4. Dezember 2019

Mit Dumplings gegen Foodwaste

Interview mit den Gründern von DingsDums Dumplings

Mit kreativen Dumplings Lebensmittelverschwendung den Kampf ansagen – das ist die Mission von Ann-Kathrin Wohlrab (Anna) und Mauritz Schröder von DingsDums Dumplings in Berlin-Kreuzberg. Wir sprachen mit den frischgebackenen Preisträgern des METRO Preises für Nachhaltige Gastronomie über ihre Motivation zum Lebensmittelretten.

DingsDums Dumplings Foodtruck

Anna, Mauritz, ihr habt eure Jobs in der Medienbranche hinter euch gelassen und 2017 das Projekt DingsDums Dumplings gestartet, warum?

Mauritz: Im Grunde hat Anna das Ganze initiiert. Aufgerüttelt durch die WWF-Studie zum Thema Lebensmittelverschwendung hat sie sich privat intensiv damit beschäftigt, was sie aus überschüssigen Lebensmitteln im Kühlschrank noch so machen kann. Gleichzeitig hat sie nach einer neuen, sinngebenden Herausforderung gesucht.

Anna: Ja genau. Ich habe vorher im E-Commerce-Bereich gearbeitet und da stand im Mittelpunkt, Leute dazu zu bringen, immer mehr zu konsumieren. Ich kam aber an den Punkt, an dem ich mein Wissen und mein Talent einsetzen wollte, nachhaltigen Konsum voranzubringen.

Mauritz: Anna wusste, dass ich selbst gründen wollte und durch meine Ausbildung Managementwissen mitbringe. Gemeinsam haben wir dann intensiv an der Problemstellung gearbeitet, wie es gelingen kann, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

 

Die Dumpling Variationen

Dumpling Variationen; © DingsDums Dumplings

Und wie kam es dann zu der Idee, gerettete Lebensmittel in Dumpling-Teig zu verpacken?

Mauritz: Das war ein langer Weg. Wir haben über verschiedene Ideen nachgedacht, diese dann aber aus Gründen wie Logistikaufwand oder Finanzierungsbedarf wieder verworfen. Wir haben zum Beispiel länger über eine Kühlschrank-App nachgedacht, die Leute und ihre Kühlschrankinhalte zusammenbringt – eine Art Kühlschrank-Tinder. Eine andere Idee war eine Kochbox mit geretteten Lebensmitteln. Das war aber durch die Spontanität bei den verfügbaren Lebensmitteln und ihrer teilweise begrenzten Haltbarkeit kaum so machbar, wie wir es uns vorgestellt haben. Also haben wir weiter nach der perfekten Lösung gesucht.

Anna: Schließlich wurde aus der Kochbox eine Teigbox – also unsere Teigtaschen. Die ursprüngliche Idee dazu hatte Mauritz‘ Schwester. Sie ist eine begeisterte Dumpling-Esserin und hat bei der Resteverwertung bereits mit Teigtaschen experimentiert – und auch mit ungewöhnlichen Füllungen wie Blutwurst. Das hat uns gezeigt, dass Teigtaschen mit ganz unterschiedlichen geretteten Lebensmitteln harmonieren und uns so eine große Spontanität erlauben. Denn wir wissen nie genau, welche Lebensmittel morgen übrig sein werden. Außerdem lassen sich Teigtaschen bzw. Dumplings gut einfrieren und damit haltbar machen. Nach dem Einfrieren und dann Zubereiten sind sie sogar noch leckerer und saftiger.

Woher kommen denn die Lebensmittel, die ihr in Dumplings „verpackt“?

Mauritz: Einige Grundzutaten wie Mehl und Gewürze kaufen wir konventionell ein. Aber etwa 80 bis 90% der Lebensmittel, die wir verwenden, sind gerettet. Dazu schauen wir bei unseren Partnern wie den SIRPLUS-Rettermärkten, aber auch bei konventionellen Großhändlern wie METRO, auf Gemüsemärkten oder befreundeten Restaurants was dort übrig, aber qualitativ noch einwandfrei ist. Daraus werden dann mit viel Kreativität unsere unterschiedlichen Dumpling-Füllungen und Saucen.

Anna: Manchmal kommen da Kreationen heraus, von denen wir vorher auch nicht gedacht hätten, dass sie funktionieren. Aber genau das ist das Tolle. Eine ziemliche Herausforderung war einmal Matjes. Da haben wir uns lange gefragt, was machen wir jetzt damit. Am Ende wurde es eine Art Muffin aus einem Teig mit geschrotetem Schwarzbrot. Den haben wir mit den Dingen gefüllt, die man klassisch zu Matjes isst: Zwiebeln, Gürkchen und rote Beete. Den haben wir gedämpft und mit einem Matjesstück drauf und einem Klecks Dillsauce serviert – das kam super an.

Wie ist die Motivation eurer Gäste zu DingsDums Dumplings zu kommen – geht es darum, was Gutes zu tun oder einfach leckere Dumplings zu essen?

Mauritz: Unser Publikum ist ganz gemischt. Manche waren schon mal da und wissen deshalb, was wir machen und was sie erwartet. Andere kommen einfach, weil sie gerade Dumplings auf der Karte gelesen haben oder uns bei Google Maps gefunden haben. Es gab auch schon Gäste, die vorbeigekommen sind, weil sie uns im Fernsehen gesehen haben und unsere Idee toll fanden. Am Ende liegt die Verteilung in etwa bei 50:50. Besonders freuen wir uns, wenn wir mit den Gästen ins Gespräch kommen, über das, was wir hier machen. So wie bei einer Mutter, die mit ihrer Tochter extra zum Geburtstagsessen bei uns vorbeikam. Bei der Tochter war Lebensmittelverschwendung gerade Thema in der Schule und sie hat sich brennend dafür interessiert, was wir machen, und wollte die Dumplings unbedingt mal ausprobieren.

Im letzten Jahr habt ihr den „Zu gut für die Tonne“ Bundespreis gewonnen und nun seid ihr frischgebackene Preisträger des METRO Preises für Nachhaltige Gastronomie. Wie wichtig sind euch solche Auszeichnungen?

Mauritz: Persönlich haben solche Auszeichnungen für mich eine große Bedeutung, weil man dadurch auch über die eigene Bubble – also Familie, Freunde, Gäste – hinaus Anerkennung bekommt für das, was man tut. Es ist schon etwas Besonderes, wenn Gastronomen wie Christian Rach beim Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ oder Leute, die sich in der gesamten Szene gut auskennen und zu denen man eigentlich hinaufguckt, sagen: „Das habt ihr toll gemacht, das ist Spitze, ihr seid auf dem richtigen Weg“. Das gibt einem zusätzlich zum Feedback der Gäste nochmal extra Kraft und Motivation.

Als junges Unternehmen freuen wir uns außerdem über jeden medialen Hype, jede mediale Aufmerksamkeit und die bieten solche Preise natürlich auch. Je mehr Leute dadurch auf das Thema Lebensmittelretten und unser Restaurant aufmerksam werden, desto besser!

Anna: Außerdem kommen wir mit solchen Preisen in der Mitte der Gesellschaft an: Jeder kennt METRO, jeder kennt auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Das gibt uns mehr Bekanntheit, mehr Glaubwürdigkeit und hilft uns auch bei der Ansprache neuer Partner, bei denen wir Lebensmittel retten wollen. Gerade am Anfang haben wir häufiger zu hören bekommen: „Ja, ja, Spinner!“. Das hat sich komplett verändert. Wir arbeiten weiter an diesem Bewusstseinswandel. Wir wollen Lebensmittel retten cool machen – mit einem coolen Produkt.

 

Und der Preis geht an ...

DingsDums Dumplings, die Sieger des METRO Preises für Nachhaltige Gastronomie; © Dariusz Misztal

Glaubt ihr, dass euch bald Restaurants mit dem Fokus auf Foodwaste-Vermeidung nacheifern werden?

Anna: Ja, absolut, man sieht das ja schon gerade, wenn man ein bisschen auf Social Media unterwegs ist. Da poppen eine Menge interessanter Unternehmen auf, die Lebensmittel retten. Und in der Gastronomie gab es das Nachhaltigkeitsthema im Grunde schon immer. Jeder Wirt schaut, wie er wirtschaftlich arbeiten kann, und versucht die Lebensmittel, die er eingekauft hat, auch möglichst zu verwerten. Das ist schließlich einer der Hauptkostenfaktoren.

 

Wie sehen eure eigenen Planungen aus? Gibt es bald Dumpling Restaurants in anderen Berliner Bezirken oder gar anderen Städten?

Mauritz: Wir legen Wert auf organisches Wachstum und haben zum Glück niemanden, der mit der Peitsche hinter uns steht, und können so unser Tempo selbst bestimmen. Zukünftig werden wir aber auf jeden Fall versuchen, unser B2B-Geschäft weiter auszubauen. Wir schauen auch, ob wir unsere Dumplings gefroren verkaufen können, über einen Onlineshop hier aus dem Laden heraus. Es gibt auch ein, zwei Projekte, die leider noch nicht ganz spruchreif sind. Aber nächstes Jahr werden wir sicher wieder von uns hören lassen.

Wir werden definitiv weiter Lebensmittel retten. Seit Öffnung des Ladens haben wir inklusive unserer Caterings knapp zwei Tonnen Lebensmitteln gerettet – das ist ein wichtiger Ansporn!

Zum Schluss noch die wichtigste Frage: Welcher ist euer Lieblingsdumpling?

Anna: Alle!

Mauritz: Das ist echt schwer zu sagen. Man hat eigentlich jede Woche einen neuen Favoriten. Es lohnt sich auch gar nicht, bei einem Wechsel seinem Lieblingsdumpling hinterherzutrauern. Der nächste ist direkt wieder so lecker, dass man den Verlustschmerz schnell verkraftet.

Wunderbare Abschlussworte! Vielen Dank für das spannende Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Lesen Sie den Nachbericht zum METRO Preis für Nachhaltige Gastronomie hier.

 

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