17. Januar 2020

Frischer Fisch – Fair aus dem Meer geangelt

Wie es Momo vom Fischer im Senegal zum selbständigen Unternehmer in Berlin schaffte

Als Fischer im Senegal sah Mouhamed „Momo“ Mbaye nur noch wenig Perspektive: Die Überfischung der Meere und der ungleiche Wettbewerb mit internationalen Fangflotten brachte die lokale Fischindustrie in schwere Bedrängnis. Momo wanderte nach Europa aus – und gründete ein Fischimport-Unternehmen in Berlin. Mit nachhaltig gefangenen Fischen aus seiner Heimat verbessert „Touba Peche“ heute Lebensbedingungen vor Ort – und trägt bei METRO zum Angebot für bewussten Fischkauf bei.

Momo und seine Familie

Die Meere vor Westafrika gehören zu den fischreichsten der Welt. Raubfische, Tintenfische, Sardinen sind dort anzutreffen. Doch die Fischbestände sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Maßgeblich für diese Entwicklung: Hochausgerüstete Fangflotten aus aller Welt, die an einem einzigen Tag so viel Fisch fangen können, wie schätzungsweise 300 Pirogen – bis zu 20 Meter lange Holzboote – in einem Monat. Irgendwann lohnte es sich für die lokalen Fischer kaum noch aufs Meer zu fahren. Irgendwann wurde auch für die heimische Bevölkerung der Fisch, zentrales Nahrungsmittel der Senegalesen, knapper – und damit teuer.

Wie unter dem Brennglas war in den Ländern der westafrikanischen Küste zu beobachten, wie die massiv gewachsene globale Fischindustrie auf dem Rücken zunächst großzügiger staatlicher Fanglizenzen, löchriger Kontrollsysteme und Gesetzeslücken das Ökosystem Meer bedroht und schließlich Lebensgrundlagen zerstört. Und somit Gründe für Flucht schafft.

Momo emigrierte 2003 nach Spanien. Er arbeitete als Koch – und ergänzte sein von Kindesbeinen an aufgebautes Wissen über den Fischfang mit Kenntnissen zur Fischverarbeitung. 2012 ging es weiter nach Berlin. Er entwickelte gemeinsam mit seinen Brüdern, Papa und Adama, die Idee eines eigenen Unternehmens, das Frischfisch aus dem Senegal nach Deutschland bringt – und damit die Bestände vor den Küsten Senegals mit der Nachfrage in Deutschland zusammenführt: „Touba Peche“.

 

Fischerdorf Vogelperspektive

Fischerdorf aus der Vogelperspektive

© Touba Peche

Nachhaltiger Fischfang in Senegal

Nachhaltiger Fischfang in Senegal

© Touba Peche

Zentrale Säule des Geschäftsmodells von „Touba Peche“: Nachhaltiger Fischfang. Es geht mit Pirogen auf das Meer, der Fisch wird mit handbetriebenen Langleinen und kleinen Netzen gefangen. Diese Fangmethode gewährleistet, dass geringere Mengen gefischt werden, kein Beifang entsteht und somit das Ökosystem des Atlantiks nur minimal beeinträchtigt wird. Die lokalen Fischer, mit denen „Touba Peche“ kooperiert, müssen nicht mehr an Großunternehmen liefern und werden rund 20 Prozent über dem lokalen Durchschnitt bezahlt. Damit trägt „Touba Peche“ zur Verbesserung der Lebensgrundlage der Fischer – jeder fünfte Senegalese ist direkt oder indirekt vom Fischfang abhängig – bei.

2015, als alle bürokratischen Hürden gemeistert waren, setzte Momo seine Idee um. Er ließ sich Fisch aus dem Senegal senden und klapperte Restaurants und Fischverkäufer in Berlin ab. Der Weg war holprig, führte Momo haarscharf an der Insolvenz vorbei - aber mit dem Glauben an seine Produkte entwickelte sich das Unternehmen.

Durch einen Zufall gelang Momo an METRO: Mit über 200.000 Tonnen Frischfisch pro Jahr und einem jährlichen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro ist das Unternehmen der größte Frischfischvermarkter Europas – und damit in zentraler Verantwortung für den Schutz der Fischbestände. Der wichtigste Hebel für METRO dabei – die Einkaufspolitik. 2012 hat sich METRO einer Richtlinie für die Fischbeschaffung verschrieben.

Ihr Ziel: Das METRO-Fischsortiment aus nachhaltigen Produkten zu gestalten. Zentrale Faktoren dabei: Zertifizierungen wie MSC, Global G.A.P. und ASC, klare Benennung akzeptierter Fangmethoden, Maßnahmen zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit für METRO und seine Kunden – wie beispielsweise über die ProTrace App, über die Kunden in Deutschland den Weg von 700 Fischsorten nachverfolgen können, sowie die Umsetzung ökologischer und sozialer Kriterien entlang der Lieferkette.

2016 setzte sich METRO ein neues Ziel: Bis 2020 sollen 80 Prozent der zwölf meistverkauften Fisch- und Meeresfrüchtesorten eine vom Unternehmen akzeptierte Nachhaltigkeitszertifizierung vorweisen. Bei METRO Deutschland beispielsweise sorgen diese zwölf Sorten für 70 Prozent des Umsatzes mit Fisch und Meeresfrüchten.

 

Fischen mit Pirogen

Fischen mit Pirogen

© Touba Peche

Fischer aus Senegal

Fischer aus Senegal

© Touba Peche

Neben der Säule Zertifizierung beruht die Einkaufspolitik von METRO jedoch auf zwei weiteren Säulen: Partnerschaften und Projekte.

Und hier kommen Momo und sein Grundsatz – nachhaltiger Fischfang – wieder ins Spiel. Denn mag die Geschäftsbeziehung zu METRO für Momo ein großer Fang gewesen sein und sein Geschäft nach vorne gebracht haben – für METRO ist „Touba Peche“ auch ein wichtiger Partner, die eigenen Ziele für ein nachhaltiges Fischsortiment zu realisieren und an Ware zu kommen, die man bei anderen Anbietern vergeblich sucht.

Aufgrund der Zusammenarbeit mit METRO, wurde es Momo ermöglicht, sich um die in Deutschland so wichtige und erforderliche Zertifizierung für den Handel zu kümmern. Seit Ende 2017 ist „Touba Peche“ gelistet, heute liefert Momo einmal wöchentlich – Dienstag morgens – Fisch aus dem Senegal an die Fischplattform von METRO in Groß-Gerau bei Frankfurt. Doraden, Papageifische oder Barben. 300 bis 500 Kilo. Von dort werden sie in die METRO-Märkte gebracht und im Exotensortiment angeboten. Die Käufer: Gastronomen, die Wert auf eine Speisekarte legen, in der Fisch und Meeresfrüchte noch lange ihren Platz haben werden.

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