19. Februar 2019

"Politik ist eine Berufung, die man ausübt, um dem Volk zu helfen."

Im Einsatz für Kunden - im Einsatz für Wähler: Unternehmer & Politiker

Interview mit Irfan Daultana, Parlamentsmitglied in Punjab und Geschäftsführer von drei Hotels in Lahore.

Irfan Daultana im Parlament

Er stammt aus einer politischen Familie – sein Großvater ehemaliger Ministerpräsident, seine Mutter mehr als 25 Jahre lang Abgeordnete im Parlament. Dennoch stellte Irfan Daultana seine persönliche Unabhängigkeit über alles andere und gründete sein eigenes Unternehmen. Bereits vor seinem Eintritt in die Politik eröffnete er drei Hotels im Stadtteil Gulberg in Lahore. Seit 2013 vertritt der Cambridge-Absolvent die Wählerschaft von PP-234 (Vehari-III) in der Provinzversammlung von Punjab.

 

Sie tun beides: Sie sind Abgeordneter, aber Sie besitzen auch drei Hotels. Wie können Sie all diese Aufgaben zugleich erledigen? Wie schaffen Sie das?

Nun, ich bin Parlamentsabgeordneter in Punjab und auch Geschäftsführer der Maisonette Hotels. Es ist eine Leidenschaft für mich, denn wir müssen unternehmerisch handeln, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Um sein tägliches Brot zu verdienen und auch um das Wirtschaftswachstum seines Landes zu fördern, muss man ein eigenes Unternehmen haben. Ehrliche Politiker müssen ihre eigenen Unternehmen führen, um dem Land zu dienen – den Menschen in ihrem Wahlkreis und den Menschen in Punjab und Pakistan. Politik ist eine Berufung, die man ausübt, um dem Volk zu helfen, zur Gesetzgebung Pakistans beizutragen und ein besseres Pakistan und ein besseres Punjab zu verwirklichen.

 

Es ist definitiv nicht nur der Wahlkampf, den man gewinnen will, man hegt vielmehr eine Leidenschaft für das Volk, man will etwas für sein Land tun, man will Veränderungen anstoßen.

Was haben Sie zuerst gemacht – haben Sie als Geschäftsmann oder Politiker angefangen?

Ich habe 1993 mein Unternehmen im Bereich Bauwesen gegründet. Daneben waren wir mit Maisonette im Hotelsektor und mit Maisonette Constructions im Hotelbau aktiv. Im Jahr 2013 habe ich den Wahlkampf zum Parlamentsabgeordneten in Punjab, in Vehari, ausgetragen. Ich habe also fast 20 Jahre lang in meinem Unternehmen gearbeitet und dann nach 20 Jahren entschieden, dass ich auch in die Politik gehen würde. Meine Mutter war mehr als 25 Jahre lang Parlamentsabgeordnete und mein Großvater war von 1951 bis 1953 Ministerpräsident von Punjab.

 

Wow – Ihre Familie hat ein beeindruckendes politisches Vermächtnis hinterlassen!

Ja, meine Mutter war 25 Jahre lang Mitglied des Parlaments und davor war sie Präsidentin und Generalsekretärin der Pakistan-Muslimliga. Sie hat sich also über 35 Jahre lang in einer politischen Karriere behauptet.

 

Würden Sie demnach sagen, dass es Ihre familiären Wurzeln waren, aber auch Ihr Wunsch, das Land zu verändern, der Sie veranlasste, in die Politik zu gehen?

Es war auf jeden Fall beides. Mein Bruder war auch Politiker. Er war Bezirkspräsident von Vehari. Aber er war britischer Staatsbürger und konnte sich daher nicht zur Wahl stellen. Vor meiner Mutter fiel dann meine Entscheidung mich zur Wahl zu stellen, da ich mich engagieren und das Vermächtnis meiner Familie weiterführen wollte. Es ist definitiv nicht nur der Wahlkampf, den man gewinnen will, man hegt vielmehr eine Leidenschaft für das Volk, man will etwas für sein Land tun, man will Veränderungen anstoßen. Und das Allerwichtigste ist, dass es keine Korruptionsskandale gibt. Meine Familie ist da komplett sauber, weil wir unser eigenes Land haben, wir haben unsere eigenen Unternehmen. Wir wollen Politik machen, um dem Land zu dienen und ein besseres Pakistan zu schaffen.

 

Politik ist zu 100% am Wohle des Volkes ausgerichtet, sie soll dem Volk dienen.

Sie sagen also, das Besondere an Ihnen ist, dass Sie, weil Sie Geschäftsmann sind, mehr Unabhängigkeit haben als andere Politiker.

Wir sind unternehmerisch tätig, um unseren eigenen, ehrlichen Lebensunterhalt zu verdienen und definitiv auch um förderungswürdige Menschen zu unterstützen. Politik ist zu 100% am Wohle des Volkes ausgerichtet, sie soll dem Volk dienen.

 

Wenn Sie einen Vergleich ziehen zwischen dem, was Sie in der Politik und was Sie in der Wirtschaft tun, sind es die gleichen Eigenschaften, die Sie erfolgreich machen, oder unterschiedliche?

Einige Dinge sind gleich, beispielsweise, dass es sowohl in der Politik als auch in der Geschäftswelt auf Ehrlichkeit ankommt. In beiden Bereichen muss man einen guten Namen haben. Und in beiden Bereichen trägt man Verantwortung für Menschen. Im Unternehmen arbeiten 500 Menschen für einen. Man ist für sie verantwortlich. Man muss ihre Gehälter pünktlich bezahlen. Man muss sein Unternehmen ordentlich führen. In der Politik, wenn man von Menschen gewählt wird, muss man sie vertreten, um sicherzustellen, dass alle ihre Probleme gelindert werden, und man muss dafür sorgen, dass man ein guter Vertreter der Menschen in dieser Region ist. Aber es gibt auch einige Unterschiede, wie zum Beispiel, dass die Politik nicht dazu da ist, Geld zu verdienen. Unternehmen sind dafür da, Geld zu verdienen. Die Politik soll den Menschen in diesem Land dienen, bei Dingen wie Bildung und Gesundheit. Man muss große Leidenschaft für Menschen mitbringen. In der Wirtschaft muss man unternehmerischer denken, gewinnorientierter sein.

 

Irfan Daultana bei Veranstaltung

Sie sagen, dass Ihnen Verantwortung sehr wichtig ist.

Stimmt, stimmt! Verantwortung ist das Wichtigste, ob in der Wirtschaft oder in der Politik.

 

Wenn Sie an Beziehungen denken, würden Sie sagen, dass diese in den beiden Bereichen auch sehr wichtig sind?

Dem stimme ich voll und ganz zu! In der Politik muss man den Menschen begegnen. Man geht zu ihren Hochzeiten. Man geht zu ihren Beerdigungen. Man muss eine gute Beziehung zu den Menschen aufbauen. Und dasselbe gilt auch für das Unternehmertum. Man sollte mit allen Kollegen, mit allen Mitarbeitern, die mit einem arbeiten, eine familiäre Beziehung haben. Das Geschäft ist gewinnorientiert – das ist das Wichtigste – aber der Faktor Wertschätzung sollte auch vorhanden sein. Sie sollten das Gefühl haben, dass sie alle Teil einer Familie sind.

 

(In der Politik) muss man große Leidenschaft für Menschen mitbringen. In der Wirtschaft muss man unternehmerischer denken, gewinnorientierter sein.

Sie arbeiten im Hotel- und Gastgewerbe – was auch für die METRO von zentraler Bedeutung ist. In der Hotellerie und Gastronomie geht es darum, dass sich die Menschen willkommen fühlen, dass man sie sozusagen zu sich nach Hause einlädt. Glauben Sie also, dass die Menschen im Gastgewerbe eine spezielle Art haben, die dem nahe kommt, was die Politik von einem verlangt?

Die Hotellerie, das Gastgewerbe sind Dienstleistungsbranchen. Man muss also ordentliche Dienstleistungen erbringen, man muss seinen Kunden begegnen, man muss eine gute Beziehung zu ihnen haben, man muss sicherstellen, dass sie sich wohl fühlen, wenn sie im eigenen Hotel wohnen. Sie sollten gutes Essen bekommen und eine gute Atmosphäre vorfinden. Und das gleiche gilt für die Politik. Die ist auch eine Dienstleistung, die man erbringt. Sie ist eine Dienstleistung, die man zum Wohle der Menschen erbringt.

 

Wenn ich mit anderen Geschäftsleuten spreche – und wir bei METRO kommen auch aus der Wirtschaft –, höre ich oft, dass sich Menschen über die Politik beschweren. Und dann möchte ich Politiker häufig verteidigen, denn für mich ist das eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, man hat viel Verantwortung. Hören Sie auch oft solche Beschwerden über Politiker und wie denken Sie darüber?

Die Leute machen Politiker definitiv verantwortlich – für die guten und die schlechten Dinge. Aber Politiker opfern tatsächlich ihr Leben auf, sprich ihr Familienleben. Sie gehen in ihre Wahlkreise, sie treffen Menschen, sie dienen ihnen mit all ihrer Zeit. Im Unternehmen ist man für eine begrenzte Zeit, z.B. von 9 bis 17 Uhr, an fünf oder sechs Tagen. Die andere Zeit hat man für sich selbst oder seine Familie. In der Politik ist das nicht der Fall. Wenn jemand kommt, muss man 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche für die Menschen da sein. Wenn sie dich zum Politiker machen, wenn sie dich in das Parlament wählen, dann ist dein Leben auf sie ausgerichtet. Ich denke, das gilt für alle Politiker. Jeder, der Mitglied des Parlaments wird, muss Telefonate entgegennehmen, muss zu Hochzeiten gehen, muss zu den Beerdigungen gehen, muss den Wahlkreis in der Versammlung vertreten. Wenn man in der Regierung ist, muss man finanzielle Mittel von seinen Vorgesetzten annehmen. Man denkt also die ganze Zeit über seinen Wahlkreis nach, denkt über die Vorteile nach, die man von der Regierung für die Menschen erhalten kann. Deshalb wählen einen die Menschen, und wenn man es nicht tut, ist man beim nächsten Mal draußen.

 

Irfan Daultana im Parlament

Wenn man nur Politiker ist, wie verdient man sein tägliches Brot und wie kann man sich mit der Wirtschaft und den unternehmerischen Rahmenbedingungen des Landes auskennen?

Sie haben einen unternehmerischen Hintergrund: Glauben Sie, dass es für Sie einfacher ist, anderen Geschäftsleuten die von Politikern getroffenen Entscheidungen zu vermitteln?

Das hilft auf jeden Fall. Wenn man Unternehmer ist, kennt man die Probleme beider Seiten. Man kann die Wirtschaft auch deshalb unterstützen, weil man auch unter den gleichen Problemen leidet. Daher ist es meiner Meinung nach wie gesagt wichtig, dass die Menschen, die in der Politik tätig sind, ihr eigenes Unternehmen haben. Um Politik ehrlich zu betreiben und die Probleme, die Krisen, zu kennen, mit denen sich Unternehmen konfrontiert sehen. Wenn man nur Politiker ist, wie verdient man sein tägliches Brot und wie kann man sich mit der Wirtschaft und den unternehmerischen Rahmenbedingungen des Landes auskennen?

 

Eine Nachfrage dazu: Wäre es gut, wenn die Bezüge für Politiker erhöht würden, damit diese mehr Unabhängigkeit erlangen können?

Meiner Meinung nach sollten die Bezüge von Politikern erhöht werden, damit sie einen angemessenen Lebensunterhalt verdienen können. Als ich 2013 Mitglied des Parlaments wurde, betrug unser Gehalt etwa 250 US-Dollar pro Monat, das war gar nichts. Denn wenn man Politiker ist, braucht man seine Sekretäre, man muss seinen Wahlkreis besuchen und bekommt vom Staat keine Beförderung gestellt. Dennoch habe ich das Gefühl, Geschäftsmann und Politiker zu sein, ist das Beste.

 

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