20. Februar 2020

Neue Standards für Lebensmittelsicherheit

METRO-Programm für gute Landwirtschaft in Myanmar

Die strategische geografische Lage Myanmars in Asien, seine Fülle an Naturschätzen und der große Anteil junger Menschen an der Bevölkerung machen das Land zum idealen Anwärter auf den Titel des „nächsten aufsteigenden Sterns Asiens“. Nach fünf Jahrzehnten der wirtschaftlichen Isolation unter dem Militärregime hat Myanmar 2011 seine Wirtschaft wieder geöffnet. In den vergangenen Jahren erlebte Myanmar daher enorme wirtschaftliche und politische Veränderungen. Diese Entwicklungen locken auch immer mehr Besucherinnen und Besucher nach Myanmar.

Landwirtschaft in Myanmar

Während sich Reisende auf ihre Abenteuer in Myanmar freuen – den Inle-See, Mrauk U, das Mergui-Archipel – beschäftigt viele von ihnen auch ein ganz bestimmtes Thema: Lebensmittelsicherheit. Und sie haben nicht ganz Unrecht: Im Global Food Security Index (2017) des Economist Intelligence Unit rangiert Myanmar in punkto Lebensmittelqualität und -sicherheit unter 113 Ländern weltweit nur auf Platz 71. Lebensmittelsicherheit ist also eine immense Herausforderung – natürlich nicht nur für Besucher, die die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorantreiben, sondern vor allem auch im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit. Die Mehrheit der 53 Millionen Einwohner des Landes hat nur Zugang zu Nahrungsmitteln, die als nicht sicher bzw. hygienisch einwandfrei eingestuft werden.

Die Regierung Myanmars hat die Verbesserung der Lebensmittelsicherheit daher jüngst zu einer vorrangigen Priorität erklärt. Myanmars Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Bewässerung verstärkt derzeit seine Bemühungen, kurz- und langfristige Initiativen sowie Vorschriften zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheitsstandards im Land zu erarbeiten. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Lebensmittelsicherheit eine Vielzahl von Prozessen umfasst: vom Erzeuger bis hin zum Verbraucher. Im Zuge dieser Initiativen hat das Ministerium 2017 das Protokoll und die Richtlinien für gute landwirtschaftliche Praxis (GAP) für 15 Nutzpflanzen eingeführt. Das GAP setzt somit neue Standards für die Landwirte und verpflichtet sie zur Modernisierung ihrer Prozesse zur Erzeugung sicherer und qualitativ hochwertiger Produkte für den heimischen sowie internationale Märkte.

GAP Programm

© METRO Myanmar

Kleine landwirtschaftliche Betriebe sind das Rückgrat des Agrarsektors in Myanmar. Dieser bietet etwa 56 Prozent der Arbeitskräfte Beschäftigung und sichert die Lebensgrundlage für etwa 70 Prozent der Landbevölkerung. In den Kleinbetrieben werden landwirtschaftliche Tätigkeiten in der Regel manuell und mit geringem Mechanisierungsgrad durchgeführt. Genau hier nimmt Lebensmittelsicherheit ihren Anfang, auf der Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe. Hier beginnt der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten – z.B. indem sichergestellt wird, dass die Menge an Rückständen unter dem zulässigen Niveau liegt oder indem mikrobielle Verunreinigungen und Schwermetalle reduziert werden.

Auf dem Feld in Myanmar

© METRO Myanmar

Angesichts der schwierigen landwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Myanmar kommt Privatunternehmen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Lebensmittelsicherheit „vom Erzeuger zum Verbraucher“ zu. Gemeinsam mit weiteren Akteuren ist METRO Myanmar treibende Kraft im Bereich Lebensmittelsicherheit. Zum einen hat sich das Unternehmen als erster internationaler Großhändler Myanmars nach HACCP zertifizieren lassen – Gütesiegel für das Engagement der METRO im Bereich Lebensmittelsicherheit und unsere Bemühungen, unseren Kunden Produkte von hoher Qualität zur Verfügung zu stellen. Zum anderen hat METRO Myanmar ein Programm ins Leben gerufen, im Rahmen dessen seine Obst- und Gemüselieferanten mit dem Ziel der Verbesserung ihrer Bilanz im Bereich Lebensmittelsicherheit geschult werden: Das Programm für gute landwirtschaftliche Praxis (Good Agricultural Practices – GAP) wurde im September 2018 ins Leben gerufen.

GAP Schulung auf dem Feld

© METRO Myanmar

Die Schulung umfasst eine Reihe von Prinzipien, die auf die Erzeugung im Betrieb selbst und auf die nachgeschalteten Prozesse anwendbar sind und die im Ergebnis zu sicheren und gesunden Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Non-Food-Produkten führen, wobei wirtschaftliche, soziale sowie ökologische Nachhaltigkeitsaspekte Berücksichtigung finden. Die Schulungsinhalte umfassen Lebensmittelsicherheit, Umweltmanagement, Produktionsqualität, Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Schädlings- und Krankheitsprävention. Jede Schulung zu einer Anbaupflanze dauert zwei Tage. Je nach Sorte sind etwa vier Monate des Monitorings erforderlich, bis die Ernte beginnt und die Zertifizierung erteilt werden kann.

Das GAP-Programm wurde zusammen mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Bewässerung Myanmars sowie mit Landwirten vor Ort ins Leben gerufen. Zur Umsetzung des Programms hat METRO Myanmar eine externe Schulungsorganisation beauftragt, die Berater, Agrarwissenschaftler, Projektmanager, Marketingspezialisten, Geschäftsanalysten und Hilfskräfte einsetzt. Gearbeitet wird in multikulturellen, multidisziplinären Teams. METRO hat das Programm in Myanmar bisher in Aungban (Shan-Staat) und Pwint Phyu (Region Magway) auf den Weg gebracht.

 

Seit Start des Programms hat METRO Myanmar vor Ort bisher etwa 200 Landwirte ausgebildet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf vier Nutzpflanzen: Tomaten, Kartoffeln, Knoblauch und Zwiebeln (50 Landwirte pro Sorte). 62 Landwirte aus dieser Gruppe haben vom Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Bewässerung ein GAP-Zertifikat erhalten.

Indem die METRO und ihre Partner in das Know-how der Bauern investieren, unterstützen sie auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Myanmars: Gut ausgebildete Landwirte steigern die Produktivität und die Qualität der Erzeugnisse des Sektors. Dies wiederum führt zu höheren Einkommen und schafft neue Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette. Zwischen 2005 und 2015 waren Fortschritte im Agrarsektor direkt für eine Verringerung der Armut in Myanmar um 46 % verantwortlich.

 

Überreichung des GAP-Zertifikats

© METRO Myanmar

Die International Finance Corporation (IFC), Mitglied der Weltbankgruppe, schloss sich daher im Februar 2019 der METRO Myanmar in ihrer Mission an. Mit einer Finanzierung in Höhe von 20 Millionen Dollar unterstützt die IFC die METRO bei der Verbesserung von Qualität und Verfügbarkeit sicherer einheimischer Produkter zum Nutzen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Myanmar. Damit kann METRO die Zahl der einheimischen Lieferanten weiter erhöhen – und schafft so Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sowie indirekt auch in der Lebensmittelverarbeitung und Logistik.

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