man selbstständig ist, arbeitet man selbst und ständig. Da bleibt leider wenig Luft für ehrenamtliche Tätigkeiten, vor allem in einem kleinen Unternehmen.

2011 kam mein Vater auf meine Brüder und mich zu, fragte uns, ob wir mit an Bord des Familienunternehmens kommen und bot uns Gesellschaftsanteile an. Da beschloss ich, mich zukünftig primär der Aufgabe im Familienunternehmen zu widmen. Hier sind meine Brüder und ich im Aufsichtsrat der Holding tätig. Wenn man nicht mehr im operativen Tagesgeschäft verhaftet ist, hat man automatisch ein bisschen Luft, um über den Tellerrand hinwegzublicken und sich ehrenamtlich zu engagieren. Und ich finde, es ist die Verantwortung unserer Familie und unseres Unternehmens sich zu engagieren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement?

Wir müssen die Wirtschaftsleistenden unterstützen. Die, die der Wirtschaft Gutes tun. Die Leistungsfähigkeit dieser Gewerbetreibenden, dieser Unternehmer muss sich wieder mehr lohnen. Wir reden immer sehr stark über die sozialen Aspekte unserer Gesellschaft. Dabei tritt häufiger in den Hintergrund, dass auf der einen Seite alles verdient werden muss, was auf der anderen Seite ausgegeben wird. Das kann nur gelingen, indem wir die Leistungsfähigkeit der Wirtschafts- und Gewerbetreibenden wieder in den Fokus rücken.

Hilft Ihnen die Erfahrung in der Hotellerie und der Gastronomie die politischen Prozesse besser zu handhaben? Oder ist die Herangehensweise eine andere als die klassischer Politiker?

Ja, ganz anders. Ich muss, natürlich, in unserem großen Unternehmen auch auf sehr viele Menschen achten, ihnen zuhören und sie miteinbeziehen. Das fängt bei unseren Mitarbeitern an, die jeden Tag ihre Arbeit leisten, und geht über die Mitgesellschafter, den Aufsichtsrat und den Vorstand. Dennoch ist man als Unternehmer natürlich leistungsstärker unterwegs. Man kann viel entscheidungsstärker agieren, kann Dinge nach vorn treiben, mehr und schneller etwas bewerkstelligen und Veränderungen herbeiführen. In der Politik ist dieser Weg ein anderer und sehr viel langwieriger.

Wir sind ja als Unternehmer und Selbstständige auch immer für unsere Umwelt verantwortlich.

Profil

Christina Block, Wirtschaftsexpertin im CDU-Kompetenzteam; © Block-Gruppe

 

Wir müssen die Leistungsfähigkeit der Wirtschafts- und Gewerbetreibenden wieder in den Fokus rücken.

Wo erkennen Sie im Moment die größten Probleme der Gastronomie und welche Lösungsansätze sehen Sie?

Ich bin ja parteilos, das macht die ganze Sache vielleicht noch einmal frischer. Mir liegen insbesondere der Mittelstand und die kleinen Unternehmen am Herzen. Diese müssen viel mehr unterstützt werden, damit sie Innovationen, Ideen und Visionen ausleben können. Genau das brauchen wir nämlich wieder für unser Wachstum. Wir brauchen mehr Gründungen und mehr Visionäre. Und genau das ist auch das Thema in der Hotellerie und Gastronomie: Wie können wir Hoteliers und Gastronomen Rahmenbedingungen geben, damit sie sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können? Damit sie wieder Innovationen und Visionen anbieten und damit Wachstum generieren können. Damit sie sich nicht damit beschäftigen müssen, wie sie die Bettensteuer abrechnen, das Arbeitszeitkonto führen, die Datenschutzgrundverordnung umsetzen. Das sind Themen, die die Politik den Gewerbetreibenden aufbürdet, ohne zu wissen, wie viel da dranhängt.

Das heißt, Ihre Empfehlung wäre, die Bürokratie an diesen Stellen zu vereinfachen bzw. abzuschaffen?

Es ist immer leicht gesagt, Bürokratie abzuschaffen. Man muss konkret schauen, wo fängt man an. Zurzeit muss der Meldeschein in der Hotellerie immer noch handschriftlich ausgefüllt werden, ab 2020 kann dies nun auch digital gemacht werden. Das ist begrüßenswert, kann aber nur ein erster Schritt sein. Wir machen alles mit dem Handy, jeder hat immer eines dabei. Warum kann es dann nicht mehr digitale Lösungen geben?

Für viele kleine und mittlere Unternehmen stellt die Digitalisierung eine Herausforderung dar. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?

In der Tat ist es für kleine Unternehmen oft viel schwieriger. Aber, es ist gefährlich wichtige Trends zu verschlafen. Dabei spiele ich auf die Buchungsportale und die Plattformökonomie an, die die Hotellerie quasi übersprungen haben. Die Hoteliers sind erst aufgewacht, als die Portale mit einem Fuß schon in der Tür waren, in der Tür des eigenen Vertriebs und des eigenen Produktes. Und das kann nicht angehen. Hier muss man vorausdenken und mit der Zeit gehen und rechtzeitig überlegen, lasse ich mir die Hoheit über meinen eigenen Vertrieb nehmen oder nutze ich diese Mittelsmänner und arbeite mit ihnen gemeinsam.

Würden Sie es begrüßen, wenn mehr Unternehmer politisch aktiv würden?

Auf jeden Fall! Wenn man aus der Wirtschaft kommt, hat man eine ganz andere Herangehensweise und Sichtweise auf Themen. Viele Politiker wissen oft gar nicht, womit sich die Unternehmen tagtäglich beschäftigen. Das Traurige aber ist, dass wenige Menschen aus der Wirtschaft in die Politik gehen. Ich glaube, ein Grund dafür ist die häufig negative Darstellung in der Presse.

Sie sind erfolgreiche Unternehmerin, politisch aktiv und Sie haben vier Kinder. Was macht Ihre Balance aus?

Politik ist wichtig, aber ich bin eine Frau der Wirtschaft und werde das auch immer bleiben. In erster Linie bin ich Unternehmerin, und dies für unser Familienunternehmen jeden Tag sehr gerne. Natürlich bin ich auch Mutter, und das ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben – der wichtigste. Es ist ein Balanceakt und es braucht eine gewisse Gelassenheit und Flexibilität, das alles zu handhaben. Und ich lege Wert darauf, auch Abende in der Woche zu Hause bei meiner Familie zu sein und dann mal keine beruflichen Termine wahrzunehmen. Eine weitere Regel, die ich versuche einzuhalten, ist, dass ich mit jedem Kind einmal im Jahr alleine wegfahre, um die Zeit mit jedem Kind alleine zu haben. Das ist alles eine Sache der Organisation und der Prioritätensetzung.

Welche Werte sind Ihnen bei Ihrer Arbeit, Ihrem politischen Engagement und Ihrem familiären Umfeld wichtig?

Als erstes die Ehrlichkeit. Ich möchte am Abend in den Spiegel schauen und sagen können: Ja, du hast für das gestanden, was dir wichtig ist. Dann ist Bodenständigkeit für mich von großer Bedeutung. Ich möchte als jemand verstanden werden, der weiß, wie wichtig die Basis und die Wertschätzung der Mitarbeiter sind, die für unser Unternehmen das tägliche Geschäft machen. Es ist mir wichtig, das auch meinen Kindern zu vermitteln. Der dritte Wert ist der Respekt füreinander. Sich auf den Stuhl des anderen zu setzen und einfach mal, bevor man wertet, zu sehen und zu hören, wie es sich auf dem Stuhl des anderen anfühlt. Auch das ist etwas, was ich versuche, meinen Kindern jeden Tag beizubringen.

Und ein Wert, der mich dazu angetrieben hat, diesen Lebensweg auf diese Art und Weise einzuschlagen, ist die Unabhängigkeit. Es ist dieser Antrieb selbstständig zu sein, meinen Tag und meine Gedanken selber gestalten zu können.

 

Viele Politiker wissen oft gar nicht, womit sich die Unternehmen tagtäglich beschäftigen.

Grand Elysée in Hamburg

Grand Elysée in Hamburg; © Block-Gruppe

Ich habe zum Abschluss ein Fragenkarussell mit vier verschiedenen Fragen vorbereitet. Fangen wir mit dem Essen an: Was kommt Ihnen lieber auf den Tisch Fisch, Fleisch oder vegan?

Abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig, daher auch gerne mal Fisch!

Thema Urlaub: lieber Strand, Städtetrip oder Berge?

Städtetrip.

Welcher Haustiertyp sind sie? Hund, Katze oder Kleintier?

Hund!

Welches Getränk mögen Sie denn am liebsten?

Weißwein.

Ich habe nur noch eine Schlussfrage. Wenn das alles nicht passiert wäre, worüber wir gerade gesprochen haben, was wäre Ihr Lieblingsberuf geworden?

Schwierig zu beantworten, weil ich mich nie gefragt habe, was ich sonst machen wollen würde. Aber was ich auf jeden Fall immer getan hätte, aufgrund der Unabhängigkeit und des Freiheitsgedankens, ich hätte mich in irgendeiner Branche selbstständig gemacht und wäre immer mein eigener Chef gewesen.

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